foto

«Ich bin ein Perfektionist»

Nie genug: Paul Menz wartet geduldig, bis ihm sein Sujet perfekt erscheint. Bei so schönem Wetter zeiht es ihn mit seiner Kamera ins Baselbiet. (Bild: Martin Toengi)

Menz

Nie genug: Paul Menz wartet geduldig, bis ihm sein Sujet perfekt erscheint. Bei so schönem Wetter zeiht es ihn mit seiner Kamera ins Baselbiet. (Bild: Martin Toengi)

Paul Menz hat einen Traum: Eines Tages will er jeden Stock und jeden Stein aller 86 Baselbieter Gemeinden in seinem Fotoalbum verewigt haben.

Muriel Mercier

Paul Menz aus Arlesheim hat sich nie vorgestellt, dass Fotografieren eines Tages zu seiner grössten Passion werden könnte. Das war so nie geplant, betont er bestimmt. Zwar war für ihn das Fotografieren schon immer eine schöne Freizeitbeschäftigung. Er richtete sein Objektiv als junger Vater vor allem auf seine Frau und seine beiden Söhne, auch Landschaftsbilder hatten es ihm angetan.

Heute aber hat das Fotografieren im Leben von Menz eine ganz andere Dimension angenommen. Vor gut einem Jahr nistete sich in seinem Kopf ein Traum ein, der ihn nicht mehr loslässt: Er will alle 86 Baselbieter Gemeinden - von Aesch bis Zwingen - mit seiner Fotokamera ablichten. Zwar hat er das bereits geschafft, aber zufrieden ist er mit seinen 3700 Fotos noch lange nicht: «Jedes Dorf hat viele Facetten.» Überall entdeckt er wieder Details, die er festhalten muss. «Ich bin Perfektionist.» Hinzu kommt, dass der Hobbyfotograf laufend von neuen Ideen überrannt wird, die er den Zeitungen entnimmt.

Der einstige Arlesheimer Primarlehrer hatte sich vorgestellt, seinen Traum in einem Jahr zu verwirklichen. Doch bald musste er merken: «Das ist unmöglich. Es kann sein, dass ich in fünf Jahren noch immer nicht fertig bin. Und wenn ich Glück habe, bin ich dann noch gesund.» Im Frühling und Sommer 2008 zog es Menz an jedem schönen Tag hinaus in die Natur und in die Gemeinden - immer in Begleitung seiner Frau Elisabeth. Die Ausflüge waren anstrengend; Zeit, seine Bilder zu Hause zu beschriften, hatte er nicht. «Manchmal war ich richtig froh, wenn

die Sonne mal nicht schien.» Zu Beginn seiner Ausflüge musste der Himmel wolkenlos sein. Heute sieht er das anders: «Ich versuche, die Situationen so natürlich wie möglich einzufangen. Früher haben mich Autos auf den Bildern gestört. Aber ohne Autos leben die Bilder nun einmal nicht.»

Die Kunst des Fotografierens brachte sich Paul Menz Schritt für Schritt selber bei. Im Jahr 1988 kaufte er sich seinen ersten, 2001 seinen zweiten Computer und lernte, mit dem Internet umzugehen. Zudem eignete er sich das Arbeiten mit dem Programm Photoshop zur Bearbeitung seiner Bilder an. «Das Selbststudium hat mir viel Spass gemacht.» Ziemlich bald war klar: «Ich wollte meinen Computer nicht nur aus Selbstzweck verwenden, sondern anderen Leuten meine Arbeiten zur Verfügung stellen.» Kurzerhand veröffentlichte er sein Wirken auf seiner Homepage zum allgemeinen Gebrauch.

Die Gemeinde- und Landschaftsfotografien stellen nur einen Teil seines Angebotes. Als langjähriger Lehrer führte er mit seinen Fünftklässern Exkursionen durch. Heimatkunde war Menz' Lieblingsfach. Die Wanderrouten zeichnete er auf den entsprechenden Karten ein und stellt auch diese heute seinen Lehrerkollegen im Internet als Lehrmaterial zur Verfügung. «Als Lehrer hat man so viele Unterlagen zuhause. Ich versuche, die damals gemachten Wanderungen auf den neuesten Stand zu bringen.»

Ebenfalls findet man auf Menz' Seite Anleitungen zum Selberherstellen von Holzfiguren. Die Holzschreinerei nämlich ist eine weitere Leidenschaft des Hobbyfotografs. Damit angefangen hat er 1997 nach seiner Pensionierung. In erster Linie stellt er Holzfiguren, -skulpturen und Kinderspielsachen her.

In den letzten sechs Monaten musste Menz seine kleine Schreinerei links liegen lassen. Denn er will seinem Traum, alle 86 Baselbieter Gemeinden bis auf den letzten Ecken und Winkel im «Kasten» zu haben, einen Schritt näher kommen.

Immer nur wohl in seiner Haut ist ihm dabei aber nicht. «Ich habe auch Angst davor, die Erwartungen der Leute nicht zu erfüllen und zu versagen. Ich bin ja kein Profi-Fotograf.» Ausserdem muss er noch lernen in seiner Arbeit zu einem Ende zu kommen. « Ich muss lernen, Bilder loszulassen, auszuschliessen. Ich muss lernen, dass ich nicht alles fotografieren kann.»

Menz bietet seine Ortschaftsbilder den Baselbieter Gemeinden an. Erst kürzlich übergab er seine umfangreiche Arlesheimer Fotosammlung, die mittlerweile aus insgesamt 476 Bildern besteht, der Gemeinde.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1