«Alperose»-Komponist
Mundart-Rocker Hanery Amman (†65) ist tot – er verlor den Kampf gegen den Krebs

Eine der grössten Schweizer Mundartlegenden ist tot. Der Interlakner Musiker Hanery Amman ist in der Nacht auf Sonntag im engsten Familienkreis verstorben. 65-jährig erlag er einem langen Krebsleiden. Sein Werk wird jedoch weiterleben.

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Hanery Ammann
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Er war Mitbegründer der Mundartrock-Band Rumpelstilz. von links: Milan Popovich (Bass), Polo Hofer (Gesang), Hanery Amman (Piano), Schifer Schafer (Gitarre) und Kurt Guedel (Schlagzeug)
Hanery Amman schrieb zu vielen bekannten Mundartsongs wie Teddybär oder Alperose die Musik.
Hanery Amman in seiner legendären Konzertbeiz im Jahr 2015, Goldener Anker. Hier an seinem Flügel.
2007 wurde bei Amman Lungenkrebs diagnostiziert und behandelt. 2013 wurde er erneut operiert. Im September 2017 verschlechterte sich sein Zustand wieder.
Hanery Amman an der Magic Night 2016 auf dem Heitere Zofingen. Magic Night 2016 auf dem Heitere Zofingen: Die Schweizer Musiklegende Hanery Amman eröffnete den Abend.

Hanery Ammann

Keystone/PETER SCHNEIDER

Amman beschritt nur fünf Monate nach dem Tod seines langjährigen Freundes Polo Hofer seinen letzten Weg. Eine Person im familiären Umfeld bestätigte am Silvesterabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda eine Meldung von Radio BeO.

Hofer starb im vergangenen Juli an Lungenkrebs. Er habe viel mit Polo über die Krankheit gesprochen, sagte Amman Anfang Dezember dem Regionalsender TeleBärn. "Er nahms relativ cool." Auch er selber wolle der Situation mit Gelassenheit begegnen. Das Leben sei eben nicht unendlich. "Teu nimmts vorhär, teu nimmts nächhär."

Mehrere Gassenhauer

Wie "Polo national" war auch Amman ein berühmter Mundartrocker. Das Genre wurde in den Siebzigerjahren vor allem durch die gemeinsame Band Rumpelstilz bekannt.

Das kongeniale Duo schrieb Gassenhauer wie "Teddybär" und "Kiosk", wo sich Amman vom karibischen Rhythmus inspirieren liess und so zum ersten Reggae-Komponisten der Schweiz wurde. Die Band schuf aber auch zeitlose Klassiker wie "D' Rosmarie und i", "Die gfallene Ängel" und "Es Blatt im Wind".

Zwei Solo-Alben

Zeitlos ist der Song "Alperose". Amman gilt als Vater dieses Hits, der 2006 vom Schweizer Fernsehpublikum zum grössten Schweizer Musikstück aller Zeiten gewählt wurde.

Nach der Auflösung von Rumpelstilz ging Amman seinen eigenen Weg und veröffentlichte die Solo-Alben "Burning Fire" (1980) und "Solitaire" (2000). Auch seine Künste am Klavier werden vielen in Erinnerung bleiben.

Immer wieder krank

Dass der musikalische Output nicht noch höher war, hat verschiedene Gründe. Einer davon sind Ammans Gesundheitsprobleme ab Mitte der 1980er-Jahre. Nach einem Ärztefehler plagte ihn ein permanentes Rauschen auf einem Ohr - der Tinnitus beeinträchtigte fortan seine Arbeit.

Seit 2007 litt der Musiker an Lungenkrebs. 2011 musste sich Ammanseinen rechten Lungenflügel entfernen lassen. Vergangenen Sommer verschlechterte sich sein Zustand, sodass er sämtliche Auftritte absagen musste.

Nun ist der Musiker für immer verstummt. Seine Lieder werden aber noch lange zu hören sein.

Von diesen prominenten Menschen galt es im 2017, Abschied zu nehmen:

Sie haben uns 2017 verlassen 2. Januar: Der britische Autor und Kulturkritiker John Berger verstarb kurz nach seinem 90. Geburtstag.
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27. Januar Schauspieler John Hurt stirbt an Krebs. Er wurde 77 Jahre alt.
12. Februar: US-Jazz-Sänger Al Jarreau stirbt im Alter von 76 Jahren.
18. März: Rock-’n’-Roll-Pionier Chuck Berry stirbt im Alter von 90 Jahren.
28. März: Die Schauspielerin Christine Kaufmann stirbt mit 72 Jahren.
15. April: Der bekannte Fernseh-Moderator Kurt Zurfluh stirbt an Herzversagen.
22. April: Michele Scarponi, Sieger des Giro d'Italia 2011, kommt ums Leben, als ihn bei einer Trainingsfahrt der Fahrer eines Kleinlasters übersieht. Scarponi wurde 37 Jahre alt.
26. April: Regisseur Jonathan Demme ("Das Schweigen der Lämmer") stirbt mit 73 Jahren an Krebs.
30. April: Der Schweizer Extrembergsteiger Ueli Steck stürzt an Nuptse im Himalaya mit 40 Jahren in den Tod.
9. Mai: Der in der Schweiz geborene House-DJ Robert Miles stirbt an Krebs.
17. Mai: Der US-Motorrad-Rennfahrer Nicky Hayden (35) erliegt nach einem Velounfall seinen Verletzungen.
18. Mai: Soundgarden-Sänger Chris Cornell nimmt sich mit 52 Jahren das Leben.
23. Mai: Roger Moore (hier als James Bond in "Octopussy") stirbt 89-jährig an Krebs.
16. Juni: Helmut Kohl stirbt im Alter von 87 Jahren. Er war von 1982 bis 1998 deutscher Bundeskanzler.
22. Juni: Der deutsche Countrymusiker Gunter Gabriel stirbt mit 75 Jahren nach einem Sturz.
30. Juni: Die französische Politikerin, Feministin und Holocaust-Überlebende Simone Veil stirbt in Paris.
20. Juli: "Linkin Park"-Frontmann Chester Bennington (41) begeht Suizid.
22. Juli: Der Schweizer Mundart-Rocker Polo Hofer stirbt mit 72 Jahren an Krebs.
9. August: Der Zürcher Verleger Egon Ammann stirbt in Berlin.
17. August: Der Schweizer Mime René Quellet - hier 2003 mit Franz Hohler an einer Gala im Zürcher Volkshaus - verstirbt 86-jährig.
20. August: Der US-Komiker Jerry Lewis stirbt mit 91 Jahren.
27. September: "Playboy"-Gründer Hugh Hefner stirbt 91-jährig.
2. Oktober: Tom Petty, Frontmann seiner Band "Tom Petty and the Heartbreakers", stirbt mit 66 Jahren.
13. November: Der französische Skirennfahrer David Poisson stirbt, als er bei einem Trainingsunfall in Kanada gegen einen Baum prallt.
18. November: Malcolm Young, Mitgründer der legendären Rock'n'Roll-Band AC/DC stirbt im Alter von 64 Jahren.
18. November: Friedel Rausch ist nach vielen gesundheitlichen Problemen im Alter von 77 Jahren verstorben. Rausch führte den FC Luzern 1989 zum einzigen Meistertitel der Klubgeschichte.
19. November: Die ehemalige Weltklasse-Tennisspielerin Jana Novotna verliert den Kampf gegen den Eierstockkrebs mit 49 Jahren. Sie gewann 17 Grand-Slam-Titel (1 Einzel, 12 Doppel, davon 3 mit Martina Hingis, 4 Mixed).
19. November: Über seinen Tod dürfte kaum jemand traurig sein: Serienmörder und Guru Charles Manson stirbt im Gefängnis.
6. Dezember: Frankreichs grösster Rockstar Johnny Hallyday, der Elvis der Franzosen, stirbt mit 74 Jahren an Lungenkrebs.
Hanery Amman in seiner legendären Konzertbeiz im Jahr 2015, Goldener Anker. Hier an seinem Flügel.

Sie haben uns 2017 verlassen 2. Januar: Der britische Autor und Kulturkritiker John Berger verstarb kurz nach seinem 90. Geburtstag.

KEYSTONE/EPA/J.C.HIDALGO