Sexy, bezaubernd, betörend, unwiderstehlich. Es gibt viele Attribute, mit denen man sich als Miss-Schweiz-Kandidatin betiteln lassen möchte – aber nicht dieses: Als «Die Knuddlige» wurde Anic Lysser in der «Schweizer Illustrierten» der Nation präsentiert. «Schrecklich», findet das die 21-jährige Feldbrunnerin. Wie sie sich den zweifelhaften Titel verdient hat, ist ihr ein Rätsel: «Ich bin nicht ‹knuddlig›.»

Anic Lysser, 85-61-89, KV-Absolventin, wird am 25. September im Theater 11 in Zürich zusammen mit 11 weiteren Kandidatinnen um das Krönchen der Landesschönsten wetteifern. Ihre Chancen stünden nicht schlecht, ist hie und da zu hören und zu lesen – nicht schlecht, obwohl mit ihr zum zweiten Mal in Folge eine blonde Deutschschweizerin gewählt würde. Die Parallelen zur aktuellen Miss – Linda Fäh – könnten ihren Wahlchancen tatsächlich abträglich sein, glaubt Lysser selbst. Sie nennt einen Platz unter den ersten drei als Ziel.

«Knallhartes» Missen-Geschäft

Die Wahlnacht, sagt Anic Lysser, sei für sie noch weit weg. Das, obwohl sie sich gegenwärtig voll auf die Wahlen konzentriert: Das Wirtschaftsstudium an der Fachhochschule hat sie bereits früher an den Nagel gehängt, weil sie sich nicht dafür begeistern konnte. In ihren Beruf zurückkehren wird sie erst nach der Wahl – es sei denn, sie würde tatsächlich gewählt. Neben ihren Verpflichtungen als Kandidatin treibt die passionierte Triathletin derzeit vor allem viel Sport. Zeit, zu reflektieren, was momentan mit ihr geschieht, hat sie aber noch genug: Den Weg zur Wahlnacht beschreibt Lysser als «etwas Einmaliges, das du geniessen musst, weil du es kein zweites Mal erleben wirst». Sie hat es tatsächlich genossen bisher. Sie mag es, geschminkt zu werden, vor der Kamera zu stehen, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Gleichzeitig bezeichnet sie das Missen-Geschäft als «knallhart». Immer zu lachen, immer konzentriert zu sein, immer Kameras um sich zu haben, sei mit der Zeit enorm anstrengend. Beklagen will sie sich indes nicht: «Schliesslich habe ich mich darauf eingelassen.»

So trägt sie es auch mit Fassung, dass sie wöchentlich einen Kontrollanruf vom «Blick» erhält, der wissen möchte, ob sie noch mit ihrem Freund zusammen ist, oder ob es Abfälliges über die anderen Kandidatinnen zu berichten gibt. Wirklich schlechte Erfahrungen mit den Medien hat Lysser bislang keine gemacht. Gewundert hat sie sich höchstens darüber, dass sie es dank ihren Piercings in Nase, Zunge und Bauchnabel in die Schlagzeilen schaffte: «Ist es tatsächlich so spannend, wie viele Piercings ich habe?»

Lieber Fussball als Barbies

Miss Schweiz zu werden, war nicht Anic Lyssers Mädchentraum: Als Kind stellte sie nicht mit Barbiepuppen Misswahlen nach, sie wollte ein Junge sein und spielte Fussball. Ihr Interesse am Modelgeschäft entdeckte sie als Teenagerin. Sie traute sich aber vorerst nicht, dazu zu stehen. Irgendwann, so Lysser, habe sie sich gesagt: «Warum eigentlich nicht?» 2009 schaffte sie es dann ins Finale der Miss-Bern-Wahlen, wo sie zwar nicht gewann, aber zur Miss Fotogen gewählt wurde. Jetzt, ein Jahr später, hat sie die Möglichkeit, zur landesweiten Schönheitskönigin gekürt zu werden. «Sollte es klappen, würde ich mich mega freuen», sagt Lysser. Ein Jahr als Miss Schweiz, glaubt sie, wäre «eine vielseitige, eine lehrreiche, aber auch eine strenge Zeit». Sollte sie aber am Ende des Abends nicht auf dem Thron sitzen, würde nicht ihre Welt zusammenbrechen. «Der Weg ist das Ziel», sagt Lysser und meint damit, dass bereits die Erfahrung Miss-Schweiz-Wahl wertvoll sei. Sie hat ihre Pläne, und die sind unabhängig von einem Jahr als Schönheitskönigin: Sie will wieder zurück aufs KV, sie möchte in absehbarer Zukunft von zu Hause ausziehen, und sie möchte wieder nach Australien, wo sie bereits in diesem Frühjahr während dreier Monate war.

Heute Model, morgen ausrangiert

Voll aufs Modeln würde Lysser nie setzen, zu unsicher ist ihr das Geschäft: «Vielleicht bist du heute das gefragte Model und morgen ausrangiert.» Und trotzdem hofft sie, dass ihr die Miss-Schweiz-Wahl als Sprungbrett dienen könnte, um bei einer Agentur unterzukommen. Im Büro arbeiten und daneben ein- bis zweimal im Monat vor der Kamera posieren, das wäre ihre Wunschvorstellung. Mehr brauche sie gar nicht, sagt die 21-jährige Feldbrunnerin.