Montagsinterview
Peach Weber: «Ueli Maurer hat sicher den grössten Unterhaltungswert»

Er sieht sich nicht als besonders guten Komiker und macht sich am liebsten über sich selbst lustig: Der Aargauer Komiker Peach Weber spricht im Interview über das Älterwerden, Schweizer Politiker und sein neues Programm.

Stefan Künzli
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Ueli Maurer an der Olma, Peach Weber an der Gitarre.

Ueli Maurer an der Olma, Peach Weber an der Gitarre.

Nordwestschweiz

Wir treffen uns im Haus von Peach Weber in der Freiämter Gemeinde Hägglingen. Das geräumige Haus hat zwölf Zimmer und einen grossen Garten mit Teich und Sommerhäuschen. Es liegt etwas oberhalb des Dorfes, von wo man bei schönem Wetter in die Berge sieht. Auf der nahe gelegenen Wiese weiden friedlich Kühe und ihre Glocken vermitteln einen idyllischen Alpengroove. Der in Wohlen aufgewachsene Komiker lebt mit seiner 18-jährigen Tochter seit vierzehn Jahren hier. Weil er nicht gerne reist, ist das Haus sein Lebensmittelpunkt. Hier arbeitet er und brütet seine Programme aus. In der Stube steht ein Klavier mit einem Notenbuch «Jazzstandards».

Herr Weber, arbeiten Sie an einer neuen Karriere als Jazzpianist?

Peach Weber: Nein, nein. Das Klavier gehört meiner Tochter.

Schlägt sie Ihnen nach?

Nein, zum Glück nicht. Sie ist sehr musikalisch und sehr talentiert. Ich könnte das nie.

Was ist speziell an Hägglingen?

Hägglingen ist noch ein richtiges Dorf mit einem intakten Dorfleben, das von Vereinen geprägt ist. Etwas abseits der Verkehrswege im Freiamt gelegen, ist es hier sehr ruhig. Die Leute sind nett, bodenständig und gesellig, lassen dich aber in Ruhe, wenn du nicht mitmachen willst.

Sind Sie hier verwurzelt?

Inzwischen schon. Fühle mich aber auch immer noch als Wohler. Weil ich viel unterwegs bin, kann ich bei keinem Verein aktiv sein. Ich war mal in der Kulturkommission, musste mich dann bei jeder zweiten Sitzung entschuldigen. Das geht leider nicht. Deshalb bin ich immerhin Passivmitglied bei der Tell-Spiel-Genossenschaft von Hägglingen und gehe, wenn möglich, an die Sitzungen.

Das neue Programm ist da, die CD erschienen. Sind Sie zufrieden?

Sehr. Es ist alles aufgegleist, ich bin aber etwas unter Druck. Der alte Mann hat heute halt etwas länger. Es geht nicht mehr so schnell wie früher.

Das Alter beschäftigt Sie auch in Ihrem Programm. Witze über das Alter scheinen zu Running Gags zu werden – wie jene über Ihr Gewicht.

Ich mache mich am liebsten über mich selber lustig. Das ist der legitimste Humor. Aber man kann nicht das ganze Programm mit sich selber füllen. Deshalb schaue ich auf einen thematischen Mischmasch. Humor ist sehr persönlich, es gibt keine objektiven Massstäbe. Ich habe Mühe, wenn Halbintellektuelle den Humor einteilen in guten und schlechten Humor. Bei mir zählt, was ich lustig finde und die Leute zum Lachen bringt.

Aber ganz offensichtlich beschäftigen Sie sich mit dem Älterwerden.

Ich versuche, es so locker wie möglich zu nehmen. Eine Nachbarin aus meiner Jugendzeit sagte immer: Mir geht es gut, mir tut jeden Tag etwas anderes weh. Mich faszinieren jene alten Leute, die es mit Humor nehmen können. Hundertjährige müssen Humor haben, sonst wird man nicht hundert Jahre alt.

Wie wirkt sich das Älterwerden auf Ihre Karriere aus?

Früher hatte ich bis zu 220 Auftritte pro Jahr. Das ist heute undenkbar. Ich habe schon vor einiger Zeit die Auftritte reduziert und weiss, dass ich Ruhepausen brauche, um aufzutanken. Heute sind es gegen hundert Auftritte pro Jahr.

Hat sich Ihr Publikum im Laufe der Zeit verändert?

Seit dem Lied «Borkechäfer» vor 34 Jahren zählen auch Kinder zu meinem Publikum. Seither sind alle Alterskategorien vertreten. Ich mag das Dorffest-Publikum, wo der pensionierte Lehrer mit dem Metzger und der Kindergärtnerin lacht. Beim Cabaret Rotstift ist das Publikum mit den Kabarettisten älter geworden. Irgendwann ist das Publikum weggestorben. Bei mir sind immer neue Junge zu meinem Publikum gestossen. Sonst hätte meine Karriere nicht so lange gedauert. Seit etwa sieben Jahren hat es sogar ganze Teenie-Gruppen. Ich nehme an, dass sie mich über Youtube entdeckt haben.

Sie sind ein politischer Mensch, Ihre Programme sind aber unpolitisch. Hin und wieder sind aber doch politische Botschaften versteckt, wie im Song «Abelaade», wo Sie sich über die «Generation Gratis» lustig machen. Können Sie uns Ihre Position hier näher erläutern?

Peach Weber

Der Komiker Peach Weber (61) wohnt in Hägglingen im Freiamt. Seit bald 40 Jahren ist er ununterbrochen in der Comedy-Branche aktuell und erfolgreich. Sein 14. Programm heisst «GäxBomb!» und ist diese Woche bei den iTunes-Charts auf Platz eins eingestiegen. (NCH)

Wer ist der lustigste Bundesrat?

Ueli Maurer hat sicher den grössten Unterhaltungswert mit seiner Mischung aus Tollpatschigkeit und Hinterlist. Unfreiwillig lustig ist Schneider-Ammann, der auch mit tausend Wörtern nichts sagen kann. Dank dieser «Fähigkeit» hat er es in die Sendung «Giacobbo/Müller» gebracht.

Was sagen Sie zu Regierungsrätin Susanne Hochuli?

Wenn sie ihr hübschestes Lächeln aufsetzt, ist es schwierig, ihr böse zu sein. Sie ist eine gewinnende Erscheinung und hat wie Doris Leuthard einen Bonus, den sie eigentlich nicht verdient hat. Selbst wenn sie Blödsinn erzählt, kommt es irgendwie noch sympathisch rüber. Bei Widmer-Schlumpf ist es genau umgekehrt. Sie kann noch so intelligent reden, es wirkt kalt. Sie kann aber nichts dafür. Entweder man hat diese Ausstrahlung oder halt nicht.

Hätte es Sie nicht gereizt, einen Gripen-Gag in Ihr Programm einzubauen?

Ich bin ein politischer Mensch, mache aber kein politisches Kabarett. Ich mache hundert Prozent Unterhaltung. Gutes Polit-Kabarett ist das Schwierigste. Dabei sind die Themen und Figuren so schnell veraltet. Ich bezeichne mich auch nicht als Künstler. So wie ein Bäcker Brot verkauft oder ein Metzger Fleisch, verkaufe ich Gags. Ich kriege ja keine Subventionen. Mein Programm funktioniert nach Angebot und Nachfrage. Es herrscht die freie Marktwirtschaft.

Peach Weber mit neuem Programm «GäxBomb»: «Ich möchte die Bombe platzen lassen, bevor ich selber platze.»

Peach Weber mit neuem Programm «GäxBomb»: «Ich möchte die Bombe platzen lassen, bevor ich selber platze.»

Zur Verfügung gestellt

Justin Timberlake braucht 28 Sattelschlepper für seine Konzerte. Wie viel brauchen Sie?

Nur einen für mich selber. Nein, mein Materialaufwand ist sehr klein. Ich packe meine Anlage in einen Lieferwagen und mein Bühnenbild hat in ein bis zwei Migros-Säcken Platz.

Was sagen Sie zur These, dass Sie als Kolumnist besser sind denn als Komiker?

Ich halte mich nicht für einen besonders guten Komiker. Aber eines ist sicher: Ein Komiker, der nicht ein bisschen intelligent ist und nur blöd tut, der wird keinen dauerhaften Erfolg haben. Die Leute mögen es, wenn sie merken, dass der Komiker auch etwas in der Birne hat. Mit Kolumnen versuche ich zwar auch zu unterhalten, aber es hat doch noch mehr drin. Umgekehrt schreibe ich nicht Kolumnen, um den halbintellektuellen Leuten zu beweisen, dass ich nicht ganz so blöd bin, wie sie vielleicht meinen. Ich will niemandem etwas beweisen.

Sie können schreiben. Haben Sie noch nie in Erwägung gezogen, eine Autobiografie zu schreiben?

Heute schreiben Tausende ein Buch. Es ist wie eine Seuche. Autobiografien sind eine Frechheit. Weil dann hältst du dich selber für etwas Besonderes. Wenn ein anderer über dich schreibt, ist es kein Problem.

Hatten Sie Angebote?

Doch. Vor bald dreissig Jahren im Bernhard Theater fragte mich ein Herr Keel vom Diogenes Verlag, ob ich ein Buch für ihn schreiben möchte. Ihm gefielen meine Gedichte. Ich habe ihn nicht gekannt und habe ihm eine Absage erteilt. Auch später hatte ich immer wieder Anfragen von Verlagen. Das war für mich aber nie ein Thema und heute gibt es sowieso viel zu viele Bücher. Ich kann der Menschheit einen Dienst erweisen, wenn ich keins schreibe. Ich habe zwar 257 Buchideen. Mir mangelt es nicht an Ideen. Mein Problem ist vielmehr, dass ich die Ideen nicht umsetzen, ausarbeiten und zu Ende bringen kann. Wenn ich mit einer Idee beginne und sie ausarbeiten will, habe ich nach drei Stunden zwölf weitere Ideen. So funktioniere ich und so sind auch meine Programme. Idee folgt auf Idee, Gag auf Gag.

Verraten Sie uns eine Idee?

Nein, es hat zu viele ideenlose Schriftsteller, die sie dann gratis «abelaade».

CD: Peach Weber: Gäxbomb!,Universal.

Live: 5.5. Kurtheater Baden; 14.5. Casino Bremgarten; 28.5. Sonnensaal Herzogenbuchsee; 29.5. Braui Hochdorf; 4.9. Weisser Wind Zürich; 26./27.10. Theater Fauteuil Basel.