Frankreich

Depardieu hat 145 Millionen Steuern bezahlt

Depardieu gibt seinen Pass zurück.K

Depardieu gibt seinen Pass zurück.K

Wutentbrannt zieht der bekannteste Schauspieler des Landes die Konsequenzen aus der Steuerfluchtdebatte und gibt seinen Pass zurück. 2013 wird in Frankreich ein Steuersatz von 75 Prozent für Einkommen über einer Million Franken eingeführt.

«Ich habe hier leider nichts mehr zu tun.» Mit diesem bitteren Satz verabschiedet sich Gérard Depardieu von seinem Vaterland. Der 63-jährige Schauspieler, Filmproduzent und Hobbywinzer teilte Premier Jean-Marc Ayrault gestern in einem offenen Brief mit, er gebe seinen Pass zurück. Vor einer Woche hatte der «Obelix der Republik», wie er in Anlehnung an eine Filmrolle genannt wird, seinen Umzug nach Belgien vollzogen. Das Nachbarland Frankreichs kennt keine Vermögenssteuer. In Frankreich hatte Präsident François Hollande eine Steuer von 75 Prozent eingeführt.

Ayrault hatte letzte Woche erklärt, es sei «ziemlich erbärmlich», seine Heimat aus steuerlichen Gründen zu verlassen. «Erbärmlich, sagten Sie erbärmlich?», beginnt nun der schwergewichtige Schauspieler seine Tirade. «Wer sind Sie, mich überhaupt zu beurteilen?», fragt er voller Verachtung. Er habe mit 14 Jahren als Drucker zu arbeiten begonnen, sei Schauspieler geworden und habe Frankreich insgesamt 145 Millionen Steuern entrichtet.

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«Ich bin Europäer und Weltbürger»

«Ich gehe, weil Erfolg, Kreativität, Talent und Anderssein sanktioniert werden», meint Depardieu, um zu präzisieren, dass sein Umzug nach Belgien «zahlreiche und intime Gründe» habe. Namentlich klagt der Schauspieler, dass sein – verstorbener – Sohn Guillaume wegen zwei Gramm Heroin zu drei Jahren Haft verurteilt worden sei, «während andere wegen viel gravierender Delikte dem Gefängnis entgehen».

Sich permanent auf Ayrault einschiessend, durch den er sich «beschimpft» fühlt, meint Depardieu: «Wir haben nicht mehr die gleiche Heimat. Ich bin ein richtiger Europäer, ein Weltbürger, wie mir das mein Vater eingeimpft hat.» Der Verzicht auf die Staatsbürgerschaft ist in Frankreich nur möglich, wenn man eine neue Nationalität erhalten hat. Depardieu muss also zuerst Belgier werden, bevor er seinen französischen Pass abgeben kann. Seine 1800 Quadratmeter grosse Stadtvilla im Herzen von Paris schrieb er für 50 Millionen Euro zum Verkauf aus.

Depardieu erklärte, er liebe die Franzosen und er hoffe, dass Frankreich ein schönes Land bleibe. Dass eine lebende Kinolegende ihnen den Rücken kehrt, dürfte seine Landsleute mehr treffen, als sie zugeben würden.

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