Aargau

«Ich esse am liebsten Pizokel»

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Sie wuchs mitten in der Walserenklave Obersaxen auf und erinnert sich an Schneestürme und Heuernten in der Kindheit. Heute lebt sie mitten in Zürich und pendelt für die Arbeit nach Aarau. Seit sie vor einem Monat zur Leiterin des Standortmarketings des Kantons ernannt wurde, treibt sie vor allem eines an: die wirtschaftlichen Vorteile des Aargaus bekannter zu machen.

Barbara Rüfenacht

Zugegeben, der starke Walser Dialekt überrascht zuerst ein bisschen. Schliesslich sitzt die frisch ernannte Chefin des Standortmarketings just neben der Aargauer Regierung mitten in der Kantonshauptstadt. Doch der äussere Eindruck täuscht. Die 34-jährige Bündnerin setzt sich mit Herzblut über die Landesgrenzen hinaus für den Aargau ein, von dem sie sagt, er berge eine geballte Ladung von Standortvorteilen für Unternehmer, Firmen und Investoren. «Wir haben bereits viele renommierte Unternehmen in der Region, die Spitzenleistungen für den Weltmarkt produzieren - jetzt geht es darum, diese zu halten, auszubauen und neue zu gewinnen.»

Um dieses Ziel zu erreichen, ist Annelise Alig unentwegt auf den Beinen: als Botschafterin im Ausland, als Repräsentantin innerhalb des Kantons, als Ansprechpartnerin für neu zuziehende Unternehmen und Start-up-Firmen. «Das Standortmarketing bildet die Schnittstelle zwischen Staat und Wirtschaft, das heisst, wir tragen die Anliegen von Unternehmen in die Verwaltung und die Politik und können Wünsche direkt in eine Regierungsratssitzung einbringen.» In wenigen Kantonen geschieht der Austausch so unbürokratisch. Ausländische Firmen, viele davon aus Deutschland, schätzen nebst den Steuervorteilen die Nähe zur Exekutive und die minimalen Reglementierungen. «Es macht grosse Freude, diese Pluspunkte bekannter zu machen», erklärt die Leiterin eines vierköpfigen Teams, die sich schon immer gerne mit Fragen der regionalen Standortförderung auseinandergesetzt hat. «Weil ich aus einer peripheren Gegend stamme, hat mich die Positionierung einer Region seit je interessiert.» Schon in ihrer Diplomarbeit für das Studium der Agronomie als Dipl. Ing. ETH mit Vertiefung Wirtschaft hat Annelise Alig das Thema als zentrales Motiv aufgenommen. Konkrete Erfahrungen holte sie sich später während fünf Jahren in der

Unternehmensberatung, damals noch im Kanton Zürich. Der Aargau kam vor drei Jahren dazu. Im Jahr 2006 bewarb sich die junge Beraterin als Projektleiterin bei ihrem Vorgänger Walter Cadosch, der dieses Jahr in Pension ging. Als stellvertretende Leiterin sei sie aber nicht einfach automatisch nachgerutscht, sondern habe sich dem Bewerbungswettkampf gegen Externe stellen müssen. «Ich ging wie alle anderen durchs Assessment.» Jetzt strahlt sie vor Glück, dass sie es geschafft hat, auch wenn die neue Funktion mit mehr Arbeit verbunden ist. Bleibt bei der grossen Belastung noch Zeit für Privatleben oder Hobbys? «Ich achte darauf, dass mein Mann und ich so oft als möglich gemeinsame Dinge unternehmen.» Das kann ein Besuch an einem Jazzkonzert sein, Skifahren bei der Familie in Obersaxen, ein Ausflug mit den Göttikindern oder auch einfach zu Hause Musik zu hören, zu lesen oder gemütlich zu essen. Für die Zubereitung exotischer Gerichte stellt sich die Bündnerin, die selber am liebsten «Pizokel» isst, gerne in die Küche - die duftenden Kräuter kommen balkonfrisch auf den Tisch. «Ich hege und pflege eine Vielfalt von Pflanzen und Kräutern, das ist für mich Entspannung pur.»

Blitzt da die alte Liebe zur Landwirtschaft, zum Arbeiten mit den Händen durch? «Agronomie habe ich sicher studiert, weil ich mitten in der Natur aufgewachsen bin und schon als Kind auf dem Feld mitgeholfen habe.» Das Interesse am Gedeihen von KMU und später von Regionen ist vom Landbau nicht so weit entfernt. «Auch hier kann man das Säen und Wachsen verfolgen.» So muss etwa ein Unternehmer, der seine Firma in den Aargau verlegen will, wieder bei null starten. «Wir helfen ihm bei der Suche nach einem geeigneten Standort und unterstützen ihn bei rechtlichen, administrativen und finanziellen Fragen.»

Damit das reibungslos klappt, will ein umfassendes Netzwerk von externen Spezialisten gepflegt werden. «Wichtige Kontakte sind lokale Treuhänder, Banken, Anwälte oder Personalvermittler.» In den Büros am Rain geht es mitunter zu und her wie in einem Bienenstock. «Zum Glück habe ich ein tolles Team, das hinter mir steht.» Und wenn die Hektik einmal überhandnimmt, zieht sich die Businessfrau und Botschafterin des Aargaus in ihre Heimatgemeinde mit 800 einheimischen Bewohnern zurück. «Am Fusse des Piz Ner, im Bergwind, sammle ich frische Gedanken.»

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