Ice Bucket Challenge
Eiskübel-Spenden sollen umstrittene Tierversuche finanzieren

Die «ALS Ice Bucket Challenge» ist der Hype auf Facebook. Wie so oft jedoch, hat auch dieser Hype seine Schattenseiten, über welche nun rege diskutiert werden.

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Reece Witherspoon wartet nervös bis sie vom Eiswasser überschüttet wird.
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Ice Bucket Challenge
Natürlich darf auch Mark Zuckerberg nicht fehlen. Der Facebook Gründer erfüllt die angenommene Challenge.
Die Toronto FC Fan Gemeinde schliesst sich dem Hype an.
Sogar die Tierwelt muss sich an der Challenge beteiligen: Der Elefant Nelly aus dem Serengeti Park in Hodenhagen in Deutschland bekommt einen Kübel Wasser über den Kopf.
Lady Gaga überschüttet sich mit Eiswasser aus der Silber Schüssel.

Reece Witherspoon wartet nervös bis sie vom Eiswasser überschüttet wird.

Instagram Reece Witherspoon

Seit Wochen kippen sich Promis, Politiker und andere Leute rund um den Globus kübelweise Eiswasser über den Kopf und stellen Videos davon ins Netz. Doch die «Ice Bucket Challenge», wie sie in der Web-Community genannt wird, sorgt nicht nur für grosse Heiterkeit. Sie schafft weltweite Aufmerksamkeit für eine seltene, aber schwerwiegende Nervenkrankheit: Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, wie die «Schweiz am Sonntag» heute berichtet. Ins Leben gerufen wurde die «Mutprobe» vom selber an ALS erkrankten Baseball-Star Peter Frates, welcher sich für die ALS-Forschung engagiert.

Doch auch dieser Hype hat seine Schattenseiten: Der Verein Ärzte gegen Tierversuche erhebt schwere Vorwürfe gegen die Internetaktion und ruft alle Eiskübel-Kandidaten auf, kein Geld mehr für die ALS-Forschung zu spenden, denn mit dem gespendeten Geld von mittlerweile rund 90 Millionen US-Dollar, werden grausame und sinnlose Tierversuche finanziert. Gene von Labormäusen würden so manipulieren, dass sie ähnliche Symptome wie Patienten mit der degenerativen Nervenkrankheit aufweisen. Die Tiere würden folglich unter fortschreitenden Lähmungen leiden und qualvoll sterben.

Die Tiermodelle der ALS-Forschungsmethoden bezeichnet der Ärzteverein als Fehlgriff. Trotz jahrzehntelanger Tierexperimente seien bislang nur ein Dutzend Wirkstoffe, die bei Mäusen die Symptome linderten, in klinischen Studien am Menschen getestet worden. Weil Mensch und Tier aber unterschiedlich auf Substanzen reagieren, hätten – bis auf einen Wirkstoff – alle versagt. Darum fordert der Ärzteverein von den ALS-Verbänden, tierversuchsfreie Tests mit menschlichen Zellen, Computersimulationen, Biochips und Patientenstudien einzusetzen.

Gemäss «Schweiz am Sonntag», wehrt sich Markus Weber, Gründer der ALS-Klinik in St. Gallen und leitender Arzt des Muskelzentrums, gegen die harsche Kritik des deutschen Vereins. Er bezeichnet die Mitteilung des Vereins Ärzte gegen Tierversuche als überaus tendenziös. «Es ist falsch, dass in der ALS-Forschung nur auf Tierversuche gesetzt wird. Genauso werden auch klinische Untersuchungen mit Menschen als Probanden durchgeführt», erklärt der Forscher. Tests mit menschlichen Zellen seien aber nur sinnvoll, um Erkenntnisse im mittleren und späten Stadium des Krankheitsverlaufs zu gewinnen. «Wichtig ist aber insbesondere, was am Anfang der Nervenkrankheit passiert, und das kann nur durch Tierversuche nachgewiesen werden.»

Den Vorwürfen, dass sich menschliche und tierische Versuchsobjekte in ihren Reaktionen auf verabreichte Substanzen wesentlich unterscheiden, stimmt Weber teilweise zu. Er erklärt aber auch, dass sich Grundlagenforscher einig sind, dass die Tierversuchsforschung nach wie vor die geeignetste Methode sei, um ein Krankheitsbild besser zu verstehen. «Grundlagenforschung ohne Tiere ist illusorisch – egal in welchem Bereich», so der ALS-Forscher. In der St. Galler Klinik wird übrigens nicht mit Tierversuchen geforscht.