Nachruf

Pedro Lenz: Wie Andy Rihs (†75) seine Kritiker zum Schweigen brachte

Der Milliardär Andy Rihs war ein Mann des Volkes. In die Young Boys hat er Millionen investiert. Nicht allen Fans gefiel das, doch Rihs wusste zu überzeugen. Den lang ersehnten Meistertitel wird er aber nicht mehr miterleben dürfen.

Als YB-Fan erinnert man sich an Zeiten, als der finanzielle Ruin wie ein Gespenst über dem Wankdorf-Stadion schwebte. Mehr als einmal stand in den 1990er-Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends das Gerücht im Raum, der stolze Berner Sportclub Young Boys sei bald zahlungsunfähig.

Dann kam das neue Stadion und mit ihm verbesserte Vermarktungsmöglichkeiten und neue Investoren. Berner Firmen oder Privatpersonen hielten sich freilich vornehm zurück, wenn es darum ging, unvernünftig viel Geld auszugeben. Es brauchte hierfür zwei Enthusiasten vom Zürichsee, die Brüder Hansueli und Andy Rihs.

Was Milliardär Andy Rihs am Herzen lag

Was Milliardär Andy Rihs am Herzen lag: Ein Video-Rückblick auf das Leben des Unternehmers und Velofan.

Das Engagement der Brüder Rihs wurde allerdings nicht von allen YB-Fans gleichermassen geschätzt. Bern hat traditionellerweise Mühe mit der Vorstellung, dass von ausserhalb der Stadtgrenzen Berns irgendetwas Gutes kommen kann. Und es fehlte nicht an Stimmen, die den Rihs-Brüdern skeptisch gegenüberstanden.

Von Andy Rihs, dem öffentlich bekannteren der beiden Brüder, wussten alle, dass er viel Geld in den Radsport investiert hat. Aber würde ein Erfolgsunternehmer vom Zürichsee, der dazu noch ein bekennender Velo-Fan ist, dem BSC YB längerfristig die Treue halten?

Er duzte und liess sich duzen

Zusammen mit seinem Bruder Hansueli hat Andy Rihs alle Kritiker zum Verstummen gebracht. Zum einen durch seine Grosszügigkeit, zum andern durch seine direkte Art, auf Menschen zuzugehen, und durch seine ansteckende Lebensfreude.

Niemand weiss ganz genau, mit wie vielen Millionen die Brüder Rihs die Kasse der Berner Young Boys alimentiert haben. Wie klassische Mäzene blieben sie diesbezüglich immer diskret.

Andy Rihs, der uns am Mittwoch für immer verlassen hat, war mehr als ein erfolgreicher Unternehmer, Radsportfanatiker, «Gümmeler» und YB-Mäzen. So widersprüchlich das tönen mag, der Milliardär aus Stäfa war in erster Linie ein Mann des Volkes. Er liebte das direkte Gespräch. Er duzte und liess sich duzen. Er unterwarf sich keinen Bekleidungszwängen oder anderen Etiketten. Sein Stil war die zwanglose Nähe zu den Leuten. Rihs lernte mit den Young Boys den Fussball lieben, der ja, genau wie der Radsport, zu den klassischen Arbeitersportarten zählt.

Bestimmt war Andy Rihs, wie alle erfolgreichen Unternehmer, ein Arbeitstier. Aber anders als viele seiner Gilde pflegte er daneben auch die gelebte Freude an den schönen Seiten des Lebens.

Im YB-Stadion erzählte er gerne von seinem Weingut in der Provence mit den eigenen Reben, von deren Güte sich seine Gäste selber überzeugen konnten. Wer Andy Rihs zuhörte, konnte spüren, dass er alles mit Leidenschaft betrieb. Leidenschaftlich redete er über das Velodrome in Grenchen, das ohne sein Engagement nie zustande gekommen wäre. Leidenschaftlich redete er über die Tour de France, deren Grösse und Bedeutung in der Schweiz oft unterschätzt wird. Und leidenschaftlich analysierte er die YB-Spiele, die er nicht selten mit einer dicken Zigarre im Stade de Suisse verfolgte.

Es scheint eine böse Laune des Schicksals zu sein, dass dieser grosszügige Mensch, der so viel Geld und Herzblut in den BSC Young Boys investiert hat, so kurz vor dem Erreichen des lang ersehnten Meistertitels sterben musste.

Wer Andy Rihs gekannt hat, weiss jedoch, dass er sich nicht allfälliger Titel wegen bei YB engagiert hat, sondern weil er ein grosses Sportlerherz hatte. Möge Andy Rihs in Frieden ruhen.

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