Hirschmann. Vater
Hirschmanns Vater leidet an Krebs

Der Vater von Carl Hirschmann hat Krebs. Das bestätigt eine Quelle aus dem erweiterten Umfeld der Familie Hirschmann gegenüber «a-z.ch».

Vasilije Mustur
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Keystone

Der Haftrichter macht Carl Hirschmann vorläufig zu einem freien Mann. Damit kann sich der Zürcher Clubbesitzer bis zu einem möglichen Prozess um seinen schwer kranken Vater kümmern. Das scheint auch nötig. Wie eine Quelle aus dem erweiterten Umfeld der Familie Hirschmann gegenüber «a-z.ch» bestätigt, leidet Hirschmanns Vater an Krebs im fortgeschrittenen Stadium. «Sein Vater leidet an einer körperlichen, organischen Krankheit. Über die Art des Leidens äussern wir uns nicht in der Öffentlichkeit», sagt Hirschmanns PR-Berater Max Fischer.

Rechtsanwalt und Strafrechtsspezialist David Gibor erklärt auf Anfrage, dass dieser Umstand ebenfalls ein Grund für die Freilassung Hirschmanns sein könnte. «Wenn schlimme Ereignisse eintreten, etwa in der Familie, welche eine besondere Härte für einen Angeschuldigten bedeuten, kann es unverhältnismässig erscheinen, den Gefangenen länger in U-Haft zu halten, weshalb er, allenfalls unter besonderen Auflagen, aus der U-Haft entlassen werden kann.»

Pass bleibt konfisziert
Derweil hat der Haftrichter in Zürich Carl Hirschmann vorläufig freigelassen. Damit leistet der Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Untersuchungshaft keine Folge. Das Gericht begründet den Entscheid damit, dass weder Fluchtgefahr noch Verdunkelungs- oder Wiederholungsgefahr bestehe. «Deshalb wurde auch keine Kaution ausgesprochen», bestätigt Max Fischer - PR-Berater von Carl Hirschmann. Recherchen von «a-z.ch» zeigen denn auch, dass Fluchtgefahr kaum besteht. Letzten November musste Carl Hirschmann im Zuge diverser laufender Verfahren seinen Pass abgeben. Dieser befindet sich laut PR-Berater Fischer immer noch im Besitz der Behörden.

Ausserdem sieht der Haftrichter aktuell keine konkrete Verdunkelungsgefahr, verhängte aber dennoch ein totales Kontaktverbot. «Damit ist es Carl Hirschmann untersagt, direkt oder indirekt über Dritte Kontakt zu den mutmasslichen Opfern aufzunehmen. Sollte Hirschmann dies dennoch versuchen, riskiert er eine sofortige neuerliche Inhaftierung», erklärt Strafrechtsanwalt David Gibor. Indessen könne bei Hirschmann eine hohe Strafempfindlichkeit vermutet werden, weshalb das Risiko eines Verstosses gegen die Auflagen des Haftrichters als gering eingeschätzt werden darf.

Richter verordnet Maulkorb
Das Kontaktverbot ist allerdings nicht die einzige Auflage bei Hirschmanns Freilassung. So verordnete der Richter Carl Hirschmann einen Maulkorb, wie PR-Sprecher Fischer gegenüber «a-z.ch» bestätigt. Der Richter sei der Ansicht, dass ständige Berichterstattung und Spekulationen über die mutmassliche Tat den Verlauf der Ermittlungen stören könnten.

Fall Basel: Hirschmann nicht rechtskräftig verurteilt
Im Gespräch mit «a-z.ch» sagt Rechtsanwalt Gibor, dass er die Argumentation des Richters trotz aller Auflagen nicht vollständig nachvollziehen könne. «Das Verneinen der Wiederholungsgefahr ist nicht ganz unproblematisch». Formal gesehen könne sich der Haftrichter zwar auf den Standpunkt stellen, dass eine Wiederholungsgefahr nicht vorliege, weil diese voraussetze, dass der Angeschuldigte bereits zahlreiche einschlägige Straftaten tatsächlich verübt habe. Dies sei bei Hirschmann jedoch nicht der Fall, da diverse Anschuldigungen, hängige Verfahren, eine frühere Verfahrenseinstellung sowie ein noch nicht rechtskräftiges Urteil tatsächlich bedeuteten, dass die Verurteilung eben noch nicht rechtskräftig sei.

Selbstverständlich könne der Haftrichter in seinem weiten richterlichen Ermessen aber auch anders argumentieren und gegenteilig feststellen, dass angesichts all der bisher bekannten Vorfälle und hängigen Verfahren immerhin doch konkrete Anhaltspunkte für begangene Straftaten bestehen und jedenfalls zu befürchten sei, dass der Angeschuldigte auch weiterhin gleichartige Delikte begeht. «Eine solche Einschätzung des Haftrichters hätte wohl niemanden wirklich überrascht».

Darüber hinaus sorgte der Richter nicht nur mit Hirschmanns Freilassung für Aufsehen. Im Urteil zweifelt der Richter auch daran, dass Hirschmann eines der beiden mutmasslichen Opfer sexuell genötigt haben soll. «Dieser haftrichterliche Zweifel am dringenden Tatverdacht hat für die zuständige Staatsanwaltschaft und für das am Ende in der Sache selber urteilende Gericht jedoch keinerlei rechtliche Bedeutung. Der Haftrichter überprüft auch den Tatverdacht primär nur unter dem Aspekt, ob das Vorliegen der gegenwärtigen Indizien eine Untersuchungshaft rechtfertige, nicht aber, ob Hirschmann schuldig sei.»

Somit könne die Staatsanwaltschaft die Anschuldigung der sexuellen Nötigung in der laufenden Strafuntersuchung weiter verfolgen, auch wenn Hirschmann nicht mehr in U-Haft sitzt und der Haftrichter den Tatverdacht der sexuellen Nötigung anzweifelt. «Die Freilassung Hirschmanns ist kein Freispruch.»

Neurologisches Leiden schwierig zu verkaufen
Es besteht die Möglichkeit, dass die Verteidigung, wie Hirschmann es kürzlich in einer Sendung selber tat, ein neurologisches Leiden Hirschmanns in die Strafuntersuchung einbringt. «Hirschmanns Behauptung einer Krankheit allein reicht für die Annahme einer verminderten Schuldfähigkeit natürlich nicht aus. Dafür ist vielmehr ein unabhängiges forensisches Gutachten nötig, das dieses Leiden und mögliche Krankheitskonsequenzen belegt». Ob eine solche Strategie Erfolg verspricht, ist fraglich, «denn ADHS wirkt sich, soweit bekannt, nicht aggressionssteigernd oder enthemmend aus.»

Sollte ein Gutachten jedoch Auffälligkeiten mit Krankheitswert diagnostizieren, könnte dies gemäss Gibor dennoch Auswirkungen auf die Strafzumessung haben. «So müsste beispielsweise bei verminderter Schuldfähigkeit in mittlerem Grade die Strafe um 50 Prozent reduziert werden, bei einer Verminderung in schweren Grade gar um 75 Prozent.»

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