Fabienne Huber

Mit einem warmen Lächeln und festen Händedruck begrüsst Remo Hug die AZ-Journalistin und den Fotografen. «Toll, dass es geklappt hat», sagt er. Auch wenn er leicht nervös wirkt, spricht er ruhig und bedacht, mit sanfter und angenehm, weich klingender Stimme. Die schwarzen, perfekt gestylten Haare, die braunen Augen mit dem tiefen, liebevollen Blick und seine schlanke, aber dennoch kantige Statur lassen den jungen Mann sofort sympathisch wirken, sodass man ihn sofort ins Herz schliesst.

Ehrlich, gefühlvoll und offen erzählt er von sich und den Hürden, die er bis zu seinem Coming-Out nehmen musste. «Ich wusste schon immer, dass ich anders bin», beginnt er zögernd. «Schon im Kindergarten habe ich lieber mit den Mädchen Barbie gespielt, als mich mit den Jungs zu raufen.» Erst in der Pubertät aber begann sich Hug konkret zu fragen, was mit ihm los ist. Diese Zeit des Ungewissen sei für ihn eine grosse Belastung gewesen. «Manchmal wünschte ich mir einfach nur, wie alle anderen zu sein», sagt er.

Das Umfeld reagierte positiv

Doch in dem Moment, in dem Hug sich bewusst wurde, dass er schwul ist, sei ihm ein Stein von Herzen gefallen und ein noch grösserer, als die Eltern und die Freunde offen und positiv reagierten. Mit 16 war dann sein offizielles Coming-Out und auch hier machte er positive Erfahrungen. «Nur vereinzelte Mitschüler mieden mich», so Hug.

Dass er sich in einen heterosexuellen Mann verlieben könnte, davor fürchtete sich Hug nie, denn: «Das Schwulenradar gibt es wirklich.» Heute hat sich dieses Thema aber sowieso erledigt, denn seit September letzten Jahres ist er mit seiner grossen Liebe Andreas Hofer verheiratet. Er sei es, der beim Zusammenleben die Männerrolle übernehme. «Ich bin wohl eher die Hausfrau», gibt Hug schmunzelnd zu. So war es auch Hofer, der ihm damals den Antrag machte - Hugs Augen leuchten, wenn er davon erzählt. «Es war total romantisch, mit Blumen und Kerzen», schildert er lächelnd. «Andreas ging sogar in die Knie.»

Vorurteile aufbrechen

Hug fühlt sich als Schwuler gut akzeptiert. Dennoch sieht er in der Schweiz Handlungs- und vor allem Aufklärungsbedarf beim Thema Homosexualität. Wenn er die Mister-Gay-Wahl am 27.März im Zürcher Volkshaus gewinnt, möchte er seinen Teil dazu betragen. «Ich möchte mich dafür einsetzen, dass die Kinder in der Schule über die Homosexualität besser aufgeklärt werden», sagt Hug. «Denn so können Vorurteile gar nicht erst entstehen.»

Dennoch gibt er gerne zu, dass auch er in gewisser Weise «typisch schwul» sei «Ich shoppe unglaublich gerne und liebe es, mit Freundinnen ein ‹Käfeli› zu trinken und den neusten Tratsch zu bereden», erzählt er und lacht. Dazu hat er im Moment aber kaum Zeit, denn jedes Wochenende finden Coachings oder öffentliche Auftritte statt. «Es ist extrem anstrengend und stressig», erzählt Remo Hug. «Doch ich mache viele tolle Erfahrungen und dafür lohnt es sich allemal.»