«Fiat Lux»-Oberhaupt
Ewiges Leben für Uriella: Lässt sich die Sektengründerin in Russland einfrieren?

Sektengründerin Uriella ist schwer krank. Nun ist das Gerücht zu hören, sie wolle sich nach ihrem Tod in einem Stickstofftank einfrieren lassen.

Sacha Ercolani*
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So kennt man Uriella, die sich selbst für das Sprachrohr Gottes hält. Ein Bild aus dem Jahr 1999. DPA/KEY

So kennt man Uriella, die sich selbst für das Sprachrohr Gottes hält. Ein Bild aus dem Jahr 1999. DPA/KEY

Auch wenn sie sich seit Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigt: Uriella (89) lebt. Die Sektengründerin ist jedoch schwer krank und leidet laut der Zeitschrift «Glückspost» unter der Nervenkrankheit ALS. Eine Krankheit, die den Körper langfristig bewegungsunfähig macht. Geistig aber sei das Oberhaupt von «Fiat Lux» fit, sie werde in ihrer Wahlheimat im deutschen Ibach rund um die Uhr von Pflegerinnen betreut. Über die Festtage verbreitete ein ehemaliges Sektenmitglied folgendes Gerücht: Erika Bertschinger-Eicke alias Uriella wolle sich nach ihrem Ableben sofort von einem Kryonik-Unternehmen bei minus 196 Grad Celsius in einem Stickstoffstank einfrieren lassen.

Die Anhänger der Technik setzen darauf, dass irgendwann einmal, wenn die Wissenschaft viel weiter als heute ist, ihr Körper aufgetaut und wieder zum Leben erweckt werden kann – und in diesem Fall ALS und andere Krankheiten therapierbar sind. Bei der sogenannten Kryokonservierung wird der Körper nicht nur eingefroren. Das Blut wird kurz nach dem klinischen Tod durch eine spezielle Kühlflüssigkeit ausgetauscht – so will man Zellschäden verhindern. Schon seit den Sechzigerjahren tüfteln Pioniere wie der US-Amerikaner Robert Ettinger an der Kryonik. Er gründete in der Nähe von Detroit das Cryonics Institute. Bereits 1967 wurde mit dem Psychologieprofessor James Bedford der erste Mensch nach seinem Tod eingefroren und konserviert.

Zudem bietet in den USA auch Alcor die Konservierung von Toten an. Bei dieser Gesellschaft müssen Kryoniker zu Lebzeiten Mitglied werden. In Russland lagert das kommerzielle Unternehmen Kriorus etliche tote Optimisten in Stickstofftanks. Die Kosten bewegen sich zwischen umgerechnet 30 000 und 150 000 Franken. Auch das Einfrieren von einzelnen Organen oder nur des Kopfes ist möglich.

Drohende Apokalypse

Uriella, die in der Schweiz geboren wurde, hat mir ihrer Sekte viel Geld verdient und kann sich die Kosten für die Einfrierung locker leisten. Sie bezeichnet sich als «Sprachrohr Gottes». Die Mitglieder von Fiat Lux (lateinisch für «Es werde Licht») erklären sich bereit, auf alles Weltliche zu verzichten. Sie kleiden sich ganz in Weiss, dürfen nur noch Rohkost essen, Sex ist tabu. Wer sündigt, dem droht das Fegefeuer. Zu den besten Zeiten hatte die Sekte über tausend Anhänger. Heute sind es noch rund hundert. Uriella war Stammgast in Talkshows von RTL, Sat 1, Tele Züri und dem Schweizer Fernsehen, füllte Zeitungsspalten im «Blick» genauso wie bei «Bild». Immer dabei: Ehemann Icordo (bürgerlich Eberhard Eicke). Zusammen erzählte das stets in Weiss gekleidete Paar von der drohenden Apokalypse und von Raumschiffen, die ihrer Glaubensgemeinschaft die Rückkehr auf den gereinigten Planeten Amora ermöglichen. Wird Uriella in vielen hundert Jahren wieder leben?

Die Ideen der Kryoniker seien «Science- Fiction», kritisiert Medizinethiker Eckhard Nagel in der «Welt». Zwar könnten mittlerweile Organe gekühlt über mehrere Stunden konserviert werden. «Aber wir reden hier von Stunden, nicht von Jahrhunderten.» Für ihn seien die Stickstofftanks nichts weiter als eine andere Form des Begräbnisses.

Auf Anfrage bestätigt «Fiat Lux», dass Uriella noch lebt. Zu Einfrierungs-Plänen will die Sekte keine Stellung nehmen.

*Mit diesem Artikel verabschiedet sich Sacha Ercolani nach zehn Jahren von den Leserinnen und Lesern der «Schweiz am Wochenende». Wir danken ihm für seine engagierte Arbeit.