Yangzom Brauen, sind Sie mit Ihrem Regie-Erstling zufrieden?

Yangzom Brauen: Ja, mein Ziel war es, den Film in der Schweiz ins Kino zu bringen und das habe ich geschafft. Ich habe nun etwas vorzuzeigen, was nächste Projekte einfacher macht. Toll wäre, wenn jetzt auch noch die Besucherzahlen gut sein würden.

Der Film erzählt von Schweizern in Hollywood, die einen Film realisieren wollen. Ist die Komödie autobiografisch?

Nein, aber es gibt reale Figuren, die überspitzt dargestellt werden, und Situationen, die sich ereignet haben: Gerold Wunstel, mit dem ich das Drehbuch geschrieben habe, ist tatsächlich Butler, Pilot und Handmodel – er ist ein Berufesammler. Auch der Fall von versehentlich konsumierten Hashbrownies ist mir persönlich bekannt, aber ein toter Johnny lag noch nie vor meiner Tür!

Der Film wurde mit einem Mini-Budget in acht Tagen gedreht. Mussten Sie da die Freundschaftskarte spielen lassen, damit Melanie Winiger, Max Loong und Carlos Leal auch mitmachten?

Sie haben nicht primär wegen mir zugesagt. Ihnen gefiel das Drehbuch gut und sie trauten mir zu, dass ich es auch wirklich schaffe, diesen Film fertigzustellen.

Hatten die drei keine Bedenken, sich selber zu spielen?

Am Anfang fragten sie sich, ob sie eventuell schlecht rüberkommen würden, wenn sie sich selber spielen. Aber diese Angst konnte ich ihnen nehmen. Denn es ist ja nicht ihr Leben und ihre private Realität, sondern die in einem überspitzten Drehbuch. Das Verwischen von Realität und Fiktion finde ich spannend. Ich habe bereits mit der
Theatergruppe Schauplatz International Realitätsverschiebungen dargestellt. Es gibt auch andere Filme, die damit spielen. Etwa «Being John Malkovich» oder – ganz aktuell – die Komödie «This is the End» mit James Franco.

Die Filmpremiere von «Who killed Johnny?»

Die Filmpremiere von «Who killed Johnny?»

Kann man als Schauspielerin automatisch auch Regie führen?

Es gibt viele Schauspieler, die das gar nicht interessiert. Mich schon. Deshalb blieb ich bei Dreharbeiten auch auf den Sets und schaute zu, um zu lernen. Es gibt verschiedene Wege zum Ziel. Man muss nicht unbedingt in eine Filmschule gegangen sein, um einen Film zu realisieren, so wie man nicht unbedingt eine Schauspielschule absolviert haben muss, um Schauspielerin zu werden. Die Kunstgewerbeschule half mir beim Aufzeichnen meiner visuellen Vorstellungen. Ich habe auch schon den Schnitt für einen Dokumentarfilm gemacht und schreibe schon mit dem Schnitt im Kopf. Wie man eine Rolle entwickelt, weiss ich dank meiner Schauspielerfahrung.

Wie ist in Amerika das Echo auf den Film?

Die Amerikaner finden ihn toll. Er scheint ebenfalls mit Untertiteln zu funktionieren. Am Filmfestival in Hoboken, New Jersey, wurde Melanie als beste Schauspielerin und ich an einem australischen Filmfestival als beste Regisseurin nominiert.

Sie haben mit der Crowdfunding-Plattform Kickstarter den Film mitfinanzieren lassen. Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht?

Crowdfunding ist nicht einfach – ausser man hat einen Star aus Amerika, der den Spendern etwas offeriert. Bei mir kamen in der ersten Woche nicht mal 5000 Dollar
zusammen. Da dachte ich schon, das läuft nicht, die 20 000 Dollar kriege ich nie zusammen. Aber dann kam mir die Presse unerwartet zu Hilfe: Da vielerorts geschrieben wurde «Yangzom schafft es nicht», wurden Menschen auf den Film aufmerksam. Es gab den Schweizern einen Schub, «Who Killed Johnny» zu unterstützen.

«Who killed Johnny?» Trailer zum ersten Film der Exil-Schweizerin Yangzom Brauen. Es spielen mit: Melanie Winiger und Carlos Leal

Finanzieren Sie nun auch Ihren nächsten Film so?

Nein, denn mein Freundeskreis ist auch nicht unbeschränkt und ich kann nicht jedes Mal um Geld anfragen, wenn ich einen Film machen will. Für mich war es eine einmalige Sache. In Zukunft werde ich auch die gewohnte Route gehen und mein Drehbuch beim Bundesamt für Kultur oder bei anderen Institutionen einreichen.

Sie haben also schon ein nächstes Projekt?

Ja, wir haben schon eine Fortsetzungsidee für «Who Killed Johnny». Ausserdem arbeite ich mit einer Freundin an einer Tragikomödie in Englisch und für mein Buch «Eisenvogel» haben wir inzwischen eine Film-Präsentation parat, der ich mich jetzt dann auch wieder mehr widmen kann, wenn «Who Killed Johnny» endlich im Kino ist. Und an Castings gehe ich dann auch wieder. Schliesslich ist die Schauspielerei immer noch ein Fokus.

Sie sind noch kein Jahr mit dem Textilunternehmer Hadi Salem verheiratet. Was hat sich als Ehefrau für Sie verändert?

Es ist schon etwas Besonderes, wenn man «Ja» zueinander sagt und sich vorstellen kann, dass einen erst der Tod scheiden wird. Man arbeitet anders an der Beziehung, wenn man nicht mehr einfach davonlaufen kann, wenn es nicht mehr passt. Ich war nie die Person, die unbedingt heiraten wollte und als Kind schon wusste, wie die Hochzeit aussehen sollte. Das ist ja in Amerika ganz anders. Natürlich hatten wir ein schönes Fest. Ich habe mich deswegen trotzdem nicht verändert. Es ist immer noch alles sehr relaxed und ich kann immer noch meine Sachen machen, wie ich will.