Werner van Gent
«Ich habe mehr als einen Ort, der für mich Heimat bedeutet»

Obwohl der bekannte TV-, Radio- und Zeitungs-Korrespondent Werner van Gent vielerorts daheim ist, verbinden ihn mit der Schweiz Heimatgefühle. Besonders mit Wettingen, dem Wohnort seiner Jugendzeit, wo seine Mutter noch heute lebt.

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Werner van Gent

Werner van Gent

Stadtanzeiger Baden

Melanie Bär

«Ich habe mehr als einen Ort, der für mich Heimat bedeutet», sagt Werner van Gent. Wenig erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er in Holland geboren wurde, in der Schweiz studiert hat und als Korrespondent in Griechenland, der Türkei, dem Süd-Balkan, in Zypern, im Iran und in Nordirak arbeitet.

«Und trotzdem kehre ich gerne dorthin zurück, wo mein Cello und meine Bücher stehen», sagt van Gent. Seit Längerem lebt er in Athen in einer Attikawohnung mit Blick auf Meer und Berge. Immer dann, wenn das Leben in Griechenland wegen der Bürokratie, der Korruption oder der schlechten Organisation aber schieflaufe, überlege er sich, wieder fest in die Schweiz zurückzukehren.

Getan hat er es bisher nicht. Obwohl er sich in der Region Baden bestens auskennt. Als junger Student hat er sich mit Taxifahren in Baden nämlich sein Geld verdient. «Ich erinnere mich noch an den ersten Tag, ich habe den Kehlhof nicht gefunden.»

Mittlerweile fährt er in der Region nur noch als Gast Taxi. Etwa zehnmal pro Jahr ist er hier und kümmert sich um sein vor drei Jahren gegründetes Reiseunternehmen, besucht Freunde und Bekannte oder ist als Referent unterwegs. Am Wochenende hat er in der Schweiz sein drittes Buch «Iran ist anders» vorgestellt. «Und mit meiner Mutter gehe ich in Wettingen beim Italiener essen, sozusagen in unserer Familientrattoria.»

Durch seine dreissigjährige Tätigkeit als Ausland-Korrespondent ist er in der Schweiz bekannt geworden und hat viele Sympathien gewonnen. «Ja, ich werde in der Schweiz erkannt und auf meine Tätigkeit angesprochen. Doch der Uli ist noch beliebter», sagt Werner van Gent mit seinem sympathischen Holländerakzent und lacht. Mit Uli meint er seinen Berufskollegen Ulrich Tilgner.

Van Gents Beliebtheit war am Montag im Saal des KV Baden-Zurzach fast messbar. Van Gent hielt vor 70 Personen einen Vortrag über den «Krieg der Kulturen» und das Publikum hing förmlich an seinen Lippen. Es war mucksmäuschenstill im Raum. Locker erzählte der Medienmann Hintergründe der verschiedenen Kulturen und zeigte auf, wie es wegen mangelndem Verständnis immer wieder zu Konflikten gekommen ist. Er genoss es, als Beobachter für einmal ohne Kamera und Mikrofon vor einem sichtbaren Publikum Hintergründe zu erklären. «Bei einer Sendezeit von einer Minute dreissig, kann man das nämlich leider nicht.»

Während der anschliessenden Diskussion nahm van Gent auch persönlich Stellung. Auf die Frage eines Zuhörers, wie er persönlich den Konflikt im Irak angegangen wäre, antwortete dieser: «Nicht mit fremden Truppen einmarschieren, sondern die Armeespitze des Landes übernehmen.» Keine Antwort hat er hingegen auf die Frage, wie die Alliierten je wieder aus dem Krieg herauskommen werden. Einen Krieg, der den 57-Jährigen geprägt hat. «Die Erlebnisse am Rande des Krieges sind intensiv und gefährlich. Ich habe mehrmals gedacht, ich sei am falschen Ort», sagt Van Gent nachdenklich. Orte, wo viele Menschen ihre Heimat verloren haben.