Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in Portugal und der Provinz Oberaargau, hatte der 31-Jährige keine einfache Kindheit. Höhen und Tiefen seines bisherigen Lebens musikalisch zu thematisieren, davor scheut sich der Musiker nicht.

(Quelle: youtube/knackeboul23)

Knackboul mit «2013»

Das macht ihn verletzlich - und interessant. "Nachdem ich auf dem Album 'Moderator' meine Kindheit in einem Songtext nacherzählt habe, wollten einige Medien eine Art Homestory mit meiner Familie machen", erzählte Knackeboul im Gespräch mit der sda.

Da sei er ziemlich auf die Welt gekommen. "Ich war wohl etwas naiv, denn ich habe oft noch immer das Gefühl, ich mache Musik für eine Handvoll Freunde, nicht für Tausende." Seither sind Liedtexte zu seinem Privatleben subtiler geworden. Die Homestories machte er im Übrigen nicht.

Zwar fehlen auf seinem neuen Album "Picasso" sozialkritische Texte weitgehend. Fällt das Stichwort Gesellschaft, gerät der Rapper dennoch in Fahrt: "Ich frage mich ständig, wo die Gerechtigkeit ist. Wir haben hier das Paradies, während sie wenige hundert Kilometer entfernt in der Hölle leben."

Selbstkritisch

Wenn er Themen wie Kapitalismus anspreche, fühle er sich manchmal heuchlerisch: "Ich prangere Kapitalismus an und freue mich gleichzeitig über Markensachen, die ich gesponsert bekomme."

Knackeboul findet, das sei irgendwie bezeichnend für seine Generation. "Das zeigt zum Beispiel die 'Tanz dich frei'-Demo in Bern. Wir demonstrieren zwar unter dem Deckmantel des Antikapitalismus', wollen aber gleichzeitig vor allem Party machen."

Manchmal geht Knackebouls Missmut über die Überflussgesellschaft - "deren Privilegien ich ja ebenso wie andere geniesse" - so weit, dass er Lust habe, den "Bettel hinzuschmeissen und abzuhauen". Für eine beschränkte Zeitlang wird er jedenfalls den Aussteiger geben: Im kommenden Jahr wird der Musiker mit seiner Freundin auf eine lange Reise aufbrechen.