lothar matthäus

«Liebe ist tausendmal wichtiger als Sex»

Loddar spricht englisch: So macht sich Deutschland über Matthäus lustig.

Loddar spricht englisch: So macht sich Deutschland über Matthäus lustig.

Matthäus-Passion, die vierte. Lothar Matthäus wurde öffentlich gehörnt. Seither schlägt er um sich - und demontiert sich selbst. Das ist sogar im skandalerprobten Deutschland ein Ereignis.

Claudia Landolt

Das erste Foto von Matthäus und seiner zukünftigen Ex-Ehefrau entstand auf dem Oktoberfest 2007. Darauf blitzt ein in die Jahre gekommene Ex-Fussballer sein perlweisses Lächeln in die Kamera. Die Frau an seiner Seite besticht durch Jungmädchenteint, geschürzte Lippen und standfestem Blick in die Kamera, wie es nur Frauen können, die sich damit ihr Taschengeld aufbessern.

Die Frau war ein Jahr jünger als seine Tochter

Lothar Matthäus sonnte sich im Abbild der blutjungen Schönen, denn wiewohl gab es dort, im Bierzelt des Oktoberfestes, andere Männer, ebenfalls in den besten Jahren, mit ebenso hübschem Bankkonto, aber weniger Haaren und sicherlich keiner Freundin, die noch zur Schule ging (Liliana war damals 19, ein Jahr jünger als Matthäus Tochter Alisa). Eine klassische Zugewinngemeinschaft, basierend auf der Maxime der Aufmerksamkeitsökonomie: Sie liess ihn jünger erscheinen, und vielleicht auch etwas grösser. Und mit ihr wurde er vielleicht noch ein wenig häufiger fotografiert.

Drei Jahre später hat Lothar Matthäus ein paar Sorgen mehr, Liliana einen neuen Busen und einen neuen, jüngeren Geliebten. Auch er, ein angeblicher Autohändler aus Monaco, wird ihr wohl garantieren, dass ihr Leben auch künftig ohne materielle Sorgen sein wird. Lothar aber startete aus der Affäre seiner Frau eine öffentliche Operette. Schweigen konnte er ja schon bekanntlich aus seinen Zeiten als Sportler nicht.

«Liebe ist tausendmal wichtiger als Sex»

Statt zu weinen, trinkt er ein Bier («Ich bin Hochleistungssportler, gedrillt auf Disziplin»). Danach folgt der mediale Mitteilungswahn. Loddar, einst ein genialer Mittelfeldstratege, gibt gnadenlos Banalitäten aus dem Nähkästchen, das er mit Liliana teilte, zum Besten. So schön hört sich das Nähkästchenleben im übrigen nicht an. Er, der zugibt, gerne auf dem Sofa zu kuscheln, er, der sagt, «Liebe sei tausendmal wichtiger als Sex», beklagt sich: «Wir haben oft zu Hause gesessen und fünf Stunden kein Wort miteinander gesprochen, weil sie nur Models auf ihrem Laptop angeschaut hat». Das Geld, das er ihr regelmässig gab, «war am Zehnten weg, für Kleidung», obwohl es für einen ganzen Monat reichen sollte.

Die neue Währung «Aufmerksamkeit»

Plaudereien aus dem Privatleben, Plaudereien, die nicht an die Öffentlichkeit gehören. Und vielleicht auch ein bisschen bigott sind. Denn die Liaison nützte beiden. Denn dank dem Skandal sind nun beide in der (zweifelhaften) A-Liga der Prominenz angekommen, einem Jahrmarkt der Eitelkeiten, in dem Lothar, einst Weltfussballer des Jahres, seit langem nicht mehr drin war, und Liliana noch nie. Und vielleicht als Ehefrau von Matthäus lernte sie Männer kennen, die reicher, jünger und weniger kompliziert waren als der ehemalige Fussballstar, der zugibt, seine Hemden, seine Getränkeflaschen nach Grösse und Farbe zu ordnen.

Glücklos im Beruf

Noch schneller als seine Ehe platzen zuletzt nur noch seine Trainerverträge. Ob und wie das eine mit dem anderen zusammenhängt, ist nicht zu sagen. Doch sicher ist: Als Einstand führte er 2001/2002 Rapid Wien zur schlechtesten Platzierung seit Einführung der österreichischen Meisterschaft 1911. Auch verunglückte Äusserungen über den Klub führten dazu, dass Matthäus schliesslich gefeuert wurde. Dann übernahm er den serbischen Verein Partizan Belgrad - und schmiss nach einem Jahr hin. Es folgten Job bei der Nationalelf in Ungarn, beim brasilianischen Erstligisten Atletico Paranaense und Red Bull Salzburg. Ein mögliches Engagement in Kamerun scheiterte, weil die gehörnte Ehe und die nachfolgende Schlammschlacht sogar bis nach Afrika hallte.

Und eine Anstellung als Trainer beim argentinische Verein Racing Club de Avellaneda machte er vor wenigen Wochen abhängig, ob der Vertrag eine Model-Klausel für Liliana enthält. «Sie geht nur mit, wenn sie dort als Model arbeiten kann», sagte er. Aus beiden Vorhaben wurde nichts, vielleicht sorgte das erneut für Ärger in der Beziehung.

Das nächste Ziel: England

Matthäus leckt sich nun die Wunden, und teilt der Welt täglich seinen diesbezüglichen Fortschritt mit. Das nächste Ziel seiner Reise ist England. «Ich muss mir Gedanken darüber machen, wie es beruflich weitergeht. Deshalb werde ich Deutschland verlassen und nach England gehen», sagte er. England sei für ihn das Land des Fussballs. Matthäus will dort bei renommierten Fussballtrainern wie Arsene Wenger oder Alex Ferguson den Trainingsbetrieb beobachten. «Solange ich keinen anderen Arbeitsplatz habe, ist das für mich am sinnvollsten», betonte er.
Loddar-Kenner zweifeln nicht daran, dass er sich trotzdem er des Englischen nicht mächtig ist, dort sicher verständlich machen wird - auf die eine oder andere Art.

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