Herausforderung
Der Berg ruft, und Linda ist schon (fast) bereit

Die Ex-Miss Schweiz (24) wird von Muskelkater geplagt. Kein Wunder, wartet doch das Matterhorn auf sie. Linda Fäh trainiert seit 6 Monaten eisern für die Besteigung des Schweizer Wahrzeichens.

Claudia Landolt
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Auch Abseilen will gelernt und trainiert werden, dafür gehts ein- bis zweimal die Woche in die Kletterhalle.
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Jede der Frauen ist ienem Bergführer zugeteilt.
Eine Tour im Zermatt Anfang Mai
Linda Fäh trainiert fürs Matterhorn
Linda am Klettersteig Schweifinen in Zermatt
Linda am Klettersteig Schweifinen in Zermatt
Linda am Klettersteig Schweifinen in Zermatt
Linda am Klettersteig Schweifinen in Zermatt
Linda am Klettersteig Schweifinen in Zermatt
Linda am Klettersteig Schweifinen in Zermatt
Linda am Klettersteig Schweifinen in Zermatt
LInda Fäh und Lorena Oliveri besprechen mit ihren Bergführern die Handhabung der Seile
Ein Plättli zum Feiern, das muss sein. Rechts neben Linda Bergführer Andres Scherrer, daneben Gianni Mazzone und Lorena Oliveri.

Auch Abseilen will gelernt und trainiert werden, dafür gehts ein- bis zweimal die Woche in die Kletterhalle.

Der grosse Zeh ist blau angelaufen und schmerzt. «Es war der Druck», erklärt die Benknerin. In der vergangenen Woche erklomm sie zusammen mit ihrer Freundin, Ex-Miss-Kandidatin Lorena Oliveri, in zwei Tagen zwei 4000er. «Mit Steigeisen», betont sie. «Beim Abstieg lastet das ganze Gewicht des Körpers auf dem Fuss beziehungsweise Zehen. Nach ein paar Stunden abwärts laufen oder klettern gibt das ganz schön Druck, selbst wenn man nicht 100 Kilo wiegt. Leier ist mir das jetzt passiert.»

Deshalb ist jetzt Schonung angesagt. Das tägliche Konditionstraining dar sie nicht ausfallen lassen, aber statt Joggen - «mein einstiger Hasssport» - steht jetzt Schwimmen und Crosstrainer im Fitnessstudio auf dem Programm. Sobald sich der blaue Zehe erholt hat, steht Zermatt erneut vor der Tür. Linda: «Wir sind auf gutem Weg, alles läuft nach Plan, aber wir müssen noch eine Reihe Gipfel erklimmen, bevor wir endgültig reif sind für den Berg der Berge.»
Lindas Bergführer, Gianni Mazzone (47), und sein Kollege aus dem Bündnerland, Andres Scherrer, entscheiden, wann die Mädchen soweit sind. Es sei ein Lebensprojekt, sagte Mazzone der «Schweizer Illustrierten». Viel wurde schon geschrieben über die Beziehung von Linda zum Matterhorn, war es doch eine Wissenslücke, die sich bei der einstigen Bankangestellten 2009 offenbarte und viel Häme schuf.

Ein Masterplan für die Fitness

Nun macht sich Linda den Berg selbst zum Geschenk. Was sich anhört wie ein austauschbares Vorhaben eines Prominenten, in Analogie zur Besteigung des Kilimandscharos etwa - , ist doch mindestens einen Schuh grösser.
«Von 0 an» hätte sie mit dem Training gestartet, erklärt die Blondine. Dreimal die Woche Kondition, plus Klettergarten, plus tägliche Balanceübungen stehen auf dem Programm. Noch im Winter gingen die beiden jungen Frauen mit den Bergführern Schneeschuhwandern bis auf 2400 m ü. M., später folgte der Klettersteig Schweifinen in Zermatt. oder Sulzfluh in St. Antönien Wenig später das obere Aeschhorn im Wallis oder der Piz Kesch im Bündnerland.

Ende Juni erfolgte dann eine Art Probe: Zwei Viertausender in zwei Tagen: der Weissmies und das Lagginhorn - jenem Berg, der in diesen Tagen fünf Opfer forderte. Eine Anstrengung, die Linda nicht vergass: «Ich musste mich sehr überwinden, war ziemlich groggy. Als ich oben ankam, musst eich schon eine Träne vergiessen vor Erleichterung.»
Dass Bergsteigen süchtig machen kann, ist bekannt. Oswald Oelz, Extrembergsteiger und einstiger Chefarzt am Zürcher Triemlispital, nennt es das Konzert der Hormone, das bei der Herausforderung am Berg zu wirken beginnt, die Überwindung der Angst wirke wie eine Droge.

Im Herbst ist es soweit

Die Suche nach der Essenz des Lebens, die Abkehr von der Künstlichkeit des Alltags, das zu erreichen, wird Linda noch bevorstehen. Sie sagt, sie hätte den «allergrössten Respekt» vor dem Matterhorn. Einen Vorgeschmack hat sie schon erhalten. Sie glaubt aber fest an das, was ihr Gianni Mazzone gesagt hat: «Dass in den kommenden Gipfelbesteigungen irgendwann der Moment kommt, an dem es einen trifft wie der Blitz, und man weiss, ich schaffe es.» Mazzone sagt: «Lorena und Linda sind auf einem gutem Weg.» Er muss es wissen, war er doch schon 270mal auf dem Gipfel des Horns oder «Horu», wie man das Matterhorn auch nennt.

Irgendwann im September soll es soweit sein: Dann heisst es «Horu» retour. Fast ein Jahr Vorbereitung liegt dann hinter ihr. Wir drücken die Daumen.

Linda und Lorenas Versuch wird übrigens gesponsert von Mammut, dem Bergspezialisten, der dieses Jahr sein 150. Jubiläum feiert. Rund 150 Seilschaften auf der ganzen Welt können in diesem Jahr ihren Traum vom Berg realisieren.

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