"Ich bin Bundesinnenminister und werde das Amt weiter ausüben", sagte Seehofer am Montag beim Besuch eines Fahndungs- und Kompetenzzentrums der Polizei in Bautzen. Wie lange er das Innenministerium noch führen will, liess er offen.

In einer internen CSU-Sitzung am Sonntagabend hatte Seehofer nach Angaben von Teilnehmern allerdings deutlich gemacht, beide Spitzenämter im kommenden Jahr abzugeben. Ein neuer Parteichef soll auf einem Sonderparteitag Anfang 2019 gewählt werden. Einen konkreten Zeitpunkt für den Rückzug aus der Bundesregierung liess der 69-Jährige noch offen.

Die CSU ist die Schwesterpartei der CDU von Kanzlerin Angela Merkel. Bei Wahlen tritt sie nur in Bayern, die CDU in den übrigen Bundesländern an.

Als mit Abstand aussichtsreichster Nachfolge-Kandidat für den CSU-Chefposten gilt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder - trotz der schweren Verluste bei der Landtagswahl vor vier Wochen. Der 51-Jährige würde Seehofer dann schon zum zweiten Mal beerben. Erst im März hatte er den Posten des bayerischen Regierungschefs von Seehofer übernommen.

Forderungen nach sofortigem Rücktritt

Beim Koalitionspartner SPD wurde Seehofers Rückzugsankündigung begrüsst. SPD-Vize Ralf Stegner sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wenn Herr Seehofer seine Ämter aufgibt, dann ist das konsequent." Er fügte hinzu: "Dass er Störenfried war in der Koalition seit dem Sommer, das lässt sich nicht bestreiten."

Vielleicht trage der Schritt zu einer Beruhigung bei, so Stegner. Aber er warne vor Illusionen, dass "irgendein Problem, das die SPD hat", durch Personalentscheidungen anderer Parteien gelöst werde. "Unsere Probleme müssen wir schon selber lösen."

Die Grünen forderten Seehofer auf, als Minister sofort zurückzutreten. "Jeder Tag, den Horst Seehofer weiter Innenminister bleibt, ist ein Tag zu viel", sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt dem "Tagesspiegel" (Montag).

Seehofer erklärte, er mache den Weg frei als Parteivorsitzender, um den Weg zur Erneuerung frei zu machen. "Das ist entschieden." Der Zeitpunkt werde in dieser Woche mitgeteilt. "Macht man es sofort? Macht man es erst in zwei Wochen?" Seehofer ergänzte: "Das Amt des Innenministers ist von dieser Entscheidung in keiner Weise berührt."

Seehofer hatte nach dpa-Informationen am Sonntagabend bei Beratungen der engsten Parteispitze deutlich gemacht, dass er ohne den Parteivorsitz auch nicht Innenminister bleiben wolle. Seehofer wurde aus Teilnehmerkreisen dahingehend wiedergegeben, dass nach der Neuwahl eines Vorsitzenden der neue Parteichef die Aufstellung der CSU in Berlin in den Blick nehmen müsse.

Rückzug auf Raten

Der CSU-Politiker zieht mit seinem Rückzug in Raten unter anderem die Konsequenzen aus der schweren Pleite seiner Partei bei der Landtagswahl. Er beugt sich auch dem massiven Druck der eigenen Parteibasis, der schon seit dem CSU-Fiasko bei der Bundestagswahl 2017 immer stärker geworden war.

Seehofer selbst äusserte sich nach Ende der Sitzung am Sonntagabend nicht. Er kündigte aber eine persönliche Erklärung an, die er im Laufe dieser Woche abgeben wolle.

Die CSU war bei der Landtagswahl am 14. Oktober auf nur noch 37,2 Prozent abgestürzt. Weite Teile der Partei machen dafür vor allem Seehofer verantwortlich.

Eigentlich war erwartet worden, dass sich Seehofer erst nach der Regierungsbildung in Bayern zu seiner eigenen Zukunft äussert. In Bayern ist die CSU nach dem Verlust der absoluten Mehrheit nun auf einen Koalitionspartner angewiesen.