Weber war an Demenz erkrankt, lebte aber glücklich in einer Altersresidenz. Dies hatte seine Tochter, Vera Weber, der Nachrichtenagentur SDA im Juli 2017 anlässlich seines 90. Geburtstages erzählt.

Nun ist der Gründer und Ehrenpräsident der Fondation Franz Weber in Bern gestorben. "Ich verliere meinen geliebten Vater sowie meinen Wegweiser im Kampf für eine lebenswerte Welt", wird Webers Tochter in einer Medienmitteilung vom Donnerstag zitiert. "Mein Vater war beeindruckend in seinem Kampfgeist und seiner Aufrichtigkeit. Er war ein grosser Mann. Er hatte vor nichts Angst. Und er lehrte mich, mutig zu sein", fügte Vera Weber am Donnerstag auf Anfrage hinzu.

Franz Weber wurde am 27. Juli 1927 in Basel geboren. Mit 22 Jahren zog es ihn nach Paris, wo er Linguistik und Philosophie studierte und Künstler wie Jean Cocteau, Eugène Ionesco, Jacques Brel, Charles Aznavour, Jane Fonda und Brigitte Bardot kennenlernte. Mit Letzterer kämpfte er später für die Rettung von Robbenbabys. Als Journalist bereiste Weber für verschiedene deutsche und schweizerische Wochenzeitungen und Illustrierten die Welt und schrieb Reportagen über gefährdete Natur- und Baudenkmäler.

Erweckungserlebnis im Engadin

Sein Erweckungserlebnis hatte Weber laut seiner Tochter im Jahr 1965 in Surlej bei Silvaplana. Der Weiler mit dreissig Menschenseelen sollte in eine Stadt mit 25'000 Einwohnern verwandelt werden. Die Empörung über das Projekt machte den damals noch in Paris lebenden Journalisten zum ersten Umweltschützer der Schweiz, wie es in der Mitteilung heisst. Weber organisierte eine Medienkampagne und trieb das nötige Geld auf, um für das Bauprojekt unerlässliche Grundstücke zu erwerben und diese mit einem Bauverbot zu belegen.

Die Rettung von Surlej stand laut der Fondation Franz Weber am Anfang von 150 Kampagnen zur Rettung von Tieren, Landschaften und Kulturdenkmälern. Mit seinen Kampagnen, Aktionen und Initiativen rettete er unter anderem die Gärten von Lausanne-Ouchy vor einem Autobahn-Zubringer, das Weingebiet Lavaux vor der Verschandelung von Bauprojekten und die Donau-Auen vor einem Wasserkraftwerk. Als weitere Meilensteine gelten sein Einsatz gegen den Elfenbeinhandel und die Rettung des Grandhotels Giessbach über dem Brienzersee.

Nicht von allen geliebt

In Montreux und Umgebung, wo er viele Jahre mit seiner Frau Judith und der Tochter lebte, wurde Weber nicht immer gerne gesehen. Das zeigte sich exemplarisch am Weinbaugebiet Lavaux: Mit insgesamt drei Volksinitiativen setzte sich der gebürtige Basler für den Schutz des Weinbaugebiets ein. Die ersten beiden wurden 1977 und 2005 angenommen - auch deshalb gehört das Lavaux am Genfersee heute zum Unesco-Weltkulturerbe.

Für die Region blieb der stets elegant gekleidete Umweltschützer jedoch ein rotes Tuch, und seine dritte Lavaux-Volksinitiative wurde 2014 von der Waadtländer Regierung und den Winzern an allen Fronten bekämpft - zu rigoros erschienen ihnen die Forderungen. Weber erlitt eine Abstimmungsniederlage und erreichte mit dem angenommenen Gegenvorschlag dennoch einen Teilsieg.

Virtuos im Umgang mit Medien

Ein grosser Sieg für die Fondation Franz Weber war 2012 die Annahme der Volksinitiative zur Begrenzung des Zweitwohnungsbaus. Bei seinen Kampagnen wusste er stets - wie mit Brigitte Bardot in den 70er-Jahren als Aushängeschild gegen die Robbenjagd in Kanada - auch die Medien einzuspannen.

Die 44-jährige Tochter Vera übernahm nach und nach die Geschäfte der Fondation Franz Weber, weil ihr Vater nicht mehr die Kraft dazu hatte. "Dennoch wollte er die Galionsfigur bleiben", sagte sie.

Eine öffentliche Gedenkfeier soll Anfang Sommer im Grandhotel Giessbach stattfinden.