Judith Eernli
Judith Wernli: «In meiner Höhle fühle ich mich wohl»

Mit der Vorweihnachtsaktion «Jeder Rappen zählt» erlangte die DRS-3-Moderatorin Judith Wernli nationale Popularität. Die Aargauerin ist quirlig und quasselig, aber zu Hause in ihren vier Wänden auch mal ruhig und nachdenklich.

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Judith Wernli

Judith Wernli

Aargauer Zeitung

Gina Kern
Die Stimmen am Radio machen neugierig. Welche Gesichter stecken dahinter? Was sind das für Leute? Wie wohnen sie? Judith Wernli hat eine angenehme
Radiostimme. Unverkennbar durch ihrer ganz eigene Betonung der Wörter. Sie wirkt cool, routiniert, stets gut gelaunt. Diese Stimme hat seit kurzem auch ein Gesicht, einen Körper. Seit Judith Wernli vor Weihnachten sechs Tage lang mit ihren Moderationskollegen Mario Torriani und Nik Hartmann im Glaskasten auf dem Berner Bundesplatz hauste. Vor der Kamera. Und mit der Aktion «Jeder Rappen zählt» im Kampf gegen Malaria neun Millionen Franken sammelte. Plötzlich war nicht mehr ihre Stimme ein Thema - es wurde über ihre Kleidung diskutiert, über ihr Aussehen, die Art, wie sie sich bewegt.

Ihre Wohnung in Wettingen ist zwar geräumiger als das Glashaus auf dem Bundesplatz, aber sie ist auch anstrengender zu erreichen. Das Treppenhaus scheint endlos. Es führt hinauf, vorbei an unzähligen Türen. «Hallo», hallt es durch den langen Gang. «Ich bin hier oben.» Die Stimme gehört unverkennbar zu Judith Wernli. «Ich kann es nicht leiden, wenn mir jemand auf dem Kopf herumläuft. Ich throne gerne», sagt sie, bittet uns herein und dreht das Radio lauter: DRS3.

Keine Sprüche über die Finken

«Hier ist mein Reich, quasi der einzige Raum, den ich habe», sagt Judith und lacht breit. «Und bitte keine Sprüche über meine Finken, klar?» Die reale Judith Wernli ist wie die Radiostimme - offen, herzlich und gut gelaunt. Ihre Wohnung unspektakulär und schnell beschrieben. Eine Küche, ein Badzimmer, ein kleines Wohn-Ess-Zimmer, eine Art Büro und ein Schlafzimmer.

Seit knapp drei Jahren wohnt Wernli in diesem Mehrfamilienhaus inmitten grosser Wohnblocks im Zentrum von Wettingen. Für die Wahl der Wohnung sei der Anschluss zur Autobahn ausschlaggebend gewesen. «Morgens um drei zählt jede Minute», sagt die Aargauerin und setzt sich an den Tisch. «Das ist meine Höhle, hier fühle ich mich wohl.» Sie braucht wenig zum Leben - vier Wände und ein Velo, mit dem sie überall hinpedalen kann. Praktisch kein Schnickschnack. Wenig Pflanzen. Wenig Licht.
Seit drei Jahren ist sie Frühmoderatorin für die «Morgenshow» bei DRS3. Sie brauche wenig Schlaf, darum mache es ihr auch nichts aus, um zwei Uhr nachts aufzustehen. Fünf Stunden müssen reichen.

«Das ist grundsätzlich viel zu wenig, dessen bin ich mir bewusst», sagt sie und nimmt einen Schluck Kaffee. Aber solange sie noch immer gut aufstehen könne, wolle sie diesen Früh-Job machen. «Es war immer mein grosser Traum, bei DRS3 die Morgensendung zu moderieren», so Wernli, welche die Hörer alternierend mit Mario Torriani, Sven Epiney und Mona Vetsch morgens um fünf auf dem Äther begrüsst.

Begeisterte Wintersportlerin

Sie moderiert jeden Monat rund zwölf «Morgenshows». Als Ausgleich geht sie Joggen, Velofahren oder Snowboarden.

Judith Wernli ist eine leidenschaftliche Wintersportlerin. Darum arbeitet sie im Sommer unermüdlich, sodass sie im Winter ihre Überstunden kompensieren kann. Dann zieht es die passionierte Boarderin auf die Pisten. Vorihrem Job als Radiomoderatorin fuhr sie bei den Snowboardern im Regio- und Swisscup. Heute sei Freestyle ihr Fahrstil. Unterwegs ist sie noch immer gerne schnell: «Am liebsten um vier Uhr nachmittags, wenn die Skifahrer bereits im Après-Ski sind.» Ihr Traum: «Einmal das Jakobshorn für mich allein zu haben.»

In ihrer 80-Quadratmeter-Wohnung dominiert die Farbe Orange. Die orangen Vorhänge seien ein Überbleibsel der Vormieterin. Der Rest sei Zufall. Was auffällt, sind viele Kerzen in orangen Steinen, ein grosser Spiegel, ein aufgeschlagenes Kochbuch und die
grosse CD-Sammlung. Die CDs sind fein säuberlich aneinandergereiht. Bruce Springsteen ist ihr grosser Liebling.

Und natürlich höre sie viel Schweizer Musik. Sie besucht wöchentlich mindestens ein Konzert einer Schweizer Band. Musik ist ihr Leben. «Durch meinen Bruder bin ich auf den Geschmack gekommen. Mit drei Geschwistern war Musik in der Jugendzeit eine Rückzugsmöglichkeit. Mit Musik in den Ohren war ich zufrieden.» Das scheint auch heute noch so: Die grosse CD-Sammlung ist voll digitalisiert auf dem iPod - von ABBA über Stephan Eicher bis Züri West. «Züri West sind meine Helden», sagt sie süffisant lächelnd.

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