Interview
Florian Ast: «Ich glaube immer noch an die ewige Liebe»

Florian Ast möchte (37) nach der Trennung von Francine Jordi wieder eine Beziehung. Erstmals kann sich Ast vorstellen, Vater zu werden. Der Sänger deutet zudem auch sein baldiges Karriereende an.

Stefan Künzli
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Florian Ast überlegt, wie es mit der Karriere weitergehen soll

Florian Ast überlegt, wie es mit der Karriere weitergehen soll

Katrin Haunreiter

Wieso treffen wir uns hier?

Florian Ast: Als mich Francine rauswarf, wusste ich nicht wohin. Deshalb habe ich eine Zeit lang hier im Hotel Krone in Sarnen gewohnt, wo ich die Leute gut kenne. In dieser Region habe ich auch mein Studio und wohne jetzt auch hier.

Wie geht es Ihnen heute?

Mir geht es wieder sehr gut. Ich habe mich in die Arbeit gestürzt und das gemacht, was ich am liebsten mache: Komponieren und Musik machen. Dadurch habe ich Abstand zu der Sache mit Francine Jordi gewonnen, die mir schon stark zugesetzt hat. Es war auch sehr anstrengend, weil ich ja noch zügeln musste.

Gehen ab sofort getrennte Wege: Francine Jordi und Florian Ast. HO
4 Bilder
Beim Duett hat es gefunkt: Florian Ast und Francine Jordi.
Können sich vorerst nicht mehr in die Augen schauen: Florian Ast und Francine Jordi (Archiv)
Francine Jordi und Florian Ast bei «Benissimo»

Gehen ab sofort getrennte Wege: Francine Jordi und Florian Ast. HO

Bei vier von elf Ihrer Songs auf dem neuen Album «Flöru» wird man unweigerlich an die Geschichte mit Francine Jordi erinnert. Sind Ihre Erlebnisse mit Francine zu Songs geworden?

Sicher kann man meine Situation in die Texte hineininterpretieren. Fakt ist aber, dass ich die Songs vor der Geschichte mit Francine geschrieben habe. Der Weg zum Album hat Jahre gedauert. In dieser kurzen Zeit hätte ich das gar nicht machen können.

«I ha alles falsch gmacht, as mer no cha. Ha keini Souereie usglah», singen Sie oder «Mis Läbe isch ke gradi Strass. I ha nie alles perfekt gmacht.» Das hat also keinen realen Bezug?

Natürlich haben meine Songs auch biografische Bezüge. Sie spielen aber nicht direkt auf diese Geschichte an. Das würde ich nie machen. Ich finde es auch nicht korrekt, wie unsere Geschichte in den Medien breitgewalzt wurde. Und wenn man es genau analysieren würde, würde man merken, dass ich kaum je etwas über unsere Beziehung gesagt habe. Ich selber erzähle nicht gern private Dinge.

Aber es ist doch eine Ihrer Stärken, dass Sie die Medien für Ihre Sache nutzen?

Ja, schon. Das gehört zum Business, obwohl ich diesen Teil eigentlich gar nicht mag. Aber mir ist eine Geschichte noch nie so aus dem Ruder gelaufen wie diese. Es waren halt zwei Prominente involviert. Die Geschichte hat dadurch eine Eigendynamik entfaltet, die absolut unverhältnismässig war. Wir wurden ständig von Paparazzi belagert. Auch heute noch stehen Fotografen vor meinem Studio bereit. Das ist wie in Hollywood. Man glaubt es kaum, dass das hier in der Schweiz möglich ist. Wenn ich spazieren gehe, lauern sie mir auf und rennen mir hinterher. Oder dann wird bei mir zu Hause einfach mal eine TV-Kamera aufgestellt, Nachbarn werden belästigt. Grauenhaft! Horror!

Francine war die Plaudertasche.

Ich verstehe bis heute nicht, weshalb Francine damit zum «Blick» gegangen ist. Weshalb hat sie nicht auf mich gehört? Ich wollte eine Medienmitteilung machen, wie es Seal und Heidi Klum gemacht haben. Das wäre für beide viel besser gewesen. Aber sie war wohl im Moment zu aufgewühlt und zu sehr verletzt. Was ich ja auch akzeptieren und ihr nicht übelnehmen kann.

Hat die gemeinsame Bühnenkarriere die private Beziehung erschwert?

Sie hat sie sicher nicht einfacher gemacht. Es waren ja nicht nur die anderthalb Stunden auf der Bühne. Wir haben alles selber organisiert, weil fast niemand uns buchen wollte.

Wie bitte?

Ja, wir haben fast alle Konzerte selber organisiert. Niemand hat an den Erfolg von Florian und Francine geglaubt. Aber das kannten wir ja, das war schon bei der «Träne» so. Niemand wollte den Song spielen. Das alles zu organisieren, war aber sehr zeitaufwendig.

Wäre Eure Geschichte anders verlaufen, wenn Ihr nicht zusammen auf der Bühne gestanden hättet?

Das glaube ich nicht.

Sie haben zwei Frauen betrogen – können Sie überhaupt treu sein?

Ich war vorher acht Jahre mit meiner Frau zusammen und hatte in 37 Jahren zwei Beziehungen, die medial öffentlich waren. So schlecht ist das auch nicht. Da gibt es Männer, die viel mehr Frauen hatten. Aber ich schwöre, es wird eine dritte Frau in meinem Leben geben. Denn ich will nicht allein sein und glaube immer noch an die grosse Liebe.

Ist Ihre dritte Frau, Sol Romero, nicht schon da?

Ich hoffe es fest. Wir arbeiten zusammen und haben es gut. Sicher ist, dass ich wieder eine Beziehung möchte. Eine, die ewig hält. Dazu muss man aber auch die richtige Partnerin haben. Aber zum ersten Mal könnte ich mir vorstellen, Vater zu werden.

Mir wurde zugetragen, dass Sie mit Sol Romero in Luzern einkaufen waren und sehr verliebt gewirkt hätten.

Ja, sie war hier und ich war auch wieder bei ihr in Los Angeles. Aber ich möchte mich jetzt auf mein neues Album konzentrieren und auf die Arbeit mit ihr. Ein englisches Album zu produzieren, ist eine grosse Herausforderung für mich. Das Album braucht noch viel Zeit. Es könnte ja sein, dass Sol nicht auf mich als Songwriter und Produzent beschränkt ist...

Haben Sie Francine seither wieder gesehen?

Nein, nur in den Medien.

Ist Scheidung von Ihrer Frau Esther ein Thema?

Scheidung wird zum Thema werden. Es war auch für sie eine schwierige Situation. Ich möchte aber, dass es ihr gut geht und dass sie glücklich ist. Dazu möchte ich mein Möglichstes beitragen. Wir haben ein Superverhältnis und teilen uns Sir Paul.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen die Geschichte mit Francine geschadet hat?

Jene, die mich kennen und mögen, werden mich nicht verurteilen. Jene, die mich noch nie mochten, haben jetzt die Gelegenheit erhalten, um so richtig auf mir rumzuprügeln. Die einen mögen mich, die andern können mich. Ich habe einen «Seich» gemacht und mich dafür entschuldigt. Mehr kann ich nicht tun. Man muss auch die Relationen behalten. Fast jeder Dritte in der Schweiz geht irgendwann fremd, und zu einer solchen Geschichte gehören immer zwei, sie kommt nicht von heute auf morgen. Ich bin nicht der Casanova der Nation, bin nicht sexsüchtig und stehe auch nicht auf One-Night-Stands.

Flöru baut doch auf das Image des Schlitzohrs, des Lausbuben.

Ja, das stimmt ja schon und mag so sein. Aber es ist nur die eine Seite. Es gibt auch Flöru, den Romantiker, den Balladenschreiber, der immer noch an die ewige Liebe glaubt. Aber diesen Flöru wollen viele gar nicht sehen.

Im Song «Mundartmusig» lernen Sie eine Frau kennen, die – ohne zu wissen, wer ihr gegenübersitzt – über Florian Ast herzieht. Haben Sie das Gefühl, dass Sie oft falsch eingeschätzt werden?

Ja, bei vielen Leuten gelte ich als eingebildet und arrogant. Viele schliessen von Songs wie «Sex» auf meine Person, was natürlich völlig absurd ist. Oder auf dem Cover von «Flöru» posiere ich als Muskelprotz. Ich finde das einfach «geil» und lustig. Ich liebe es, zu karikieren und ironisch zu provozieren. Wie auch in der Single «Bundesrat», in dem ich zum Bundesrat gewählt werde. Das alles hat aber nichts mit meiner Person zu tun. Aber das verstehen offenbar nicht alle.

«Bundesrat» hat Hit-Potenzial. Wie sind die Reaktionen?

Die ersten Reaktionen sind gut und ich denke, die Formatradios und ihre Musikredaktoren werden das Potenzial im Song erkennen. Falls das nicht klappt, ist es wichtig, dass man einen Plan B hat.

Und wie sieht der aus?

Ich werde Bundesrat (lacht).

Sind Sie ein politischer Mensch?

Ich bin parteilos, aber sehr interessiert. Die Politik sollte sich mehr an der Sache orientieren, statt an den Parteien. Deshalb sollte auch der Bundesrat vom Volk gewählt werden. Dann wäre es auch für mich einfacher, gewählt zu werden.

Zuerst wollen Sie es aber mit der Musik probieren. Wollen Sie wieder weg vom volkstümlichen Genre?

Was heisst hier weg, ich war nie dort.

Aber man hat Sie im Duett mit Francine Jordi in diese Schublade gesteckt.

Ich finde, dass «Lago Maggiore» gar nichts mit Schlager oder Volkstümlichem zu tun hat. Ausserdem: Volksmusik ist Popmusik und ich stehe auf Popmusik. Das waren Pop-Balladen, die von der bekennenden Schlagersängerin Francine Jordi und mir interpretiert wurden. Beim Stichwort Schlager rümpfen in der Schweiz die selbst ernannten «Coolen» die Nase. Dabei gibt es viel qualitativ hochstehende Schlager und Francine singt viel besser als die meisten Pop-Sängerinnen. Mühe habe ich höchstens mit den Heile-Welt-Texten.

Wenn Sie vom «Musikantenstadl» angefragt würden, den «Bundesrat» zu singen – würden Sie es machen?

Aber sicher. Das ist eine Mega-Show, zehn Millionen Zuschauer. Stellen Sie sich vor: Wie frech wäre das, mit dem Bärndütsch vorgetragenen Song am «Musikantenstadl» aufzutreten. Das Problem ist ja: Ausser «Happy Day» gibts am Schweizer Fernsehen, mit einigen Ausnahmen, keine Formate mehr für Schweizer Musiker. Radios und Regionalzeitungen sind noch die einzigen, die Musik abhandeln.

Wieso hatte denn der Ringier-Konzern das Quasi-Monopol auf Francine Jordi und Florian Ast? Gab oder gibt es Abmachungen?

Es gibt keine Exklusiv-Deals oder Abmachungen. Auch bei Francine nicht. Zur SMS-Affäre wollte ich einfach keine Stellung beziehen. Ich habe nur einmal reagiert, weil man mir vorwarf, dass ich Francine verspottet hätte. Was ich mit «Blick» und Ringier abschliesse, sind Medienpartnerschaften. Das heisst: Für mein Album und meine Konzerte werden Inserate geschaltet. Die Medienpartnerschaft hat aber auch Auswirkungen auf den redaktionellen Teil. Das ist aber für mich die eine gute Möglichkeit, dass in den Ringier-Blättern auch über meine Musik geschrieben wird.

Böse Zungen behaupten ja, die ganze Geschichte von Francine und Flöru sei inszeniert gewesen. Orchestriert und angeheizt von Ringier und «Blick».

Vor allem mir wurde vorgeworfen, dass ich alles gesteuert hätte. Aber das stimmt nicht und würde ich nie machen. Wie blöd wäre das denn? Es ging schliesslich um Ehen. Die Schweiz ist viel zu klein und zu engmaschig, als dass das funktionieren würde. Aber zugegeben: Es ist schon auffällig, dass unsere Liebe mit dem gemeinsamen Projekt begann und mit dem letzten Konzert aufhörte. Zufall oder Schicksal.

Das Album schliesst mit «Fertig Schluss!». Einem Song, der Ihr Karrierenende thematisiert. Wie müssen wir das verstehen?

Jetzt erscheint das Album und ich bin sehr gespannt, wie die Leute auf das Album reagieren. Dann gehe ich auf Tournee. Danach muss ich mir schon genau überlegen, wie meine Karriere weitergehen soll. Will ich weiterhin so stark im Fokus der Medien sein? Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, doch die Auswüchse des Boulevards werden auch hierzulande immer schlimmer. Ich werde immer Musik machen, aber künftig vielleicht weniger als Sänger und Interpret, sondern nur noch als Produzent. Wenn ich dieses Standbein noch ausbauen kann, sehe ich meine Zukunft eher als Produzent.

Haben Sie als Sänger und Bandleader keine Träume mehr?

Doch, ich möchte auf die Titelseite des «Sonntags». Ach ja, und ich möchte noch einmal am Argovia Fäscht vor 50000 Leuten spielen. Ich durfte das schon einmal erleben. Es war einfach genial. Das wäre ein toller Abschluss meiner Karriere!