Carl Hirschmann
Hirschmanns PR-Berater: «Ändere dein Leben, aber sofort!»

Carl Hirschmann entwickelt sich für seinen PR-Berater Sacha Wigdorovits zum Klumpenrisiko. Wie lange spielt er für den Milliardärssohn noch den Ersatzvater? Porträt eines Haudegens, der keiner sein will.

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Sacha Wigdorovits

Sacha Wigdorovits

Keystone

Von Sandro Brotz

Es ist Donnerstag um 11 Uhr und noch keine Nachricht von Carl. In den repräsentativen Räumlichkeiten der Contract Media AG im Zürcher Seefeld schiebt sich Geschäftsführer Sacha Wigdorovits - dunkle Jeans, schwarzes Hemd, viel Gel im Haar - im Bürostuhl leicht nach hinten, weg von der Tischkante. Er richtet sich auf und sagt: «Ich bin jetzt 58 und mache mir keine Illusionen mehr, dass man in einem solchen Fall im Voraus genau weiss, wie es herauskommt.»

Sein Klient Hirschmann sitzt im selben Moment noch beim Haftrichter und für den PR-Berater läuft es nicht gut. Der als Befreiungsschlag gedachte Auftritt bei Tele Züri entwickelte sich zum Rohrkrepierer. Kaum brachte der Clubbesitzer die Schlägerei mit Ex-Mister-Schweiz Sven Melig im Dolder Grand mit neurologischen Störungen in Verbindung, kam für «Tausendsacha» («Weltwoche») die nächste Hiobsbotschaft: Hirschmann, der zehn Prozent seiner Aufträge ausmacht, ist wieder in Haft.

Da macht Wigdorovits, der gelegentlich auch Kritiker einklagt, was er am besten kann - er schiesst zurück: «Weshalb hat sich noch nie ein Journalist gefragt, was das eigentlich für Eltern sind, die zulassen, dass sich die eigene 15-jährige Tochter morgens um vier Uhr in einem Club herumtreibt?» Der Ex-Medienmann («Blick», 20 Minuten, .ch) und die Medien: Diese Beziehung verhält sich in etwa so wie jene vom Nichtraucher zum Raucher. Wigdorovits zitiert Umfragen («Journalisten gehören zusammen mit Investmentbankern zu den unbeliebtesten Berufsgattungen»), referiert über sinkende Auflagen («Zu meiner Zeit als Journalist haben die Medien viel mehr in die Glaubwürdigkeit investiert») und prognostiziert das Ende der Presse wegen Socials Networks wie Facebook - «weil man ihnen mehr vertraut».

Das Gespräch muss zurück auf sein schillerndes Mandat gelenkt werden und führt zu einem Eingeständnis. Wigdorovits bekam selbst von seiner Partnerin Ingrid Deltenre die einfache Frage gestellt: «Warum machst Du das?» Er, der Kunden wie Axpo, die Privatbank BSI oder McDonalds betreut, aber jetzt mit einem kaum steuerbaren Millionärssohn für hämische Kommentare in der Medien- und PR-Branche sorgt.

Warum also, Herr Wigdorovits, machen Sie das? Er spricht davon, dass es ein schwieriges Mandat sei, «aber das ist auch intellektuell reizvoller». Recherchen von «Sonntag», dass drei PR-Agenturen - Hirzel. Neef. Schmid. Konsulenten., Richterich & Partner und Stöhlker AG - den heiklen Auftrag ablehnten, stellt er so dar, als sei er der Sieger: «Da hatte Herr Hirschmann aber Glück.»

Wigdorovits sieht sich als Fighter, der seine Kunden «nicht einfach hängen lässt, wenn sie in der Klemme stecken». Doch grösser kann eine Klemme kaum sein, als jene, in der Partylöwe Hirschmann steckt. Da scheint auch sein Berater langsam die Geduld zu verlieren: «Carl ist ein intelligenter junger Mann und eigentlich ein guter Typ. Ich würde mir wünschen, dass er selber merkt, dass er es echt nicht nötig hat, so zu leben.» Selbst ihm ist klar, «dass man in einer solchen Situation gewisse Sachen nicht macht.» Doch Casanova Hirschmann führt seinen pubertären Eroberungsfeldzug weiter. Wigdorovits würde es nie sagen, aber zwischen den Zeilen wird klar: Er gibt Hirschmann eine letzte Chance, mit ihm als Experten für aussichtslose Fälle den Versuch fortzusetzen, das miserable Image aufzubessern.

Kurz nach 13 Uhr an diesem Donnerstag. Nachricht von Carl. Er ist auf freiem Fuss. Man bringt das Bild nicht aus dem Kopf von einem PR-Berater, der hinter Hirschmann herläuft und die Scherben aufwischt. Dazu die Aufforderung, wie vom Vater an den Sohn: «Hey, ruiniere doch nicht Deine Zukunft, ändere Dein Leben. Aber sofort.»

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