Dietikon

Herzchirurg fährt Truck

Studer hat den Wechsel nie bereut.

Studer

Studer hat den Wechsel nie bereut.

Zehntausend Operationen waren für einen der renommiertesten Schweizer Herzchirurgen Markus Studer aus Dübendorf genug. Er wechselte von der Klinik in die Führerkabine eines Schwerlasters.

Christian Murer

Der Herzspezialist Markus Studer hat 25 Jahre in der Klinik operiert und dann radikal die Spur gewechselt: Seit fünf Jahren ist der heute 62-Jährige als Lastwagenchauffeur tätig. Durch ganz Europa ist er seither unterwegs - für ihn ein Stück mehr Freiheit: «Wenn man in der Spitalwelt lebt, lebt man in einer sehr engen und begrenzten Welt, wenn ich aber im Lastwagen sitze, habe ich zumindest halb Europa vor mir.» Für den erfolgreichen Deutschschweizer Herzchirurgen ist sein neues Leben als Brummi-Fahrer «die späte Fortsetzung einer alten Liebesgeschichte». Fernfahrer zu sein, sei seine grosse Leidenschaft aus den Kindertagen.

Und so kaufte sich Markus Studer einen Lastwagen. Seither ist er mit dem 460 PS leistenden Mercedes-Benz Actros unterwegs. «Ich bin die kleinstmögliche Form einer kleinen Firma», sagte er am Freitagabend schmunzelnd in der Dietiker Stadtbibliothek. Als Subunternehmer in Zusammenarbeit mit der spezialisierten Firma Transfood transportiert er flüssige Lebensmittel. «Das bedeutet, dass ich meistens die ganze Woche unterwegs bin.» Das könne er nur machen, weil seine Gattin für seinen neuen Beruf viel Verständnis aufbringe.

Zwei Jahre lang hatte er sich auf seinen neuen Beruf eingestellt und die Führerprüfung der Kategorien C und D absolviert. Er trat den Berufsverbänden bei und bereitete sich intensiv auf seine neue Rolle als Transportunternehmer und Trucker vor. «Am 1. Mai 2003 bin ich dann definitiv zum ‹Meilenfresser› geworden», steht auf dem Umschlag seines Buches mit dem Titel «Vom Herzchirurgen zum Fernfahrer», geschrieben vom Arzt Markus Maeder, der ihn als Beifahrer während zweier Wochen begleitet hatte.

Unter den zahlreichen Gästen in der Dietiker Stadtbibliothek sassen auch ehemalige Herzpatienten und Fernfahrer. Eine Zuhörerin freute sich an den positiven Ausführungen des Referenten und dankte Markus Studer, dass er den Berufsstand des Fernfahrers mit seinem vielfach negativen Image in ein neues positives Licht rückte.

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