Grenchen

Mit ihm geht ein Stück Grenchner Kultur

Kunstvermittler Hans Liechti verstand es, Kunst zu erklären. hjs

Hans Liechti

Kunstvermittler Hans Liechti verstand es, Kunst zu erklären. hjs

Hans Liechti ist tot. Der Grenchner Galerist und Wirt erklärte den Grenchnern die grosse Kunst der Gegenwart in ihrer Sprache und trug wesentlich dazu bei, Grenchen zu einer weltoffenen Kunst- und Kulturstadt werden zu lassen. Hans Liechti liebte Grenchen – und Grenchen liebte ihn.

Rainer W. Walter

Im Frühling des letzten Jahres kam der Film «I bi dr Dritt gsy vomene Buuredotze» ins Kino und stiess auf grosse Resonanz. Der Dokumentarfilm zeichnete das Leben des Metzgers, Wirtes und Galeristen Hans Liechti nach und damit auch die Geschichte Grenchens der 50-er- und 60-er-Jahre. Hans Liechti wirtete im Volkshaus, später im «Ochsen» und im Schwimmbadrestaurant. Er wirkte stets dort, wo die Grenchnerinnen und Grenchen leben. Er hob sich nie von ihnen ab, sondern befand sich immer mitten unter ihnen - seinen Gästen. Und dennoch war er etwas Besonderes. Das allerdings merkte man erst etwas später, wenn man darüber nachdachte, was er gesagt hatte.

Hans Liechti wurde am 10. Februar 1924 in Zäziwil im Emmental geboren. Sein Vater war Viehhändler und Bauer. Die Mutter führte neben dem Haushalt, dem nicht nur Knechte, sondern in erster Linie ein Dutzend Kinder angehörten, ein Lebensmittelgeschäft. Der junge Hans besuchte in Grosshöchstellten die Sekundarschule - dieselbe Schule wie auch Friedrich Dürrenmatt. In Bern absolvierte er eine Metzgerlehre, hinzu kam eine Lehre als Koch im Simmenthalerhof Thun, und 1950 besuchte er die Wirtefachschule.

Die Freude an der Kunst

Die wichtige Zeit im noch jungen Leben von Hans Liechti war bestimmt das Jahr 1951. In diesem Jahr heiratete er Katharina Lienhard. und nur acht Tage nach der Hochzeit übernahm das junge Paar das Volkshaus. Zwei Jahre später kaufte Hans Liechti sein erstes Bild, das den Grundstock zu seiner aussergewöhnlichen Kunstsammlung legte. 1954 reiste Hans Liechti zusammen mit Toni Brechbühl, Max Kohler und Gustav Stettler erstmals nach Paris und erwarb ein Bild von Kumi Sugai. Es folgten weitere Reisen nach Paris und Mailand. So entstanden Kontakte zu Roberto Crippa, Lucio Fontana, Douglas Swan und Jef Verheyen.

1959 eröffneten Hans und Käthi Liechti im Grenchner Volkshaus-Touring die Galerie Bernard. Das war der Tag, an dem Grenchen zu einem ernst zu nehmenden Zentrum zeitgenössischer Kunst wurde. Im Zentrum von Liechtis Auseinandersetzung mit der Kunst stand diese Galerie: zuerst im Volkshaus, dann am Stalden und am Riedholzplatz in Solothurn und später wieder in Grenchen am Lötschbergweg. Im Volkshaus an der Centralstrasse traf sich die europäische Avantgard. Es wurde über Kunst diskutiert, während der Galerist als Gastwirt seine Pensionäre mit gutem Essen versorgte. So fand er problemlos den Zusammenhang zwischen realem Leben und philosophischen Kunstbetrachtungen.

Liechti und Dürrenmatt

Eine Zeitlang sah es aus, als hätte Hans Liechti nicht der Kunst, aber doch der Kunstvermittlung den Rücken gekehrt. Es war die Zeit, während der er zusammen mit seiner Frau Käthi in Neuenburg das Hotel «du Rocher» führte. Unweit dieses Hotels wohnte damals Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, und es war nur eine Frage der Zeit, bis das Schicksal die beiden Emmentaler zusammenführte. Zwischen ihnen entstand eine gute und stabile Männerfreundschaft. So war es denn auch Hans Liechti, der seinen Freund ermunterte, seine zweite Kunstrichtung, die Malerei, auszuüben.
1983 schrieb Friedrich Dürrenmatt das Vorwort zur Ausstellung «Hommage an Hans Liechti» in der Galerie Medici: «Über Hans Liechti zu schreiben ist nicht leicht, ist er doch der heimlifeisseste Mensch, den ich kenne. Man traut ihm ziemlich alles zu, alle Kochkünste der Welt, nur nicht, dass er einer der ausgekochtesten Kunstsammler ist, die die Malerei je ausgeplündert haben. Er scheut vor nichts zurück. Er begeistert sich an jedem Helgen, sogar an den meinen. Und im Erklären der Bilder übertrifft Liechti sogar seine Kochkunst: Die leerste Leinwand und der konfuseste Schinken ordnen sich zum mystischen Kosmos. Seine Fantasie malt die Bilder, die er sammelt.»

Hans Liechtis Grenchen

1981 kehrte Hans Liechti nach Grenchen zurück und eröffnete er erneut seine Galerie. Dort zeigte er zeitgenössische Kunst, wobei er den jungen Solothurner Künstlern einen wichtigen Platz einräumte. «Ich liebe Grenchen», pflegt Hans Liechti zu sagen. Hier erlebte er mit seiner Frau Käthi und seinen beiden Kindern, Beatrice und bernhard, seine glücklichsten Jahre.

1978 verlieh ihm der Kanton Solothurn den Kulturpreis. Zwei Jahre später erhielt er den Kulturpreis der Stadt und Region Grenchen, und im Jahre 2004 wurde Hans Liechti in den Kreis der «Chappelitüfel» aufgenommen. Hans Liechti trug viel dazu bei, dass sich Grenchen positiv veränderte. Er säte gute Gedanken, die aufgingen und tausendfältige Frucht trugen. Dank ihm entwickelte sich Grenchen positiv. Die Stadt diesem sympathischen Mitbürger viel zu verdanken.

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