Allerdings gehe es ihm bei Stellungnahmen nicht allein um deren Wirkung - wer die brauche, solle lieber Zahnarzt oder Chirurg werden. "Ich wüsste nicht, ob ich noch was sagen würde, wenn ich wüsste, dass man auf mich hört. Ich sage etwas, weil ich das Gefühl habe, ich muss das sagen", erklärte der Deutsche der Nachrichtenagentur dpa.

1998 löste Walser beispielsweise bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels mit seiner Kritik an einer "Instrumentalisierung von Auschwitz" eine Debatte aus.

"Da bin ich offenbar bei aller Vorsicht, die ich glaubte, geübt zu haben, über das hinausgeraten, was zu dem Zeitpunkt korrekt gewesen wäre. Ich habe uns in der Gefahr des Lippengebets gesehen und das kritisch beschrieben", sagte der 86-Jährige.

Die momentane Reaktion auf seine Rede sei zwar sehr gut gewesen, später folgte allerdings auch harsche Kritik. "Am schönsten hat es für mich (der Philosoph) Peter Sloterdijk ... in einem Aufsatz geschrieben: 'Die Leute, die dem Walser in der Paulskirche schnell stehend applaudierten, waren sich für wenige Minuten zehn Jahre voraus.' Das ist Verständnis auf höchster Ebene."