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Kaiser Karls Vermächtnis – die Nachfolgerin des Modezars

Sie wird in Lagerfelds Fussstapfen treten: Virginie Viard.

Sie wird in Lagerfelds Fussstapfen treten: Virginie Viard.

Der diese Woche verstorbene Karl Lagerfeld war nicht nur steinreich, er hinterlässt auch drei Modehäuser, die sein Vermächtnis weiterführen müssen. Bei Chanel übernimmt die bisherige Studiochefin Virginie Viard das Ruder.

Sein persönliches Vermögen wird auf 400 Millionen Euro geschätzt. Doch Kaiser Karls Vermächtnis ist weit immenser, denn die Modehäuser Chanel, Fendi und Karl Lagerfeld müssen jetzt ohne ihren Chefdesigner, ihren genialen Interpreten, bestehen. Bei Chanel hat vor allem er seit 35 Jahren dazu beigetragen, dass sich das Luxusmodehaus heute mit einem Umsatz von 8,26 Milliarden Euro (2017) an der Spitze der grössten Modeplayer positioniert.

Obwohl schon jahrelang spekuliert wurde, welcher Stardesigner Lagerfeld eines Tages ersetzen werde, scheint Chanels Lösung, seiner langjährigen Mitarbeiterin Virginie Viard das Zepter zu übergeben, eine kluge Entscheidung. «Um das Vermächtnis von Gabrielle Chanel und Karl Lagerfeld weiterzupflegen» war denn auch die Begründung des Unternehmens. Karl hatte Chanels bisherige Studiochefin gern als «seine rechte und linke Hand» bezeichnet. Er war seit 30 Jahren ihr Mentor. «Die Begegnung meines Lebens», hat die 50-jährige Burgunderin einmal dem Magazin «Madame Figaro» erzählt.

Chanel setzt auf Kontinuität

Dank dieser langen, engen Zusammenarbeit wird Chanels diskrete neue Chefdesignerin in Karls Fussstapfen treten. Denn nicht ein Neubeginn mit einem anderen Stardesigner, sondern eine kontinuierliche Beständigkeit zählt heute für das Modehaus, um Cocos Stil und Karls Image aufrechtzuerhalten.

Insider hatten Hedi Slimane als Nachfolger erwartet. Doch einem solchen Stardesigner würde die delikate Aufgabe vielleicht aus egozentrischen Gründen misslingen. Ist nicht auch Raf Simons jüngst bei Calvin Klein gescheitert? Ebenso verzichtet Hermès schon lange auf grosse Namen zugunsten der beiden Modedesignerinnen Nadège Vanhee-Cybulski und Véronique Nichanian, die dem breiten Publikum unbekannt sind. Der Umsatz des Luxuskonzerns steigt dennoch dank seiner Lederwaren spektakulär. Und bei Chanel sind es die Parfüms und die Kosmetik, deren Umsatzanteil die Finanzanalysten auf über 55 Prozent schätzen.

Fendi will sich Zeit nehmen

Wer Chanels Ready-to-wear kauft, will Prestige, Stil und ein Stück Modegeschichte. Karls gigantische Modeschauen und seine Präsenz haben dieses Image geprägt. Das gleiche gilt für Fendi, wo Lagerfeld seit 1965 die Regie geführt hat. Am letzten Donnerstag zeigte die Enkelin der Markengründer Lagerfelds letzte Fendi-Kollektion an der Mailänder Fashionweek. Man wolle sich Zeit nehmen, den Verstorbenen zu ehren und dessen Nachfolger später bekannt geben, teilte das Römer Modehaus mit. In Chanel und Fendi werden Lagerfelds Spuren lange haften. Genauso wie seine schwarz-weisse Silhouette in seinem ulkigen Label Karl Lagerfeld, das blüht – und nun geschickte Manager braucht. 

Karl Lagerfelds Karriere in Bildern

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