Liebes-Affäre
Hollande und die inoffizielle Mätresse: Mehr als nur Klatsch und Tratsch

Die Meldung über eine Geliebte des französischen Präsidenten Hollande wirft Fragen protokollarischer Natur auf. Und politischer. Die Zeiten «französischer Diskretion» über private Eskapaden hoher Politiker sind vorbei.

Stefan Brändle, Paris
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Es kam in letzter Zeit selten genug vor: Frankreich hat wieder einmal Grund, sich zu ergötzen.

Zuerst natürlich an der "Affäre" des französischen Staatschefs mit der 41-jährigen Schauspielerin Julie Gayet. François Hollande (59) soll ihr jeweils mit einem Motorrad in ihrer Pariser Wohnung die Aufwartung machen, berichtet das Klatschheft "Closer".

Aus der siebenseitigen Reportage sticht insbesondere die weltbewegende Information hervor, dass der Leibwächter, der die nächtlichen Ausflüge aus dem Elysée zu eskortieren hat, am Morgen auch die Croissants bringe.
Frankreich erfreut sich aber auch am Umstand, wie Hollandes jüngste Liaison publik wurde. Die Gerüchte darüber sind nicht neu; sie zirkulieren seit Wochen in «tout Paris». Nahrung erhielten sie im Dezember durch einen PR-Auftritt der Schauspielerin Gayet. Nachdem sie schon im Präsidentschaftswahlkampf 2012 für Hollande eingetreten war, pries sie den Sozialisten nun als "formidabel".

Ein neben Gayet sitzender Schauspieler platzte fast vor Lachen und konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen, Hollande liebe offensichtlich das Kino - im Unterschied zu seiner Lebenspartnerin Valérie Trierweiler.
Die Insider verstanden: Die offizielle "Première Dame" Frankreichs, die zuvor schon mit eifersüchtigen Twitter-Kommentaren gegen Hollandes frühere Partnerin Ségolène Royal aufgefallen war, dürfte Gayets ostentativen Sukkurs für Hollande wenig goutieren.

Julie Gayet ist eine in Frankreich bekannte Schauspielerin.
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Die 41-Jährige spielte schon in mehr als 50 Filmen mit.
Ein Leibwächter soll dem Pärchen am Morgen jeweils frische Gipfeli bringen.
Julie Gayet.
Für seine angebliche Geliebte soll Hollande spätnachts mit dem Töffli durch Paris fahren.

Julie Gayet ist eine in Frankreich bekannte Schauspielerin.

Keystone

Kein Dementi aus dem Elysée

Die "geheime Liebe des Präsidenten", wie der Titel der Reportage heisst, wurde vom Elysée gestern nicht dementiert. Hollande liess in einer persönlichen Stellungnahme verlauten, er "bedaure zutiefst die Beeinträchtigung der Privatsphäre" und prüfe rechtliche Schritte gegen das Magazin.
Die übrigen Reaktionen sind reichlich gemischt: Während zahlreiche Politiker über die "Paparazzade" herfallen, wie sie sagen, nimmt es die Öffentlich eher amüsiert. Das sei eine "Herzensangelegenheit eines normalen Präsidenten", meinte der Rundfunkmann Laurent Ruquier in Anspielung auf eine Eigenbeurteilung Hollandes.

Viele ziehen eine Parallele zu Vorgänger Nicolas Sarkozy, der seine Beziehung zu Carla Bruni in einer Neujahrs-Pressekonferenz bestätigt hatte. Hollande stellt sich am kommenden Montag seinerseits den Medien; und wie Sarkozy darf er sich auf die Frage gemacht machen, ob es "ernst" sei.

Francois Hollande unterwegs zu seiner Geliebten.

Francois Hollande unterwegs zu seiner Geliebten.

Twitter/ @Romain AMBRO

Ernst sind aber auch andere Einwürfe

Der Politjournalist Guy Birenbaum meint, die Zeit sei vorbei, als "zwanzig Pariser Journalisten" jahrelang die uneheliche Tochter von François Mitterrand oder die Eskapaden von Jacques Chirac verheimlicht hätten. Es sei "heuchlerisch", jedes öffentliche Interesse am Privatleben des Staatschef in Abrede zu stellen.
In der Tat wirft die Affäre auch eine brenzlige Frage nach dem Statut der offiziellen Gefährtin des Präsidenten auf.

Valérie Trierweiler ist die erste ledige First Lady der Fünften Republik. Dies sorgte bei Staatsbesuchen wie in Japan oder Indien schon für protokollarische Probleme; auch haben Steuerzahler Gerichtsklagen wegen unzulässiger Staatsausgaben für die "Begleiterin" des Präsidenten eingereicht.
Daher Frage, ob Trierweiler nun ein Statut der "maîtresse en titre" behält, das heisst der offiziellen Geliebten, wie dies in Versailles zu Zeiten der Madame de Pompadour üblich gewesen war.

Die andere politisch relevante Frage ist, ob die "Affäre" Hollande eher nützt oder abträglich ist. In Paris wachsen Politiker noch heute eher an ihren "Eroberungen", wie das linke Magazin Le Nouvel Observateur einmal mit Verweis auf den als hochseriös geltenden Ludwig XVI. geschätzt hat: "In der französischen Politik dürfte die eheliche Treue eher ein Handikap sein."
Andererseits weiss Hollande auch, dass sein Vorgänger Sarkozy durch sein People-Gehabe - in Paris "blingbling" genannt - viel Sympathien verspielte. Der rechtsextreme Front National hieb am Freitag gleich in diese Kerbe; sein Vizepräsident Florian Philippot twitterte, dass ausgerechnet am Tag, da das Versandhaus La Redoute hunderte von Angestellten entlasse, bekannt werde, wie sich Hollande in Paris vergnüge. Der König hat in Frankreich alle Rechte - auch dasjenige, an den Pranger zu kommen.