Wynau

Ein Pendler zwischen Kunst und Kommerz

Augenblick: Fotograf Luca Christen betrachtet die Welt durch die Kamera mit speziellen Augen. (Bild: Urs Lindt)

Luca

Augenblick: Fotograf Luca Christen betrachtet die Welt durch die Kamera mit speziellen Augen. (Bild: Urs Lindt)

Fotograf Luca Christen pendelt zwischen Berlin und Wynau. Aber auch zwischen Kunst und Kommerz. Ein Porträt.

Irmgard Bayard

«Bei mir läuft noch immer vieles über Kontakte, Publikationen und Vitamin B», gibt Luca Christen unumwunden zu. Er sagt aber auch: «Wenn man etwas will, dann schafft man es auch.»

Der 25-jährige Wynauer ist Fotograf, stellt seit 2003 durchschnittlich dreimal im Jahr seine Bilder aus und gewinnt ab und zu Preise - zuletzt einen Nachwuchsförderpreis der Vereinigung fotografische Gestalter (VfG), Zürich. Darüber freut er sich. «Das ist eine positive Reflektion meiner Arbeit.»

Christen ist aber auch Pendler - zwischen Berlin und Wynau, zwischen Kunst und Kommerz. Nach Berlin ist er durch seinen Mentor Jan von Holleben, einem bekannten deutschen Fotografen, gekommen. Auf ihn ist er im Internet gestossen. «Ich habe ihn gebeten, meine Arbeiten zu beurteilen. Er hat sie dann auch ziemlich kritisiert - aber konstruktiv», erzählt er.

Die Philosophie einer Stadt

«Die Lebensphilosophie dieser Stadt entspricht mir», sagt er über Berlin. Aber auch, dass es dort für einen Künstler extrem schwierig sei, Geld zu verdienen. Dazu kehrt er jeweils in die Schweiz zurück und erledigt mit einem befreundeten Paar - dem Fotografen Steve Zeidler und der Grafikerin Anaïs Elisa Kohler, die wie er zwischen Berlin und Langenthal pendeln - Kundenaufträge unter dem Geschäftsnamen www.lieblinge.org. «Mein Ziel ist es, Geld mit Aufträgen zu verdienen, bei denen ich meine Ideen möglichst frei umsetzen kann.» Im Moment versucht Christen den Balanceakt, Kunst und Kommerz unter einen Hut zu bringen.

Kommerz und Kunst unter dem gleichen Namen unter einen Hut zu bringen, sei nämlich extrem schwierig. In Berlin verwirklicht er seine Ideen. Er setzt Themen wie Kindheit, Sexualität und Surrealismus um und befasst sich mit dem eigenen Innenleben. «Ich verpacke in meinen Arbeiten politische und soziale Themen auf spielerische und poetische Weise», umschreibt er seine Art zu arbeiten.

Basteln gehört dazu

Aus Bildstörungen im Netz und seinem defekten Bildschirm etwa kreiert er etwas Eigenständiges. «Ich nutze die Fotografie als Spielzeug», sagt er. Dafür muss er auch schon mal basteln. «So richtig, wie die Kinder», sagt er. Diese Kreativität hat er wohl von seiner Mutter, einer Kindergärtnerin und begeisterten Hobbyfotografin, geerbt.

Aktuell versucht er sich an der Darstellung der Dreifaltigkeit. Wie früher bei Schokoladenpackungen werden Kopf, Körper und Beine separat dargestellt. Die Teile werden von ihm in einem zweiten Schritt zu surrealen, ganzheitlichen Menschenbildern zusammengefügt. «Aussage, Form und Inhalt müssen stimmen», ist ihm wichtig.

Erfolgreicher Autodidakt

Eigentlich wollte Luca Christen Regisseur werden. Gefilmt hat er bereits als Zwölfjähriger. «Der Berufsberater hat dann gesagt, ich solle mich zuerst mit Einzelbildern befassen, bevor ich Filme drehe», erzählt er. So lernte er das Fotografieren. «Eigentlich bin ich Autodidakt», sagt Christen. In Fotostudios war er nur für Praktika. Um aber eine Lehrabschlussprüfung machen zu können - «das ist in der Schweiz ja nach wie vor sehr wichtig» -, besuchte er die Gewerbeschule. Aber nur drei statt wie
üblich vier Jahre, wie er sagt. Mit Note 5,9 war er der beste Lehrabgänger seines Jahrgangs.

Sein Ziel ist es, künftig von der Fotografie leben zu können. In Berlin sei es schwierig, betont er noch einmal. «In Kreuzberg, wo ich wohne, leben extrem viele freischaffende Künstler», unterstreicht er seine Aussage. Aber gerade deshalb gefällt es ihm dort so gut. Und wie sagt Luca Christen doch: «Wenn man etwas will, dann schafft man es auch.»

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