Sonja Grandjean
"Mein Stil ist ganz einfach 'Sonia-like'"

Zeichnen ist für Sonia Grandjean seit frühester Kindheit eine Passion. Ein Frosch und kahle Wände führten dazu, dass die Miss Schweiz von 1998 nun ihre erste Bilderausstellung eröffnen kann.

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Mein Stil ist ganz einfach Sonja-like

Mein Stil ist ganz einfach Sonja-like

Limmattaler Zeitung

Sandro Zimmerli

Sonia Grandjean, beim Titel «Ex-Miss-Schweiz» denkt man nicht als erstes an eine Malerin. Wie sind Sie zum Malen gekommen?

Sonia Grandjean: Ich habe bereits im Kindergarten gerne gezeichnet und gemalt. In der Schulzeit habe ich es geliebt, mich in mein Zimmer zurückzuziehen und zu malen. Diese Passion habe ich bis heute nicht aufgegeben. In all den Jahren habe ich verschiedene Techniken ausprobiert. Als ich dann meine erste eigene Wohnung bezog, waren mir die Wände zu kahl. Da ich mir kein Bild leisten konnte und ich kein passendes fand, habe ich mir mein eigenes Bild gemalt. So ist die Idee entstanden auf Leinwand zu malen.

Beim Malen auf Leinwand sind Sie geblieben?

Grandjean: Ja, das ist meine Technik.

Wo holen Sie sich Ihre Inspirationen her?

Grandjean: Grundsätzlich sind meine Bilder abstrakt. Inspiriert werde ich vor allem durch Farben. Im Frühling male ich in fröhlichen Tönen wie Grün oder Gelb. Im Herbst sind es eher Brauntöne. Zudem lasse ich mich auch von anderen Bildern inspirieren.

Gibt es Künstler, die Ihnen besonders nahe stehen?

Grandjean: Nein, gar nicht. Es kann vorkommen, dass mir eine Kollegin eine Mail schickt und mich auf ein Bild aufmerksam macht. Oft ergeben sich daraus dann Ideen. Ich habe beispielsweise versucht mit Gips zu arbeiten und Muscheln in ein Bild zu integrieren. Es ist aber nicht so, dass ich einem speziellen Künstler nacheifern will. Oft sind es Details, die mich inspirieren.

Es ist also schwierig Ihren Stil zu beschreiben. Können Sie es trotzdem versuchen?

Grandjean: Ich weiss nicht. Mein Stil ist ganz einfach «Sonia-like». Ganz sicher ist er fröhlich und abstrakt. Aber er ist schwierig, das in einem Satz auszudrücken.

Warum ausgerechnet abstrakte und nicht konkrete Kunst?

Grandjean: Das habe ich auch schon versucht. Ich bin absoluter Frosch-Fan. In meinem Wohnzimmer hängt ein riesiges Bild mit einem Frosch. Aber eigentlich fehlt mir die Geduld, um etwas perfekt zu zeichnen. Wenn man beispielsweise ein Tier malen will, dann muss das für mich perfekt sein. Mir fehlt allerdings die Zeit ein solch perfektes Bild auf die Leinwand zu übertragen. Bei einem abstrakten Bild ist das wie bei einem Prozess. Am ersten Tag trage ich den Gips auf. Am nächsten Tag kommt die Farbe hinzu. Auf diese Weise kann ich meine ganze Energie auf das Bild übertragen.

Sie haben die Zeit angesprochen. Wie viel davon in Ihrem Leben verwenden Sie für das Malen?

Grandjean: Kreative Arbeit im Allgemeinen ist für mich sehr wichtig. Ich brauche das als Ausgleich.

Was ist derzeit Ihre Hauptbeschäftigung?

Grandjean: Ich bin zu hundert Prozent als Assistentin des Leiters Personal in einem grossen Unternehmen angestellt. Nebenbei habe ich auch noch Aufträge als Ex-Miss-Schweiz.
Viele andere Ex-Missen versuchen sich als Schauspielerinnen oder Models. Sie nicht. Warum?
Grandjean: Ich habe meinen Job als Miss Schweiz genossen. Aber wenn man gewisse Tätigkeiten zu hundert Prozent ausübt, dann kann man die Freude daran verlieren. Bei mir war das der Fall. Ich konnte es nicht mehr geniessen. Zudem bin ich ein Mensch, der Sicherheit braucht. Beim Modeln hat man monatelang Aufträge und plötzlich läuft nichts mehr. Ich arbeite gerne im Büro und wollte auch meinen Kopf benutzen, zeigen, was ich leisten kann. Ich habe den sichereren Weg eingeschlagen. Das Modeln ist jetzt nur noch Hobby und darum gefällt es mir auch wieder.

Sonia Grandjean

Die Dietikerin wurde 1998 im Alter von 19 Jahren (im Bild) zur schönsten Schweizerin gekürt. Bereits als 14-Jährige war sie von einer Model-agentur unter Vertrag genommen worden. Sie arbeitet heute als Assistentin des Personalverantwortlichen in einem Zürcher Unternehmen. Als Model ist Sonia Grandjean nur noch nebenberuflich tätig, ihr Hobby ist das Malen. Heute zwischen 17 Uhr und 20 Uhr findet in der Zino Platinum Lounge in Dietikon eine Ausstellung mit ihren Bildern statt. (zim)

Haben Sie trotzdem noch Kontakt mit den anderen Missen?

Grandjean: Ja. Anita Buri (Miss Schweiz 1999) ist eine meiner sehr guten Freundinnen. Mit ihr habe ich engen Kontakt. Sie ist aber die Einzige. Als meine Nachfolgerin habe ich sie in ihrem Missenjahr unterstützt. Daraus ist unsere Freundschaft entstanden.

Sie bereuen es also nicht, auf die Modelkarriere verzichtet zu haben?

Grandjean: Überhaupt nicht. Ich wollte mir ein Standbein aufbauen für die Zeit, wenn ich alt und als Model weniger gefragt bin.

Dadurch haben Sie nun auch mehr Zeit für das Malen. Ihre wie vielte Ausstellung ist das?

Grandjean: Das ist die erste öffentliche Ausstellung. Es war bislang auch nie mein Ziel, meine Bilder auszustellen.

Wer hat den Anstoss gegeben, dass Sie Ihre Bilder trotzdem öffentlich zeigen?

Grandjean: Maria Grippi (Pächterin der Zino Platinum Lounge; d. Red.). Sie hat einen Artikel über mich gelesen, in dem auch Bilder von mir abgedruckt waren. Weil ich oft zu Gast bin in der Zino Platinum Lounge, hat sich mich gefragt, ob ich eine Ausstellung machen will.

Das Interesse an Ihnen ist also immer noch vorhanden, obwohl Sie sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen haben?

Grandjean: Den Titel «Miss Schweiz» wird man nie los. Er haftet an einem, wie ein Stempel auf der Stirn.

Wie gehen Sie damit um?

Grandjean: Den Vergleich mit dem Stempel darf man nicht negativ verstehen. Heute stört mich das nicht mehr. Ich habe eine gute Mischung gefunden. Es gibt immer noch Leute, die mich erkennen. Trotzdem kann ich mich in der Öffentlichkeit bewegen, ohne dass am nächsten Tag etwas darüber in der Zeitung steht. Früher hatte ich Mühe damit, auf meine Privatsphäre verzichten zu müssen. Heute kann ich mich normal bewegen und geniesse trotzdem die Vorteile, die der Missentitel mit sich bringt. Die Möglichkeit, eine solche Ausstellung zu machen gehört auch dazu.

Werden Sie heute nicht mehr so oft angesprochen wie früher?

Grandjean: Es ist auf jeden Fall nicht mehr so unangenehm, wie es früher manchmal war. Im Zug haben die Leute oft getuschelt. Das war nicht immer lustig. Zudem war es kaum möglich in den Ausgang zu gehen. Auch ich habe Tage, an denen ich es lieber habe, wenn mich niemand anspricht. Heute ist das anders, ich führe ein ganz normales Leben.

Durch die Ausstellung rücken Sie nun wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Macht Sie das nervös?

Grandjean: Oh ja, sehr sogar. Es ist etwas anderes, ob man modelt oder seine Bilder ausstellt, die an Ort und Stelle kritisiert werden können. Ich bin deshalb sehr gespannt auf die Reaktionen. Ich will einfach, dass der Abend in dem Sinn perfekt wird, dass die Leute Freude haben.

Kann man die Bilder auch kaufen?

Grandjean: Ja. Ich habe zu Hause allmählich ein Platzproblem.

Es ist aber nicht Ihr primäres Ziel, die Bilder zu verkaufen?

Grandjean: Nein. Aber es wäre ein schöner Nebeneffekt. Ich finde es einfach schön, dass die Bilder hier hängen. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, wie es sein wird, wenn ich später mit Freunden in der Zino Platinum Lounge vorbeischaue und überall Bilder von mir zu sehen sind. Das wird wohl ein seltsames Gefühl sein. Wir trinken etwas und sitzen unter einem meiner Bilder.

Sie sprechen von einem seltsamen Gefühl, ihre Bilder in der Öffentlichkeit zu betrachten. Als Miss Schweiz wurden Sie oft fotografiert und konnten sich in Zeitschriften bewundern. Was ist persönlicher, sich für eine Zeitschrift fotografieren zu lassen oder ein Kunstwerk öffentlich auszustellen?

Grandjean: Beides ist in etwa gleich persönlich. Die Bilder sind Werke, die ich mit meinen Händen geschaffen habe. Wenn ich mich in meiner Wohnung fotografieren lasse, dann lade ich die Schweiz zu mir nach Hause ein. Das ist genau so persönlich, wie ein Bild zu malen.

Was wäre schlimmer, Kritik für eine Homestory oder für ein Bild zu ernten?

Grandjean: Das kann ich nicht sagen. Ich weiss, dass Kunst Geschmackssache ist. Daher darf ich nicht erwarten, dass meine Bilder allen Leuten gefallen.

Sollte die Ausstellung ein Erfolg werden: Würden Sie auch an anderen Orten ausstellen?

Grandjean: Wenn das Interesse da ist und mir die Lokalität zusagt, kann ich mir das sehr gut vorstellen.

Sie sind in Dietikon aufgewachsen, sind hier wohnhaft. Es dürfte demnach keinen besseren Ort geben, Ihre erste Ausstellung durchzuführen?

Grandjean: Nein, Dietikon ist tatsächlich der perfekte Ort für meine erste Vernissage.