Kriegsstetten
«Mir ist bewusst, worauf ich mich eingelassen habe»

Als ich die Bewerbungsunterlagen erhielt und sah, welche Forderungen man erfüllen muss, dachte ich nicht im Traum daran, je eine Chance zu haben», sagt der Subinger Lukas Studer.

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Lukas

Lukas

Schweiz am Sonntag

Marie-Christine Andres

23-Jährige bewunderte schon als kleiner Junge die bunt gekleideten Gardisten, die vor dem Petersdom standen und sich nicht bewegten. Damals war er acht Jahre alt und mit seinen Eltern auf einer Romreise. Der Militärdienst und der Grossvater weckten das Interesse ein paar Jahre später wieder. Der ebenfalls 23-jährige Andreas Bosshardt aus Kriegstetten wurde erst anlässlich der 500-Jahr-Feier im Jahr 2006 auf die Schweizergarde aufmerksam. Ein Jahr darauf nutzte er die Gelegenheit, an einer Schnupperwoche im Vatikan teilzunehmen. Langsam reifte bei beiden der Entschluss, Schweizergardist zu werden.

Heute wohnen die beiden Solothurner in einer grossen Kaserne innerhalb des Vatikans, zu zweit oder zu dritt in einem Zimmer. Je nach Dienstplan treten sie bei Tag oder Nacht ihre vierstündige Wache an, büffeln Italienisch, oder exerzieren. Neben der strengen und professionellen Sicherheitsausbildung gehört zu ihrem neuen Leben aber auch die «Italianità». Zwei- bis dreimal pro Woche haben sie frei. Dann gehen sie mit Kollegen in den Ausgang, erkunden die Innenstadt von Rom, geniessen die Italienische Küche und guten Wein. Ausflüge ans Meer und das Erkunden der Sehenswürdigkeiten der Ewigen Stadt liegen ebenfalls drin. Dabei können die beiden Solothurner das im wöchentlichen Italienischunterricht Gelernte gleich anwenden. «Das Leben in Rom gefällt mir sehr gut. Im Strassenverkehr und im privaten Umgang sind die Römer sehr impulsiv», sagt Andreas Bosshardt. Auch Lukas Studer bestätigt mit einem Augenzwinkern: «Römer diskutieren nicht normal, sie schreien oder fluchen.»

«Dass ich in die Garde will, habe ich anfänglich nur meinem besten Freund erzählt», sagt Lukas Studer aus Subingen. Erst wollte er die definitive Zusage abwarten. Und dann beschäftigte ihn auch die Frage, wie die Leute reagieren würden, wenn man heutzutage sagt, man wolle für den Papst und die katholische Kirche arbeiten. Auch Andreas Bosshardt war überrascht, wie positiv seine Kolleginnen und Kollegen auf seinen Entschluss reagierten, zur Schweizergarde zu gehen.

Die beiden Solothurner wurden zusammen mit 23 weiteren jungen Schweizern am 6. Mai als Gardisten vereidigt. Die Vereidigung findet immer am Tag des «Sacco di Roma», der Plünderung Roms durch Söldnerheere am 6. Mai 1527, statt, bei der 147 Schweizergardisten bei der Verteidigung des Papstes fielen. Auch Bosshardt und Studer haben bei der Vereidigung geschworen, sich mit ihrem Leben für den Heiligen Vater einzusetzen, sollte es nötig sein. «Mir ist durchaus bewusst, worauf ich mich durch meinen Eid eingelassen habe, dennoch hoffe ich, dass eine solche Situation niemals eintritt», sagt Andreas Bosshardt. Er hält fest, dass ihm die Kirche sehr viel Halt und Kraft gibt. Für beide war die Vereidigung und die anschliessende Privataudienz beim Papst ein unvergessliches Erlebnis. Aber auch ihr Alltag bietet Abwechslung: «VIPs wie Prinz Charles und Camilla sowie den Britischen Premierminister haben wir aus nächster Nähe gesehen», sagen sie.