Edi Gysin

Das kleine Büro hat er sich im Untergeschoss eingerichtet. Neben hunderten von Büchern und Broschüren, angefangen bei den Kelten, die als älteste Einwohner Gelterkindens überliefert sind oder Spuren hinterlassen haben, bis Wissenswertem aus neuster Zeit, findet sich alles, was der Historiker Buser über die Region gesammelt hat. Er sitzt an seinem Labtop, das die Bücher-Liste enthält und darüber hinaus noch einiges an Ideen und Projekten, die er in Arbeit hat.

«Soweit habe ich es gebracht», sagt er lachend, nämlich von Ormalingen, wo er aufgewachsen ist ins Nachbardorf, nach Gelterkinden. Hier hat er kräftig Spuren hinterlassen. Vorab dürfte seine Zeit als Präsident der «Stiftung Ortssammlung Gelterkinden» in die Geschichte eingehen. Gegründet in den siebziger Jahren mit einem Kapital von 3000 Franken ist sie nie so richtig in Fahrt gekommen. Erst als Buser das Präsidium übernahm und Mitstreiter mobilisierte, bekam die Stiftung Konturen und sie erhielt von Gelterkinderinnen und Gelterkindern auch geschichtsträchtiges Material in grosser Zahl, Geräte, Fotos oder Dokumente.

Alles wurde akribisch aufgelistet und im Jundt-Huus und in der «Fääli» sinnvoll eingelagert oder auch zugänglich gemacht. «Das Jundt-Huus war ein Glücksfall für die Stiftung», sagt Buser «über Nacht wurde sie um 1,5 Millionen Franken reicher». So hoch wird der Wert der Liegenschaft veranschlagt. Hermann Jundt der letzte Inhaber des Hauses ist ohne Nachkommen oder nahe Verwandte 1998 verstorben. Kurz vor seinem Tod vermachte er sein Hab und Gut der Stiftung. «Das Haus ist nicht einfach ein Segen für die Stiftung» bedauert Buser, «es fehlen die Mittel um es richtig zu renovieren und bewohnbar zu machen».

Menschen schreiben Geschichte

Was Buser zur Geschichte Gelterkindens und der näheren Umgebung publiziert hat, füllt eine lange Liste. Sein neuestes kleines, «Der Gelterkinder Berg», zeugt von seinem Verständnis für Geschichte, es sind die Menschen, die Geschichte schreiben, Spuren hinterlassen, die Auskunft geben, wie und wo sie gelebt haben, wie sie organisiert waren, wie sie mit den natürlichen Ressourcen umgegangen sind. Beim Lesen wird fast sichtbar, wie es vor langer Zeit auf und um den Gelterkinder Hausberg zugegangen ist.

Auch die Heimatkunde von Gelterkinden aus dem Jahr 1864 wurde von Buser mit Marginalien so aktualisiert, dass sie eine vielbeachtete Neuauflage erfuhr. Ein gewichtiges Werk ist dem Südseeforscher Paul Wirz gewidmet, der als Ethnologe ein so abenteuerliches Leben führte, das auch zu einem Thema für einen Film wurde. Wirz stammt aus einer Gelterkinder Familie, die Jahrhunderte zurück verfolgt werden kann.

«Eusi Chille», die Kirche Sankt Peter zu Gelterkinden, diese Geschichte hat Buser 2002 im Eigenverlag herausgebracht. Viele Beiträge Busers wurden in die Baselbieter Heimatblätter aufgenommen. «Der Morgenspaziergang von Fritz Pümpin» oder «Das Blaue Kreuz im Weissen Feld» sind zwei davon.

Eine Ur-Oberbaselbieter Familie

«Mein Interesse an der lokalen Geschichte ist im Laufe meines Lebens gewachsen», sagt Buser, «meine Verwurzelung mit der Region ist greifbar, ich bin nie weit gereist. Schon meine Urgrosseltern stammten mit einer Ausnahme aus dem Oberbaselbiet». Das Kaufmännische habe er gelernt, erinnert er sich, eine Lehre beim damaligen Konsum in Gelterkinden gemacht.

Danach fand der Ormalinger 1954 eine Anstellung als Kanzlist auf der Gelterkinder Gemeindeverwaltung. «Das war auf der Hierarchie die unterste Stufe auf der Verwaltung», sagte er. Die Arbeit habe ihm aber gefallen und als 1960 die Verwalterstelle neu zu besetzen war, stellte er sich zur Wahl. Es habe damals vier Kandidaten gegeben, die sich vor der Wahl einer Prüfung stellen mussten. Zu Dritt haben sie sich dann der Urnenwahl gestellt. Buser wurde von der damaligen Richtlinienbewegung unterstützt, er gewann die Wahl mit drei Stimmen Vorsprung. «Als ich dieses Amt übernahm, kannte ich alle Geltrekinderinnen und Gelterkinder», kann er sich gut erinnern. Die Gemeinde sei aber derart gewachsen, dass davon keine Rede mehr war als er nach 30 Jahren in Pension ging.

Fünf Angestellte waren auf der Verwaltung damals tätig, als Buser aufhörte, füllten die bei der Gemeinde Gelterkinden angestellten Personen ein ganzes Fotoalbum. Es war ein Abschiedsgeschenk an Buser mit Widmungen und es war rot eingefasst. Auf dem Umschlag fein säuberlich in Goldprägung die Worte: «Es teets....» Die Worte, mit denen Erich Buser dem Gelterkinder Gemeinderat seinen Rücktritt ankündigte.