Eine Nation in froher Erwartung: Die Briten fiebern der Geburt eines künftigen Königs oder einer künftigen Königin entgegen. Offizieller Termin für die Geburt des Babys von Prinz William und Prinzessin Kate alias Herzog und Herzogin von Cambridge ist der Samstag, 13. Juli.

Das Kind wird im privaten, exklusiven Lindo-Flügel des St. Mary´s Hospital in Paddington zur Welt kommen – wie auch schon Vater William und Onkel Harry. Das kostet 5 500 Pfund pro Nacht, und wenn ein Kaiserschnitt nötig ist, werden 2000 Pfund zusätzlich fällig – die Arztkosten nicht eingerechnet.

Der 69-jährige Dr. Marcus Setchell, der das royale Ereignis leiten wird, hat verkündet, dass er schon seit Wochen nicht mehr trinke. Sehr beruhigend. Die neuen Eltern können die Ankunft des Nachwuchses aber standesgemäss mit Champagner begiessen, die Weinkarte des noblen Spitals lässt so manches Spitzenrestaurant vor Neid erblassen. Seit Anfang Monat herrscht Parkverbot auf dem Krankenhausparkplatz. Gegenüber campieren seit Anfang Juli rund 60 Fotografen, die sich um die besten Plätze balgen.

Souvenir-Industrie im Glück

Ein Kabinettsminister muss bei der Geburt nicht mehr anwesend sein, wie es früher der Fall war, um zu garantieren, dass der Nation kein Wechselbalg untergeschoben würde. Elisabeth hat diese Tradition vor Charles’ Geburt abgeschafft.

Andere Traditionen haben nach wie vor Bestand. So wird eine von Setchell unterzeichnete Urkunde von einem Chauffeur in den Buckingham-Palast gebracht, denn die Queen muss zuerst informiert werden, bevor andere Familienmitglieder und die Nation irgendwelche Details wie zum Beispiel das Geschlecht des Babys erfahren dürfen (siehe Box).

Dieses Geheimnis wurde bisher streng gehütet. Gleichwohl wird heftig spekuliert. Als Kate von einer Frau aus dem Volk einen Teddy geschenkt bekam, bedankte sie sich beinahe im Namen der «Daughter», brach jedoch nach dem ersten Buchstaben ab. Später behauptete sie, dass sie «Dog» sagen wollte, weil sie den Teddy ihrem Lieblingshund gegeben habe.

Dritte(r) in der Thronfolge

Was es auch wird, das Kind wird nach Charles und William Dritter in der Thronfolge, weil das Parlament 2011 ein Gesetz geändert hat. Seitdem darf das erstgeborene Kind auf den Thron, selbst wenn es bloss ein Mädchen ist.

Die Souvenir-Industrie konnte ihr Glück kaum fassen, als die Schwangerschaft offiziell bekannt gegeben wurde. Sie hatte gerade mit Londoner Olympia-Artikeln einen Reibach gemacht, da stand schon das nächste souvenirwürdige Ereignis ins Haus. Man begann sofort, zu produzieren, obwohl die Unkenntnis des Geschlechts die Auswahl auf neutrale Farben beschränkte.

Es gibt Tassen und Teller, Lätzchen und Kissen, kleine Stiefel aus Schafleder und Strampelanzüge mit der Aufschrift: «Meine Oma ist Königin.» Das ist aber nicht korrekt, denn die Oma des Babys ist in einem Tunnel in Paris gestorben. Die Queen ist Williams Oma, und der ist aus Strampelanzügen schon herausgewachsen.

Verkauft werden auch iPhone-Hüllen mit einem Babybild, das allerdings aussehe wie der schlichte Fussballer Wayne Rooney, lästerte der «Guardian». Das neue Kind wird jedenfalls die britische Wirtschaft ankurbeln: Experten rechnen, dass die Briten 250 000 Pfund für Champagner, Festessen und Souvenirs ausgeben werden, sobald vor dem Buckingham-Palast die 41 Salutschüsse zur Begrüssung des Babys abgefeuert worden sind.

Kate – eine Schmarotzerin?

Anfangs stand die Fortpflanzung der Royals unter keinem guten Stern. Als Kate wegen Schwangerschaftsübelkeit ins Spital musste, erlaubten sich zwei australische Radiomoderatoren einen Telefonstreich. Sie riefen im Krankenhaus an und gaben sich als Königin Elisabeth und Prinz Charles aus. Die Krankenschwester Jacinta S., die darauf hereingefallen war, brachte sich um.

Kate und William flogen auf eine Karibikinsel, um sich von dem Schrecken und der Übelkeit zu erholen, und die Paparazzi flogen ebenfalls. Einem gelang ein Schnappschuss von der barbusigen Kate, der zwar in Britannien nicht abgedruckt, aber von Millionen Briten im Internet bewundert wurde. William schäumte vor Wut. Doch manche Zeitungen fordern künftig mehr Brustbilder von Kate: Sie soll öffentlich stillen, um andere junge Mütter zu der gesunden Säuglingsernährung zu ermutigen.

Wie man ohne grösseren Aufwand zum Hassobjekt der Nation wird, demonstrierte Gewerkschaftsführer Dave Prentis. Kate sei eine dieser «jungen Frauen, die Kinder bekommen, um staatliche Zuschüsse zu erhalten», sagte er.

Kate – eine Schmarotzerin? Diesmal schäumte die ganze Nation vor Wut. Eine Sozialbauwohnung müssen sich die britischen Blaublüter wahrlich nicht erschleichen. William hat ein Apartment im Kensington-Palast von seiner Tante Margaret, der Queen-Schwester, geerbt.

Was die Royals verschämt als Apartment bezeichnen, ist in Wirklichkeit ein Heim mit nicht weniger als 21 Räumen über vier Stockwerke. Sicher, die Wohnung musste noch etwas renoviert und kindgerecht umgebaut werden, aber die Kosten von einer Million Pfund übernahmen die Steuerzahler. Das künftige Staatsoberhaupt soll schliesslich nicht in einer Bruchbude aufwachsen.

Rätselraten um den Namen

Und wie wird das Baby heissen? Bei den Buchmachern sind Alexandra und Charlotte Favorit, wenn es ein Mädchen wird. Danach folgt Diana; so wäre eine glückliche Kindheit von vornherein vereitelt. Man kann dem Kind nur wünschen, dass es einen Penis hat, um nicht ständig mit Diana verglichen zu werden. In diesem für das Kind günstigeren Fall halten die Buchmacher John, Robert oder Charles für wahrscheinlich.

Der Labour-Abgeordnete Keir Hardie hatte 1894 zur Geburt des späteren Edward VIII. gesagt, er schulde einem Erbherrscher keine Gefolgschaft. Unter dem Aufschrei der entsetzten Abgeordneten fügte er hinzu: Die Überhöhung der Wichtigkeit eines solch alltäglichen Ereignisses wie einer Geburt sei völlig unangebracht.