Valérie Trierweiler
«Herzlos und bösartig»: Hollandes Ex rächt sich mit einer «Bombe»

Valérie Trierweiler schlägt zurück: Sieben Monate nach ihrem Rauswurf aus dem Elysée rechnet Frankreichs ehemalige First Lady in einem Buch mit dem französischen Präsidenten François Hollande ab. Auch die politische Wirkung ist verheerend.

Stefan Brändle, Paris
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Valérie Trierweiler Ende Juli in Paris

Valérie Trierweiler Ende Juli in Paris

Keystone

"Merci pour ce moment" (danke für diese Zeit), erscheint in Paris am Donnerstag mit einer Bestsellerauflage von 200 000 Stück. Die französischen Medien, die von nichts wussten, sprechen von einer "Bombe".

Die ehemalige First Lady Valérie Trierweiler beschreibt in dem Buch ihre neun Jahre an der Seite von François Hollande bis zu jenem 25. Januar dieses Jahres, als ihr der Staatspräsident öffentlich den Laufpass gab.

François Hollande und Valérie Trierweiler waren von 2012 bis Anfang 2014 ein Paar
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Heile Welt im Mai 2012
Fast langweilig, ja «ganz normal» seien sie, betonten Hollande und Trierweiler immer. Jedenfalls normaler als das Ehepaar Bruni-Sarkozy.
François Hollande und Valérie Trierweiler
Mai 2013: Die beiden kommen zum Staatsdinner in den Elysee-Palast
Valerie Trierweiler und Präsident Hollande Ende April 2013 in Peking

François Hollande und Valérie Trierweiler waren von 2012 bis Anfang 2014 ein Paar

Keystone

Leben im Epizentrum der Macht

Fürs erste hat der Verlag Les Arènes nur ein paar Auszüge des auf 320-Seiten-Werkes freigegeben. Sie lassen nur erahnen, mit welchem Herzblut die 49-jährige Journalistin ihre Erinnerungen zu Papier brachte – und wie hart ihr Leben im Machtzentrum der französischen Republik war. So etwa, als sie aus der Klatschpresse von der Affäre ihres Lebenspartners mit der jüngeren Schauspielerin Julie Gayet erfuhr.

Ein Auszug: „Ich kann das nicht ertragen, ich stürze ins Badezimmer, packe einen kleinen Beutel mit Schlaftabletten. François ist mir gefolgt. Er versucht, mit den Sack zu entreissen. Ich laufe ins Schlafzimmer. Er packt den Sack, der zerreisst. Die Pillen sind auf dem Bett und dem Boden verstreut. Mir gelingt es, einige zu packen. Ich schlucke, was ich kann, Ich will schlafen, ich will die folgenden Stunden nicht erleben. Ich fühle die Sturmböen, die sich über mich entladen werden, und ich habe nicht die Kraft zu widerstehen. Ich will fliehen. Ich verliere das Bewusstsein."

Die Première Dame von Mai 2012 bis Anfang 2014 verschont weder sich noch ihren Ex-Partner. Sie beschreibt neben ihrem Zusammenbruch auch die öffentliche Erniedrigung, als er per Communique die Trennung bekanntgibt. Danach überhäuft er sie mit SMS - bis zu 29 am Tag.

"Er sagt mir, er brauche mich. Er bittet mich jeden Abend, mit ihm zu essen. Er schreibt mir, ich sei sein ganzes Leben. Glaubt er, was er schreibt? Oder bin ich die letzte Laune eines Mannes, der nicht zu verlieren erträgt? Er sagt mir, er werde mich wiedererobern, als wäre ich eine Wahl."

Vor Trierweiler hatten schon andere First Ladys wie Carla Bruni Interna aus dem Elysée ausgeplaudert. Nie riss eine Partnerin des französischen Staatschefs aber den Vorhang so schonungs- und rücksichtslos zur Seite wie Trierweiler.

Sie beleuchtet auch Hollandes Aufstieg zum Präsidentschaftskandidaten und die berechnende Reaktion auf die Sexaffäre seines Rivalen Dominique Strauss-Kahn.

«Kalt, herzlos, überfordert»

Das Bild, das Trierweiler vom aktuellen Staatschef zeichnet, ist so ganz anders als alles, was man von seiner Person vermutete. Der 60-jährige Sozialist gilt zwar als Zauderer und Unglücksvogel, dem es bei seinen Medienauftritten nicht nur politisch in den Kragen regnet. Aber er geniesst persönlich viele Sympathien als lockerer, jovialer und humorvoller Elysée-Gastgeber.

Trierweiler beschreibt ihre bessere Hälfte hingegen – wie es das Wochenmagazin le point zusammenfasst – als "kalt, herzlos, von den Ereignissen völlig überfordert, kalkulierend und manchmal bösartig".

Einzelne der zynischen Dialoge könnten dem Drehbuch der US-Serie "House of Cards" entstammen. "Brauchst du noch lange, um dich schön zu machen?", fragt der Präsident Trierweiler vor einem Staatsdîner im Elysée. Und als sie bejaht: "Man verlangt ja von dir nichts anderes."

So perfekt die Geheimhaltung und das Timing der Publikation just zur literarischen „Rentrée“ in Paris war, so katastrophal ist die politische Wirkung für den Staatspräsidenten.

Nach einem harten Sommer voller Negativschlagzeilen glaubte François Hollande mit seiner Regierungsumbildung vor einer Woche eine Wende herbeigeführt zu haben. Endlich sollte es bergauf gehen für den schwer lädierten Präsidenten. Doch bei seiner nächsten, bereits anberaumten Pressekonferenz wird er sich aber erneut Fragen zu seinem Privatleben stellen müssen.