Kachelmann-Prozess
Kachelmann-Opfer: Anhörung wurde verschoben

Im Vergewaltigungsprozess gegen Wetterfrosch Jörg Kachelmann ist die Vernehmung des mutmasslichen Opfers auf Montag verschoben worden. Die Aussage der 37-Jährigen vor dem Landgericht Mannheim musste heute aus Zeitgründen vertagt werden.

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Jörg Kachelmann (r.) mit seinem Anwalt Reinhard Birkenstock (l.) (Archiv)

Jörg Kachelmann (r.) mit seinem Anwalt Reinhard Birkenstock (l.) (Archiv)

Keystone

Grund für die Verzögerung war ein neuerlicher Paukenschlag der Kachelmann-Verteidigung. Diese warf allen Richtern Befangenheit vor.

Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock begründete den Befangenheitsantrag damit, dass das Gericht die Radiojournalistin nicht über ihr Zeugnisverweigerungsrecht belehrt habe. Mit dessen Inanspruchnahme könne sie aber vermeiden, sich durch neue Falschaussagen strafbar zu machen.

Birkenstock bezog sich mit dieser Argumentation darauf, dass die Frau bei früheren Angaben zur Vor- und Randgeschichte der angeblichen Vergewaltigung nachweislich die Unwahrheit gesagt hatte. Dies war einer der Gründe, warum das Oberlandesgericht Karlsruhe den Schweizer Ende Juli aus der Untersuchungshaft entlassen hatte.

Andere Richter müssen über Antrag entscheiden

Die Nebenklägerin hatte bei Vernehmungen einräumen müssen, dass sie einen angeblichen anonymen Brief mit dem Hinweis auf Kachelmanns Untreue selbst geschrieben hatte.

Kachelmann muss nun laut Birkenstock befürchten, dass die Richter wegen der fehlenden Belehrung befangen sind: Trotz der nachweislichen früheren Lügen gingen sie anscheinend davon aus, dass das mutmassliche Opfer die Wahrheit sage und nach ihrer Ansicht eine Strafverfolgung der Frau deshalb «völlig ausgeschlossen» sei.

Nun müssen andere Richter des Landgerichts über den Befangenheitsantrag von Kachelmanns Verteidigung entscheiden.

Der Vorsitzende Richter Michael Seidling ordnete an, dass das Verfahren gleichwohl am kommenden Montag mit der Anhörung des mutmasslichen Opfers fortgesetzt werde. Seidling begründete dies mit der Terminnot eines der bestellten Sachverständigen.

Am Mittwochmorgen hatte die Kammer zunächst eine Petition der Verteidigung abgelehnt, den Gutachter Bernd Brinkmann doch noch zuzulassen. Der von den Anwälten Kachelmanns beauftragte Gutachter war vom Verfahren wegen mangelnder Objektivität ausgeschlossen worden.

Gesicht auf grosser Leinwand

Während der Anhörung der Nebenklägerin wird eine Videokamera auf sie gerichtet sein und ihr Gesicht auf einer grossen Leinwand gezeigt, damit die Gutachter aus ihrer Mimik und Reaktionen Rückschlüsse auf den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen ziehen können.

Die Radiomoderatorin wirft Kachelmann laut Anklage vor, sie nach einem Beziehungsstreit mit einem Messer bedroht und sie vergewaltigt zu haben.