Carl Gustaf

Der König und die leichten Mädchen

Hat er nun seine Frau, Königin Silvia, betrogen? Mit Stripperinnen und einer Rock-Röhre? Dass der König von Schweden kein Kind von Traurigkeit ist, wussten alle. Bis auf die hinterwäldlerischen Schweden.

Es gab kein Entkommen vor dieser Nachricht in den letzten Tagen: Schwedens König Carl Gustaf ist fremdgegangen. Angeblich. Mit einer im Land der Elche populären Sängerin. Das liegt lange zurück, wurde jetzt aber öffentlich, weil eine frühere Geliebte darüber schreibt. Das Enthülllungsbuch trägt denn auch den interessanten Titel «Der widerwillige Monarch».

In den 90er Jahren sollen Camilla Henemark, Sängerin der Band «Army of Lovers», und der König ein Jahr eine Affäre gehabt haben. Der schwedischen Zeitung «Expressen» gewährte Camilla ein paar Vorinformationen. So sagt sie über das erste Treffen: «Es war ein Abendessen mit privatem Charater, alle fuhren getrennt nach Hause. Er lachte immerzu, kicherte wie eine Kind.» Danach sollen sich die beiden häufiger in einer Luxuswohnung in der teuersten Gegend in stockholm getroffen haben. Immer auf sein Zuraten hin. Sie sei verliebt gewesen. Er sieht so gut aus. Er ist so süss. Das ist ein Teil seiner natürlichen Ausstrahlung. Er lacht die ganze Zeit. Das ist das Charmanteste an ihm», so Henemark.

Eine wilde, wilde Vergangenheit

Damit nicht genug. Nach der Veröffentlichung der Skandalbiografie  kommen immer mehr Details über die angeblich wilde Vergangenheit des schwedischen Königs ans Licht. Nun behauptet ein Clubbesitzer, er habe Carl Gustaf beim Sex mit Prostituierten gefilmt. Carl Gustaf als Gast in einem Bordell, das von einem Kriminellen geführt wird? Die Empörung im Königreich ist gross. Denn obwohl frau gerne denkt, dass in Schweden nur Männer wohnen, denen die Frauen vertrauen können, mehr als hierzulande, weil sie sich Karriere und Küche, Wickeltisch und Powerpoint-Präsentation mit ihren Frauen teilen - und zwar klaglos - , also Schweden als Land der Aufklärung, der Emanzipation, des Vorbilds, gilt, wird der Prostitution dort Einhalt geboten. Misogynie ist dort verboten.

Doch mit der Affäre allein lässt sich der Skandal noch nicht begründen. Mitte der Neunziger, so ist es in Sjöbergs Werk zu lesen, soll sich Carl Gustaf gemeinsam mit drei Freunden in diversen Stockholmer Nachtclubs und Edelpuffs vergnügt haben. Dass das heutige schwedische Staatsoberhaupt kein Kind von Traurigkeit ist, ist nicht neu. Bereits in den Siebzigern soll der junge Carl Gustaf, leidenschaftlicher Porsche-Fahrer, die Frauen gewechselt haben wie andere die Unterwäsche. Dies änderte sich erst, als Carl Gustav 1972 die deutsche Olympiahostess Sylvia Sommerlath kennenlernte, die er 1976 zu seiner Frau und damit zur schwedischen Königin machte. Auch die übrigens war kein Kind von Traurigkeit. In der Frühphase ihrer Ehe zeigte sie durchaus weibliche Offenheit auf internationalem Parkett. So liess sie in der Disco «Jimmy's» im Sporting Club von Monte Carlo ihren Carl Gustaf friedlich Backgammon spielen, während auf der Tanzfläche der Deutsche Friedrich von Stumm zu Schmusemusik an den royalen Liegenschaften Mass nahm.

Ein Mafia-Mann als Zeuge?

Trotz der Ehe mit Sylvia habe Carl Gustaf nicht auf seine ausschweifenden Männerabende verzichten wollen, behauptet Sjöberg. Als Beweis lässt er in seinem Buch den serbischen Boxer Mille Markovic zu Wort kommen. Der gilt als Mitglied der Balkan-Mafia und sass 1995 wegen Erpressung im Gefängnis. Markovic betreibt in Stockholm den «Club Power». Eben jenes Etablissement soll Carl Gustaf gemeinsam mit seinen Freunden in den Neunzigern regelmässig aufgesucht haben. Als Hostessen getarnte Prostituierte sollen für das Wohl der Männer gesorgt haben. «Sie richteten den Whirlpool her, zündeten Kerzen an, schenkten Wein nach. Dann setzten sie sich auf den Schoss der Männer, streichelten sie und zogen sich langsam aus. Wer Sex haben wollte, ging einfach ins Solarium oder in den Nebenraum mit dem Whirlpool. Auch Amphetamine und Kokain machten die Runde», schreibt Sjöberg.

Carl Gustaf selbst hat sich bisher nur vage zu den Veröffentlichungen geäussert. Er habe noch keine Zeit gehabt, das Buch zu lesen, sagte der 64-Jährige am Rande seiner traditionellen Elchjagd in Hunneberg. Kurz darauf ließ er verkünden, das sei alles so lange her, dass er gemeinsam mit Ehefrau Silvia beschlossen habe, nach vorn zu schauen. Ein Dementi klingt anders. Bisher hat das Königshaus keine rechtlichen Schritte gegen das Buch eingereicht

Der König als unersättlicher Schürzenjäger?

Dass sich Carl Gustaf nicht weiter zu den Vorwürfen äusserte, wird ihm in seiner Heimat als Arroganz ausgelegt. Dabei tut er nichts anderes, als die Maxime des englischen Königshauses zu vefolgen, die da lautet: «Erkläre dich nicht, kommentiere nichts.» Die Boulevardzeitung «Aftonbladet» fand, dass auch ein gekröntes Staatsoberhaupt heutzutage nicht mehr so locker Fragen abweisen sollte, die «das ganze Land bewegen». Der Monarch entzog sich vorerst weiteren Diskussionen und reiste überraschend nach China, um dort seine Tochter Madeleine zu treffen. Die Flucht ins Ausland ist ein altbewährtes Mittel der schwedischen Königsfamilie, um unangenehmen Schlagzeilen in der Heimat zu entgehen. Kronprinzessin Victoria reiste in die USA, als sie Ende der Neunziger an Magersucht erkrankte. Ihre jüngere Schwester Madeleine suchte ebenfalls in den Vereinigten Staaten Ablenkung von der geplatzten Verlobung mit Jonas Bergström, der schon vor dem Ja-Wort fremdelte. Lange wird sich Carl Gustaf allerdings nicht mehr verstecken können. Ende der Woche soll der Monarch von seiner Chinareise zurückkommen. Bis dahin werden die Schweden das Skandalbuch sicher nicht vergessen haben.

Wo endet der Klatsch und beginnt die Verleumdung? Um das Privatleben gab es in Schweden, anders als im angelsächsischen Raum, bisher noch einen Schutzwall. Das scheint jetzt vorbei zu sein. Die Wellen schlagen höher als dies sonst der Fall ist bei unappetitlichen Geschichten rund um royales Mtressentum. Die Frage bleibt: Warum? Der König betrog seine Frau, die wusste davon - na und? Auf dem Sofa des königlichen Arbeitszimmers von Silvia soll ein Kissen liegen mit der Stickschrift: «It is not easy being Queen». Carl Gustaf hat auch eines.

Man kann es auch anders sehen: Die königlichen Schweden haben Humor. Und es ist wenigstens keine Gefrierstätte, wie sich das im spanischen Hof vermuten lässt, wo es Eternien her ist, seit man Königin Sofia lächeln sah.

Gewinner sind vorerst, wie immer, die Autoren und ihr Verlag. Die Erstauflage ist bereits vergriffen, die zweite im Druck. am ersten Tag des erscheinens wurden 2000 Stück des 350 Seiten dicken Buchs. Zum Vergleich: Von Kronprinzessin Victorias Hochzeitsband setzte man in füfn Monaten 1500 Exemplare ab.

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