Späte Eltern

Elton John und die Gebärmaschine

Elton John und David Furnish (Archiv)

Elton John und David Furnish (Archiv)

Ist die Vaterschaft von Elton John moralisch vertretbar? Sollen Homosexuelle und Menschen über 50 noch Eltern werden?

Es dürfte das schönste Weihnachtsgeschenk für Elton John und David Furnish gewesen sein: Das Ehepaar hat am 25. Dezember einen Sohn bekommen. Ausgetragen wurde der kleine Zachary Jackson Levon Furnish-John von einer Leihmutter. Der Popstar zeigte sich überwältigt. Welcher der Väter der biologische Erzeuger ist, ist noch geheim. Ebenso wieviel Honorar die Leihmutter für ihren Neunmonats-Job bekommen hat.

Homosexuell, schon etwas angejahrt, Leihmutterschaft und ein Vermögen von 215 Millionen Euro - die Elemente dieser Geschichte hat alles, was die Menschheit aufregen kann.

Auch wenn Homosexualität und Leihmutterschaft mittlerweile zum alltäglichen Klatsch-und-Tratsch-Rauschen gehören - auch Sarah Jessica Parker, Dennis Quaid und Ricky Martin haben austragen lassen -, sorgt Elton Johns spätes Vaterglück für mitunter heftige Reaktionen: Neben der Wiederholung der Bedenken des ukrainischen Familienministers (zu alt und zu schwul) erregt die Leihmutterschaft die Gemüter: die Interpretation, dass Frauen gegen Geld ein Kind austragen. Das sei «pervers», Frauen würden zu «Gebärmaschinen», das Kind zur «Ware», empören sich Leser. Nur die Debatte um im Kanton Aargau wohnhafte Schweizerin, die mit 64 Jahren zum ersten Mal Mutter wurde, hat eine ähnlich grosse Diskussion verursacht.

Kinder aus Regenbogenfamilie sind nicht «gestört»

Zumindest das Argument «homosexuelle Eltern» kann wissenschaftlich widerlegt werden. Laut einer Studie der Universität Bamberg, der weltgrössten Studie  zu diesem Thema (in der schweiz gibt es dazu überhaupt keine Forschung), erleiden Kinder mit homosexuellen Eltern keine Nachteile im Vergleich zu Heranwachsenden aus klassischen Familien.

Anders dagegen bei der Leihmutterschaft. Sie ist in der Schweiz (wie auch in Deutschland) verboten. Das Kind würde durch Leihmutterschaft zur Ware - ein Verstoss gegen die Menschenwürde. Allerdings führt das dazu, dass Menschen, die ihr Glück im Uterus einer fremden Frau sehen, auf das Ausland ausweichen. Unter anderem in den USA, in Griechenland, den Niederlanden und Israel sind Leihmutterschaften erlaubt. Da ist es nur noch eine Frage des Willens und der Organisation - und des Geldes.

Zwiespältig diskutiert wird das Thema Alter. Naheliegend ist die Argumentation, sehr ältere Eltern seien egoistisch, weil sie das Heranwachsen ihrer Kinder altershalber gar nicht mehr erleben würden. Andere wiederum stellen Liebe und Zuneigung über alles. Schliesslich gebe es auch überforderte junge Eltern. Oder finanziell schwache Eltern, die ganztags arbeiten und das Kind vor dem Fernseher parkieren.

Vielleicht war die Sache mit Eltons Kind ja auch einfach nur die Trotzreaktion eines Stars. 2009 wollte der erfolgreichste UK-Popmusiker in einem ukrainischen Kinderheim für HIV-positive Waisen einen klienen Jungen adoptieren. Doch der ukrainische Familienminister liess ihn nciht. Begründung: Zu alt und zu schwul.

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