Womöglich hätten Pflanzen in der Ernährung der Menschen in der Altsteinzeit eine grössere Rolle gespielt als bisher angenommen, folgert ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "PNAS". Bisher gingen Fachleute davon aus, dass die Menschen damals vor allem als Jäger lebten und hauptsächlich Fleisch auf dem Speiseplan hatten.

Nach der Untersuchungen von verschiedenen Mahlwerkzeugen berichten die Forscher um Anna Revedin vom Italienische Institut für Vor- und Frühgeschichte (IIPP) in Florenz nun, dass auch die Verarbeitung von Pflanzen und speziell die Herstellung von Mehl bereits eine weit verbreitete Praxis war.

Stärkehaltige Pflanzen

Die Steinwerkzeuge, die die Forscher mikroskopisch untersucht hatten, stammten aus drei archäologischen Fundstätten: aus Italien, Russland und Tschechien. Sie wurden ähnlich wie Mörser und Stössel genutzt, berichten die Forscher. Die Abnutzungsspuren zeigten, dass damit Pflanzen zerstampft und gemahlen wurden.

Stärkekörner, welche die Forscher noch nach 30'000 Jahren an der Oberfläche der Werkzeuge nachweisen konnten, stammten wohl aus der Verarbeitung von Rohrkolben und Farnpflanzen. Beide Pflanzengruppen hätten unterirdische Speicherorgane, die sehr viel Stärke enthielten und somit eine gute Energie- und Kohlenhydratquelle darstellten.

Für die Herstellung des Mehls müssen die Menschen die Wurzeln der Pflanzen zunächst geschält, getrocknet und sie dann zermahlen haben, schreiben die Forscher. Schliesslich müsse das Mehl noch weiter gekocht, beziehungsweise gebacken worden sein, da es nur so gut verdaulich sei.