Deignerin
Für Cindy Crawford muss Mode im Alltag «praktisch und tragbar sein»

Supermodel Cindy Crawford designt für die Modekette C&A und präsentierte diese Woche ihre Frühling/Sommer-Modelle. Dabei zeigte sich 46-Jährige für einmal ganz nahbar, wie die Frau von nebenan.

Silvia Schaub
Merken
Drucken
Teilen
Supermodel Cindy Crawford designt für C&A
5 Bilder
Die C&A-Chefdesignerin Sara Oakley (l.) im Gespräch mit Supermodel Cindy Crawford
So sehen ihre Kleider aus

Supermodel Cindy Crawford designt für C&A

Olaf Rayermann

Ihr unverwechselbares Markenzeichen kennt selbst die junge Generation, die in den späten 80er-Jahren noch in den Windeln lag. Dieser Leberfleck über der linken Oberlippe hat sich bis heute in den Köpfen eingeprägt und wird automatisch mit Cindy Crawford in Verbindung gebracht. Und: Er macht sie noch immer zur gefragten Frau. Nicht in erster Linie als Model, aber als engagierte Businesswoman - und neuerdings als Designerin. Für die europäische Modekette C&A hat die Kalifornierin eine eigene Kollektion kreiert.

Diese Woche ist sie samt zwei Bodyguards extra aus dem sonnigen Kalifornien ins herbstliche Europa eingeflogen, um ihre Frühling/Sommer-Modelle zu präsentieren. Tatort: eine aufgehübschte Industriehalle im Glamour-affinen Düsseldorf. Die erste Begegnung mit dem Supermodel findet allerdings im Toilettenraum statt. Während man in der Schlange ansteht, flimmert Cindy als Endlosschleife über den Bildschirm. «A day with Cindy» lautet die Überschrift und zeigt das Model, dem einst ein Jahreseinkommen von gegen 10 Millionen Franken zugerechnet wurde, mit wehendem Haar. Dabei trägt die 46-Jährige Jacken und Hosen, die sie in Zusammenarbeit mit dem C&A-Designteam entwickelt hat und die nun als Kollektion ihren Namen tragen.

Cindy-Kopien auf dem Laufsteg

Aber dann startet die Show. Sie wird als Super-Model, Super-Mum und Super-Businesswoman angekündigt und steht dann doch etwas verloren auf dem Laufsteg. Krampfhaft hält sie ein paar Moderatorenkärtchen in der Hand, wirft immer wieder einen Blick darauf, auch wenn sie nur erklärt, wie glücklich sie sei, hier auf dem Laufsteg ihre eigene Kollektion zu sehen. Es sei schon speziell, nun ihre Arbeit zu sehen, an der sie so lange mitgewirkt habe. «Bei jedem einzelnen Teil habe ich überlegt, würde ich das tragen und wann und wo», erklärt Cindy Crawford, gekleidet in selbst entworfenem schwarzen Jumpsuit und Lederjacke.

Schon präsentieren junge Cindy-Kopien mit fast identischer Haarmähne Crawfords Entwürfe auf dem Laufsteg: Röhrenjeans aus beschichtetem Denim, neongrüne Pullis für die hippe Jugend, Biker-Jacken im Leder-Look, schwarzer Blazer und Chiffonbluse für die Frau von Welt. Nur Jupes und Kleider sind auf ausdrücklichen Wunsch der Neo-Designerin keine darunter.

Cindy Crawford
10 Bilder
Cindy Crawford
Cindy Crawford
Cindy Crawford
Cindy Crawford
Cindy Crawford
Cindy Crawford
Cindy Crawford
Cindy Crawford
Cindy Crawford

Cindy Crawford

Nach dem Catwalk-Lauf der Models lächelt Cindy Crawford für die Fotografen, die nun Nahaufnahmen machen dürfen. Ein kurzer Blick auf die Position des Deckenlichts, und sie nimmt sofort den richtigen Standpunkt ein. Das ist der Moment, um sich nur einen Wimpernschlag entfernt von dem Star zu hinzustellen. Crawford präsentiert sich unkapriziös, ist nur dezent geschminkt, die schwarz lackierten Finger- und Zehennägel sind das einzig Wilde an ihr. Und man bekommt dazu einen Gratis-Crashkurs im richtigen Posing: langsam drehen, Dauerlächeln, die Augen von Kamera zu Kamera wandern lassen. Konzentration pur, das Ganze dauert nur wenige Minuten. Zweifellos, sie kanns immer noch. Das Lächeln ist immer noch jugendlich, auch wenn über die Jahre einige Kerbchen auf der Haut sichtbar geworden sind, ihr Gesicht weniger rund ist als früher, die Haare weniger voluminös.

Im anschliessenden Gespräch zwischen Chef-Designerin Sara Oakley und Cindy Crawford vermittelt das ehemalige Model überzeugend, dass auch sie in Jeans und Flip-Flops zum Einkaufen geht, ganz so wie das Zielpublikum von C&A. «Ich liebe es, mich aufzustylen, aber in neunzig Prozent der Zeit bin ich einfach Mutter, Ehefrau und Geschäftsfrau. Da muss die Kleidung praktisch, bequem und tragbar sein.» Glaubt man ihr, ist Mode ohnehin eine Herzensangelegenheit: «Es kommt nicht darauf an, was etwas kostet, sondern, ob man sich darin wohl fühlt, und dass man seinem Stil treu bleibt», spricht sie in die Runde und erntet zustimmendes Kopfnicken.

Cindys Mode zieht

Die Ex-Frau von Schauspieler Richard Gere lebt heute mit ihrem Ehemann Rande Gerber und den Kindern Presley und Kaia in Los Angeles. Hier hole sie sich auf ihre Inspirationen. «Schliesslich ist in Malibu immer Frühling», meint sie lachend. Farben seien ihr deshalb wichtig, aber auch Jeansstoffe in verschiedenen Waschungen. Die 46-Jährige ist freilich für die Entstehung ihrer Kollektion nicht nach Europa gereist. «Wir haben uns bei ihr zu Hause getroffen», verrät Chef-Designerin Sara Oakley. «Das war super-relaxt.»

Für die Modekette C&A hat sich die Kooperation mit Crawford gelohnt. Die ersten Kreationen sind bereits in den Läden. Der Dresscode: smart casual bis easy Style. «Cindy zieht gut», weiss auch Adrienne Strehli, PR-Verantwortliche bei C&A Schweiz, zu berichten. Gerade in urbanen Gebieten sei die Nachfrage nach der Cindy-Crawford-Kollektion gross, auch wenn sie etwas teurer ist.
Den Laufsteg vermisst das Super-Model übrigens überhaupt nicht. «Diese Hektik hinter dem Catwalk, dieses ‹Fertig und los›, das muss ich nicht mehr haben.» Und fügt hinzu: Ich liebe mein Leben, so wie es ist.» Man nimmt es ihr ab - sogar das Einkaufen in Jeans und Flip-Flops.