"Was denken Sie", fragte der 83-jährige Filmstar die Journalistinnen und Journalisten, denen sie am Nachmittag Red und Antwort stand. "So eine Auszeichnung ist immer eine grosse Ehre" - und der Name dieses Preises gefalle ihr ganz besonders.

Dabei hatte Judi Dench, die ihre Karriere in den 1950er Jahren als Ensemblemitglied der Royal Shakespeare Company begann und später für Kinorollen in "Murder on the Orient Express", "Victoria & Abdul" oder jene der "M" in James-Bond Verfilmungen wie "GoldenEye", "Skyfall" oder "Spectre" engagiert wurde, stets Angst davor, nicht gut genug zu sein.

Sie sei sich ausserdem ziemlich sicher, dass es in ihrer Laufbahn immer wieder Leute gegeben habe, denen ihre Stimme nicht gefiel. "Sie klingt, als hätte ich die ganze Nacht durchgemacht und nur getrunken", sagte Dench. Die Schauspielerin erinnert sich sehr gut an einen Abend, als man ihr nach einer Theateraufführung folgendes gesagt habe: "Es hat uns sehr gut gefallen, doch wir kommen dann gerne noch einmal, wenn Ihre Erkältung abgeklungen ist."

Ruhestand ist keine Option

Weder ihre Selbstzweifel noch ihre kratzige Stimme haben die Britin jedoch davon abgehalten, bis heute auf der Bühne wie auch vor der Kamera erfolgreich und vielbeschätfigt zu bleiben. Und wenn es nach ihr geht, gerne auch noch viel länger: "Ich werde ganz sicher nicht in den Ruhestand treten", sagte Judi Dench an der Medienkonferenz weiter.

"Viele lassen sich ja pensionieren, um endlich Zeit für die Dinge zu haben, die ihnen Spass machen." Lesen, reisen, Filme schauen. In ihrem Fall sei es der Job, der ihr am meisten Spass mache. "Er ist mein Hobby und mein Beruf zugleich."

Was aber nicht heisst, dass sich die Grande Dame auch für das Endprodukt ihrer Arbeit interessiert. So wie sie "Spectre" nicht gesehen hat, ist ihr auch der fixfertige Thriller "Red Joan" von Regisseur Trevor Nunn unbekannt. Fragen zu dem neuen Film, der in der Schweiz vorläufig nur am ZFF zu sehen ist, konnte sie vor den Medien also nur beantworten, wenn sie sich auf ihre Figur Joan Stanley bezogen.

Und selbst da hielt sich ihr Wissen in Grenzen, denn ihre Kollegin Sophie Cookson, die im Film die junge Stanley spielt und eine viel grössere Präsenz hat, hat sie am Set nach eigenen Worten nicht angetroffen. Auch sonst habe kein nennenswerter Austausch stattgefunden. "Es lief alles über den Regisseur."

Immerhin werden die beiden britischen Schauspielerinnen am Abend auf dem Grünen Teppich aufeinandertreffen. "Red Joan" ist am ZFF nach der Premiere im deutschsprachigen Raum auch noch am Donnerstag und am Freitag zu sehen. Der Film basiert auf der wahren Geschichte einer Engländerin, die während des Zweiten Weltkriegs für ein streng geheimes britisches Geheimdienstprojekt arbeitete und um des Friedens Willen zur Verräterin ihres eigenen Landes wurde.