Bush schreibt über Bush
Im Namen des Vaters und des Sohnes

Ex-Präsident George W. Bush hat ein Buch über seinen Vater geschrieben. Darin beschreibt er den 41. Präsidenten der USA als bescheidenen Familienmensch.

Renzo Ruf, Washington
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Vater-Sohn-Gespann im Weissen Haus: George und George W. Bush im Jahr 2007.Key

Vater-Sohn-Gespann im Weissen Haus: George und George W. Bush im Jahr 2007.Key

KEYSTONE

Als die Mauer in Berlin fiel, vor genau 25 Jahren, wurde der damalige US-Präsident gefragt, warum er nicht in die «Frontstadt des Kalten Krieges» reise, um mit dem deutschen Volk zu feiern. Die Antwort von George Bush? «Ich werde nicht auf der Mauer tanzen.» Denn die Gefahr sei zu gross, dass eine solche Geste die Sowjetunion provoziere und die neu gewonnene Freiheit der Ost- und Mitteleuropäer gefährde.

Diese Anekdote verkörpere die Grösse von George Bush: Ein Mann, der trotz einer fabelhaften Karriere bescheiden geblieben sei und sich nie mit fremden Federn geschmückt habe. Dies schreibt der Autor einer neuen Biografie des Ex-Präsidenten, die den standesgemässen Titel «41» trägt: Bush war der 41. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Um eine traditionelle Biografie handelt es sich bei dem 294 Seiten zählenden Buch, das gestern in den USA in den Handel kam, allerdings nicht. Zum einen ist der 90-jährige Bush von zahlreichen Gebrechen gezeichnet. Er erinnere sich nicht mehr an sämtliche Wegmarken seines Lebens. Zum andern handelt es sich beim Autor des Porträts um den Sohn des Ex-Präsidenten: George W. Bush, Nach-Nachfolger («43») im Weissen Haus und neuerdings ein «Homme des Lettres».

Bewährtem Schema gefolgt

Bush junior macht denn auch kein Geheimnis daraus, dass er seinem Vater ein Denkmal in Buchform setzen wollte – für einen Mann, der sein Leben in den Dienst des Vaterlandes gestellt und dabei Grosses vollbracht habe. Auf die Idee allerdings, das Porträt zu schreiben, sei er nicht selbst gekommen, räumt der Ex-Präsident ein. Vielmehr habe ihm die Tochter des renommierten Historikers David McCullough anvertraut, dass ihr Vater es bedauere, dass das andere Vater-Sohn-Gespann im Weissen Haus – John Adams («2») und John Quincy Adams («6») – kein schriftliches Zeugnis über die ganz spezielle familiäre Dynamik hinterlassen habe.

Das Buch folgt einem bewährten Schema: Schritt für Schritt erzählt Bush junior, wie sich sein Vater – der aus einer privilegierten Familie der Ostküste stammte – die Karriereleiter hinaufarbeitete. Er erzählt über den Aktivdienst, den sein Vater im Zweiten Weltkrieg leistete, seine Arbeit in der aufstrebenden Ölbranche in Texas und die ersten politischen Schritte. Die Stationen sind bekannt: 1966 wurde Bush ins US-Repräsentantenhaus gewählt, 1971 zum amerikanischen Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York, 1973 zum Parteichef der Republikaner, 1974 zum Quasi-Botschafter in Peking und 1976 zum Chef des Auslandgeheimdienstes CIA. 1980 folgte dann, nach einer gescheiterten Präsidentschaftskandidatur, die Wahl zum US-Vizepräsidenten an der Seite von Ronald Reagan. Acht Jahre später beerbte er Reagan im Weissen Haus; 1992 wurde «41» in den Ruhestand geschickt, von einem frustrierten Wahlvolk.

«42» einer der besten Freunde

Bush macht kein Geheimnis daraus, dass seine Familie über die Abwahl gekränkt war. Doch der Präsident ist kein nachtragender Mann, wie sein Sohn erzählt. Heute gehört «42» – Bill Clinton, der Mann, der Bush senior in den Ruhestand schickte – zu den besten Freunden von «41». Überhaupt streicht Bush junior die menschlichen Qualitäten eines Politikers hervor, der in den Medien häufig als abgehoben und steif porträtiert worden war. Sein Vater, schreibt der Biograf, sei ein zutiefst bescheidener Mann gewesen, der stets für seine Familie da gewesen sei.

Der Autor korrigiert aber nicht nur einige Klischees, die über seinen Vater im Umlauf sind – Bush junior stellt auch eine zentrale Episode seines Lebens klar. Hartnäckig halte sich nämlich das Gerücht, dass es in den frühen Sechzigerjahren fast zu einer Schlägerei zwischen Vater und Sohn gekommen sei. Betrunken soll der Junior dem Senior zugerufen haben, man werde die Auseinandersetzung «mano a mano» austragen. Stimmt nicht, sagt George W. Bush nun. Sein Vater habe ihn bloss prüfend angeschaut, aber kein Wort gesagt. Das genügte bereits. «Ich fühlte mich wie ein Idiot», schreibt Bush junior.

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