Stilkritik
Mrs. President mags bequem - und trägt «Birkis»

Jeder ihrer Auftritt ist eine kleine Modenschau. Was sie trägt, wird zum Fashion-Coup: Michelle Obama ist die wahre Stilkönigin. Grossbritanniens Kate Middleton kann einpacken.

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Michelle Obama im neuen Look mit Stirnfransen. Hier im Gespräch mit David Hall, einem der acht Co-Chairs der Einweihungsfeier für die zweite Amtszeit.
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Neue Amtszeit, neues Lebensjahr, neuer Twitter-Account und - vor allem - neue Frisur: Michelle Obama
Michelle Obama 2009: Die First Lady zeigt sich beim Amtsantritt äusserst modisch.
Und beim Besuch einer Schule war sie gewandet in Farben von Brasilien.
Ihre Liebe zu Strickjäckchen ist legendör.
Michelle Obama beim Abflug Auch ihre Töchter scheinen das Stil-Virus geerbt zu haben. Die Kombination von Pünktchenkleid und Parka ist toll.
Beim offiziellen Empfang dann in einer aufwändig bestickten Robe.
Familie Obama in Brasilien In einem vom Schnitt her braven, in Sachen Farben und Muster aber ortsangemssen, zeigt sich Michelle Obama bei der ankunft in Rio.
Michelle Obama im Ferienlook. So sieht eine entspannte Präsidentinnengattin in den Ferien aus. Schlicht, aber nicht overdressed.
Beim Empfang des Nobelpreises glänze Michelel in güldenem Brokat.
Und für den chinesischen Präsdienten trug sie Feuerrot.
Am Abendempfang markierte sie dann die augenzwinkernde Tigerin.
Mut zur Farbe - kein Problem für Michelle Obama
Michelle Obamas Kleider
Michelle Obama in Birkenstocks Auch eine Präsidentin mags bequem: Michelle in Birkenstock, beim Sightseeing in Rio.

Michelle Obama im neuen Look mit Stirnfransen. Hier im Gespräch mit David Hall, einem der acht Co-Chairs der Einweihungsfeier für die zweite Amtszeit.

Keystone

Auch wenn die britischen Blätter uns einreden wollen, dass Kate Middleton die neue Stilikone sei: wir glauben es nicht. Denn die nette, aber gänzlich farb- und fantasielose Kate ist zwar nett anzuschauen, aber für eine Stilikone braucht es schon ein bisschen mehr. Der Wille zur Eigenwilligkeit, und zum Aufallen beispielsweise. Wer es meisterlich kann, ist die US-Präsdientengattin Michelle Obama. Derzeit in Brasilien auf Staatsbesuch, hat die Top-Juristin schon mehr als einen Coup gelandet. So zeigte sie sich in einem Outfit aus Gelb, Grün und Blau - was den Farben der brasilianischen Landesflagge entspricht.

Gewiss, während die Welt um Japan zittert und um Lybien bangt, mutet es relativ eigenwillig an, in Brasilien eine kleine Modenschau durchzuführen. Und dennoch: Was Michelle Obama trägt, hat nicht nur Stil, sondern auch eine Aussage.

Kleider als Aussage, Schuhe als Statement

Als sie bei einer Fernsehshow ein Pünktchenkleid von H&M trug, wollte sie damit sagen: Mein Mann mag zwar der mächtigste Mann der Welt sein, doch ich bin mir nicht zu schade, einen günstigen Fummel von der Stange zu kaufen. Denn mit so viel Bescheidenheit punktet man bestimmt bei der weiblichen Wählerschaft.

Anderes Beispiel: Obama trifft China. Michelle trägt ein feuerrotes Kleid aus England, von Modeschöpfer Alexander McQueen. Das Feuerrot ist eine Hommage an China. Und wenn sie Urlaub macht, trägt sie eine dicke Sonnebrille, grosse Kreolen und ein Oberteil, das Laisser-faire signalisiert. Beim Besuch in Brasilien aber wagt sie etwas, das noch keine Erste Dame jemals getan hat: Sie trägt Birkenstock-Schuhe. Beim Besuch der Christusstatue mit Mann und den beiden Töchtern trägt Madame la Présidente die bequemen Tieffusstreter der friedensbewegten 80er Jahre. Ganz nach dem Motto: Das Tragen dieser grünen Symbolsprache mag hierzulande verpönt sein, doch in den USA hat sie eine längere Tradition (auch wenn das New Yorker Magazine den Birkenstock-Treter mal auf seine Liste der hässlichsten Schuhe überhaupt hievte).

Dort trägt man sie gerne. Dort wird «Gesundheit» auch nicht mit Krankheit, sondern mit Wellness assoziiert, in Deutschland hingegen mit Krankheit. Was Mrs. Obama uns damit sagen will? Ganz einfach: Auch Stars haben einen Alltag. Und auch ein Celebrity-Fuss soll sich mal erholen können. (cls)