Bendrit Bajra
«Ich habe genau so viel Liebe für die Schweiz wie für den Kosovo»

Der Komiker Bendrit Bajra (21) erinnert sich an den Geburtstag seines Landes und denkt in seinem neuen BMW über Patriotismus nach. Er hat auch eine Meinung zu "No Billag".

Pascal Ritter
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Heute vor 10 Jahren fuhr Bendrit Bajra mit seiner Familie an den Helvetiaplatz, um die Unabhängigkeit des Kosovo zu feiern. Bei einer Autofahrt mit seinem neuen BMW M6 erinnert er sich heute daran, wie es damals war. «Es brach riesige Freude aus», sagt er. «Der Helvetiaplatz war pumpenvoll. Als wären wir Fussballweltmeister geworden.»

Bendrit sorgt seit drei Jahren mit witzigen Videos für Aufsehen. Er nimmt dabei die Schweizer, aber vor allem seine eigene kosovoalbanische Community auf die Schippe. Bei der Autofahrt mit der «az Nordwestschweiz» zeigt er, dass er nicht nur blödeln kann. Er denkt über Patriotismus nach und stellt gleich klar: «In erster Linie bin ich ein Mensch.»

Dennoch ist ihm seine Herkunft wichtig. «Wenn ich in den Kosovo reise, ist es jedes Mal wie Heimkehren», sagt er. Wenn er dann aber nach einigen Wochen wieder zurückkomme, fühle er ähnlich für die Schweiz. «Ich habe genau gleich viel Liebe für die Schweiz wie für den Kosovo», sagt Bendrit.

«Wir würden vor Stolz mit niemanden mehr sprechen»

In seinen Videos ist der Unterschied zwischen Schweizern und Ausländern das grosse Thema. Gefragt nach dem Unterschied zwischen Schweizern und Kosovoalbanern fällt ihm als erstes das Temperament ein. Bei Auseinandersetzungen würde in Schweizer Wohnzimmern sachlich diskutiert, während in seiner Familie die Emotionen hochgingen.

Der zweite grosse Unterschied sei der Stolz. «Wenn wir Kosovaren so viel erreicht hätten wie die Schweiz, würden wir mit gar niemandem sprechen» scherzt er. Auch der familiäre Zusammenhalt sei grösser bei Familien mit Wurzeln im Kosovo. Von zu Hause ausziehen zum Beispiel sei etwas, dass für ihn nicht so einfach in Frage komme, sagt Bendrit, der in Schwamendingen mit seinen Eltern wohnt.

Bendrit kann auch seriös

Man merkt, dass Bendrit seit seinen Anfängen als Social-Media-Star – damals war er knapp volljährig – reifer geworden ist. Er macht sich auch Gedanken zu politischen Themen. So will er etwa am 4. März abstimmen gehen. Und er hat eine differenzierte, aber klare Meinung zu den Radio- und Fernsehgebühren: «Ich nerve mich auch über die Billag, die Gebühren müssen runter gehen. Aber ganz abschaffen ist gefährlich. Dann kann irgend ein Millionär kommen, die Medien kaufen und bestimmen, was gesendet wird. Das wäre dann Nordkorea-Style und das hat die Schweiz doch nicht nötig.»

Berufliche konnte Bendrit zwei seiner Leidenschaften verbinden. Er verkauft zurzeit Autos für einen Aargauer Händler und wirbt mit Videos dafür.