Die Leserzahlen beim «SonntagsBlick» sinken seit Jahren. Wie wollen Sie dieser Entwicklung entgegentreten?

Christine Maier: Ich möchte mit einem motivierten Team eine gute Zeitung machen, die den Leserinnen und Lesern gefällt. Und uns auch. Mehr möchte ich im Moment dazu nicht sagen, lassen Sie mich erst einmal anfangen. Ich möchte das Team kennen lernen und dann werden wir weitersehen.

Obwohl Sie als Moderatorin sehr bekannt sind, waren Sie in den Boulevardmedien nicht übermässig präsent. Wie weit können Sie sich mit Boulevard identifizieren und wie wollen Sie mit Prominenten umgehen?

Ich gehe mit allen Menschen respektvoll um, egal, ob beruflich oder privat. Boulevard bedeutet, dass man nahe bei den Leuten ist und den Themen, die sie diskutieren. Dort fühle ich mich total zu Hause, auch Fernsehen ist meiner Meinung nach ein Boulevard-Medium. Ich habe keine Hemmungen vor Boulevard, aber vor Schmuddel. Mich stört unfairer, unseriöser und respektloser Journalismus.

Sie haben in Ihrer Karriere vornehmlich als TV-Journalistin gearbeitet, zudem fehlt Ihnen die Erfahrung als Blattmacherin. Ein Nachteil?

Ich sehe das nicht so. Es arbeiten ja bereits viele ausgewiesene Printjournalisten dort. Ich verstehe mich als Teamplayerin und bringe neben meinen langjährigen Erfahrungen als Journalistin in verschiedenen Bereichen Führungserfahrung und ein breites Netzwerk mit. Zusammen können wir ein interessantes Blatt machen.

Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen?

Ich habe mich ständig beruflich weiterentwickelt. Wenn ich ein Angebot habe wie in diesem Fall, dann horche ich in mich hinein und frage mich, ob ich etwas bewegen und Erfahrungen machen kann, die mich weiterbringen. Und ob ich wirklich Lust dazu habe. Wenn ich all das mit Ja beantworten kann, mach ich es - egal, was andere denken. Dann muss ich es einfach tun.

Welche Reaktionen haben Sie bekommen?

Ich bin überwältigt und kann im Moment gar nicht alle Mails und SMS beantworten. Die Reaktionen waren durchwegs positiv und kamen von Freunden aus dem Fernsehen, von anderen Printmedien, von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Sehr gefreut hat mich, dass mir Kolleginnen und Kollegen aus dem Newsroom von Ringier geschrieben haben, die ich zum Teil noch gar nicht kenne. Das finde ich sehr motivierend. Denn der Entscheid, SRF zu verlassen, ist mir nach insgesamt 26 Jahren nicht leicht gefallen.

Der Samstag wird zu Ihrem Hauptarbeitstag. Wie haben Ihre Kinder darauf reagiert?

Meine Kinder sind 17 und 18 Jahre alt. Man kann sich vorstellen, dass Teenager, die am Samstag Party machen, nicht böse sind, wenn die Mutter spät nach Hause kommt. Ich habe den Wechsel mit meinen Kindern intensiv besprochen. Zudem bin ich künftig unter der Woche mehr zu Hause und sehe die Kinder sogar häufiger als jetzt.