Langenthal
Holliger lässt das Unbewusste walten

Der Musiker und Komponist Heinz Holliger ist mit dem Ehrenbürgerrecht der Stadt Langenthal geehrt worden. Er ist erst der Siebte, der sich mit diesem Titel schmücken darf.

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Holliger

Holliger

az Langenthaler Tagblatt

Jana Fehrensen

Buch über seine «sehr normale» Kindheit und Jugend

Aus Heinz Holligers eigenen Erinnerungen, Erzählungen seiner Geschwister und Berichten von Lehrern und Musikfreunden hat die ebenfalls aus Langenthal stammende Musikwissenschafterin Brigitte Bachmann-Geiser die Kindheitsgeschichte des weltberühmten Musikers geschrieben. Das Buch «Heinz. Kindheit und Jugendzeit des Musikers Heinz Holliger in Langenthal» erscheint als Sonderband der «Langenthaler Heimatblätter». Es sei ein Buch zu Ehren eines grossen Zeitgenossen, sagte Bachmann bei der Buchpräsentation. «Vor allem als Oboist hat er ein Instrument zu neuem Leben erweckt.» Die Initialzündung zum Buch war für Bachmann die Arbeit eines Fachkollegen über Mozarts Kindheit. «Da habe ich mir überlegt: Es ist doch naheliegend, die Kindheit eines mir bekannten Künstlers zu erforschen.» Sie habe Holliger ja schon früh kennen gelernt. Die von ihm geschätzte Langenthaler Natur, seine Lehrer und Musikpädagogen seien ihr ebenfalls bekannt. Bereits vor 15 Jahren begann Bachmann, Material über den Musiker zu sammeln. Sie habe bis heute unzählige Fotos erhalten, sagte sie. Natürlich hat sie Holliger um das Einverständnis für dieses Buchprojekt gebeten. «Deine Idee, unsere Langenthaler Kindheit zu beschreiben, die doch - jedenfalls was mich betrifft - sehr ‹normal› war, macht mir teils etwas Bauchweh, teils finde ich sie gut», antwortete Holliger der Autorin. Diese Zeilen sind auch im Buch festgehalten. Durch die vielen Fotos und Episoden sei das Buch zu einem Erinnerungsalbum geworden, so Bachmann. Ebenfalls im Buch enthalten ist eine CD mit unveröffentlichten Aufnahmen aus Holligers Jugendzeit. «Die CD ist ein Glücksfall. Erst war sie im Konzept gar nicht vorgesehen», sagte sie. (tg)

Es war eine bewegende, manchmal lustige, aber immer sehr persönliche Feier, die am Mittwoch anlässlich der Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Heinz Holliger im Hotel Bären stattfand. Gleich zu Beginn wurde den geladenen Gästen klar, dass sie etwas Besonderes erwartet - es hiess, man möge sich etwas gedulden, die Musiker müssten sich einspielen. Es schürte die Hoffnung, dass nicht nur die Musik von Heinz Holliger dargeboten würde, sondern dass auch der Meister selbst unter den Interpreten sei. Und tatsächlich wurde diese Hoffnung nicht enttäuscht.

Inspiration aus intuitiver Sphäre

Nach einem Grusswort des Stadtpräsidenten Thomas Rufener führte die Radiojournalistin Cécile Olshausen das Publikum in ihrer Laudatio in die Musikwelt und das Werk Holligers ein. Sie beschrieb eindrücklich ihre zahlreichen und vielschichtigen Begegnungen mit dem begnadeten Musiker, Dirigenten und Komponisten Heinz Holliger. Sie erwies sich auch als eine ausgezeichnete Kennerin seines musikalischen Werkes und zeigte den Zuhörern seine musikalischen Wurzeln, die auch in Langenthal zu finden sind, auf.

Seine Inspiration schöpft er oft aus der intuitiven Sphäre. In Holligers Musikwelt steht nicht das Wollen zuvorderst, sondern er lässt das Unbewusste walten und nimmt es dankbar an. Dieses Geheimnisvolle und Reine, Unverdorbene war auch im nachfolgenden, 1956 bis 57 komponierten, Liederzyklus zu spüren. Die sechs Lieder, die er seiner Mutter gewidmet hat, basieren auf Christian Morgensterns Gedichten. Es war ein intimer Moment, als er sich ans Klavier setzte und zusammen mit der Sängerin Sylvia Nopper diese Lieder interpretierte.

Ein Oboen-Virtuose

Im Anschluss empfing Holliger die Ehrenbürgerrechtsurkunde aus den Händen des Stadtratspräsidenten Daniel Rüegger. Gewürdigt wurde sein unermüdliches Engagement und die aussergewöhnlichen Leistungen in der Welt der Musik. Gerührt dankte er für die Ehre und erinnerte sich dankbar an seine Kindheit in Langenthal, die für ihn bis heute der Inbegriff der absoluten Freiheit sei. Anschliessend kamen fünf Kinderlieder aus der Feder Holligers mit den Texten von Albert Streich zur Aufführung. Nicht nur durch die verarbeiteten Kindheitserinnerungen, sondern auch durch das Mitwirken des erst siebten Langenthaler Ehrenbürgers erhielten die Kinderlieder etwas Berührendes. Das Quartett in F-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart zeigte nochmals deutlich sein virtuoses Können als Oboist und rundete die musikalischen Darbietungen des Abends ab.

Die Gäste der Ehrenbürgerfeier wurden von der ehrlichen, ungekünstelten Vortragsart buchstäblich mitgerissen und spendeten Holliger stehende Ovationen. Als einen kleinen Dank gewährte Holliger den Zuhörern ein Einblick in sein neustes Opus. Jürg Dähler und Esther Hoppe spielten elf kurze Violinen-Duette für Kinder. Zum Abschluss des festlichen Abends stellte Brigitte Bachmann-Geiser, gespickt mit zahlreichen Anekdoten und Geschichten, ihr Buch vor (siehe Text rechts).

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