Europas Königshäuser

Könige und Queens: Manchmal so unterhaltend wie eine Telenovela

Was wäre Europa ohne seine Königshäuser? Die Royals setzen immer wieder willkommen Farbtupfer in der Medienlandschaft. Ein Blick in die Kronengalerie aus Anlass des bevorstehenden Thronwechsels in den Niederlanden.

Niemals werden die Stimmen müde, die den Royals keine Bedeutung mehr zumessen. Das beklagt kaum jemand und wäre auch eine der törichteren Sorgen, die man sich noch machen müsste. Die Guillotine der neueren Geschichte hatte eine nachhaltig scharfe Klinge. Aber es gibt einen Spiegel, der die Bedeutungslosigkeit der Royals Lügen straft: die Yellow Press. Sie wäre wohl längst untergegangen ohne die Gartenlaube der Königshäuser.

Auch das wäre im Grunde kein Anlass zu übertriebenem Gejammer, wäre dieser Spiegel nicht dann und wann fast so bunt wie eine Telenovela. Denn in amüsant kurzen Intervallen zuckt durch die Yellow Presse immer wieder auch anrüchiges Rotlicht. Das freilich ist nichts Neues. Das einstige Sündengeflacker und -gegacker um die königlichen Lustschlösser haben die Royals von heute einfach aus eigenen Kräften und Säften profaniert zu Séancen in Lusthäusern.

So kommt es, dass die Erlauchten heute fast durchs Band weg agieren wie der gemeine ordinäre Sünder. Der Stallgeruch der Kaste ist jedenfalls so eindeutig nicht mehr von plebejischen Schwerenötern zu unterscheiden. Nimmt man ihnen Diadem und Purpurmantel, kommen darunter keine Eigenschaften zum Vorschein, die man in anderen Soziotopen nicht auch fände: allzu menschliche Schwächen, Hell und Dunkel, Schmutz und bemühte Festigkeit um letzte Reste von Anstand oder Haltung. Neuerdings durchzieht indes auch eine eher üble Degeneration einige der Königshäuser: der Hang zur Bestechlichkeit, zu luschen Geschäften. Aktuell etwa in Spanien.

Juan Carlos: «Warum hälst du nicht einfach die Klappe?»

Der Fall des Königshauses in Spanien (im Doppelsinn zu lesen) ist tatsächlich symptomatisch. Welche Achtung wurde König Juan Carlos nicht gezollt! Ihm, der mit der schweren Hypothek 1975 auf den Thron gestiegen war, von Diktator Francisco Franco als Nachfolger bestimmt worden zu sein. Königlich im Charaktersinn wurde er dann, als Carlos dem Land zielstrebig den Übergang in die Demokratie ermöglichte. Seither mochten ihn alle politischen Lager.

Sie favorisierten nicht die Institution Monarchie, sie favorisierten den Juancarlismo. Drum führte er auch die Liste der hundert berühmtesten Spanier an, mit Abstand. Sein Satz auf einem iberoamerikanischen Gipfel zum damaligen Präsidenten Venezuelas, Hugo Chávez, lief als Handy-Klingelton durch die Gesellschaft: «Warum hältst du nicht einfach die Klappe?»

Dann ging der König auf Grosswildjagd, während das Volk zu Hunderttausenden Jobs verlor. Vertraute aus seiner vorzugsweise nicht-adligen Entourage – Geldfürsten aus Finanz und Wirtschaft – schenkten ihm eine Jacht. In fünfzig Jahren wuchs das königliche Vermögen von einer Handvoll Kröten auf 1,7 Milliarden Euro. Dank Repräsentieren?

Royals beschweren sich über die moderne Jagd, über die Meute der Paparazzi. Keiner kennt die Zahl der Paparazzi, die mit verschwommenen Teleobjektiv-Blattschüssen von Royals ihr ansonsten kümmerliches Leben bestreiten. Aber umgekehrt ist auch gefahren: Repräsentieren, Aufmerksamkeit aller Art, sind Garanten auch für Königliche, dass der Rubel rollt. Eine Queen, eine Prinzessin sind sozusagen ultimative It-Girls. Da fliessen Gagen. Oder es wachsen Symbiosen zu diversen Wirtschaftszweigen. Nicht zuletzt erzeugt blaues Blut in Windeln und mit Schnuller ungewöhnliche Beliebtheitswerte. Die Telenovela-Fabrik muss pausenlos laufen. Daran hängt manche gekrönte Existenz. Woran denn noch?

Und was ist mit dem offenbar unverwüstlichen Bedürfnis, unter seinesgleichen ein paar Zufallsgeborene kollektiv-psychisch zu krönen? Die naive Bewunderung des Volkes adelt in der Regel die Bewunderer – und spricht selten für den König.

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