Veräppelung

Das ist der Mann, der den SVPler Erich Hess vorführte

Der deutsche Comdey-Autor und sein alter Ego, der fiktive Politiker Dr. Udo Brömme.

Ralf Kabelka

Der deutsche Comdey-Autor und sein alter Ego, der fiktive Politiker Dr. Udo Brömme.

Ralk Kabelka hat in seiner Sendepremiere «Grenzgänger Kabelka» den Präsidenten der jungen SVP gründlich auf die Schippe genommen. Übungsmaterial konnte er lange Jahre bei Harald Schmidt sammeln, bei dessen Show er als Redaktionsleiter fungierte.

In der «Heute Show» des vergangenen Samstags auf ZDF wurde das Steuerabkommen mit der Schweiz zum Thema gemacht. Das Satiremagazin veräppelte dabei jemandem im Steuerparadies Schweiz. Und wurde bei SVP-Jungpolitiker und Grossrat Erich Hess fündig. In der Sendung wird denn der Berner auch tüchtig auf die Schippe genommen. Gefragt nach seinen politischen Ambitionen, gibt er zwar hemdsärmelig, aber redlich Antwort, doch im Hintergrund macht der Moderator mobil: Nimmt einen Kugelschreiber auseinander und bohrt sich damit in der Nase, verschwindet kurz aufs WC, kurz: all dies lässt den Jungpolitiker alt aussehen. Die Botschaft: alles total uninteressant, was Sie von sich geben, Herr Hess!

SVP-Jungpolitiker wird von der «heute show» gehörig auf die Schippe genommen

Der Mann in hellebigen Anzug, das ist Moderator Ralf Kabelka. Keiner, der Angst hat vor der Lächerlich- oder Peinlichkeit. Lange Zeit sass Kabelka von 9 bis 18 Uhr in der Redaktion von Harald Schmidt in einem alten Fabrikgebäude in Köln. Da durchforstete er die deutsche Presse nach Pointenstoff, versorgte externe Gagschreiber mit Themenvorschlägen und trug sein Material pünktlich in die Redaktionskonferenzen. Kurz: Ein unauffälliger, uneitler Ideensammler, der seinen Chef bewundert, für den er schon zu Sat 1-Zeiten die Witze schrieb.

Kunstfigur Dr. Udo Brömme

Glorreiche Momente erlebte er als Dr. Udo Brömme. Eien Figur, die er ersann, ein Mann, der einen CDU-Abgeordneten spielt und dabei sogar an CDU-Wahlständen sein Bestes gibt. Sobald Kabelka das Brömme-Kostüm überstreift, einen überweiten, altmodischen Trenchcoat mit Cord-Kragen, erwacht in ihm eine andere Person, eine, die regelrecht scharf darauf ist, wieder von der Kette gelassen zu werden. Sein Thema: Die Lust am unerträglichen Aufdecken so vieler politischen Platitüden. Kabelka, geboren 1965 in Paderborn,  gab in einem der sehr wenigen Interviews einmal zu, seine sehr kalte Schnauze verdanke er zuviel Fernsehkonsum. Seine Kunstfigur Brömme entwickelte er aus diesen Erscheinungen von Politikern, deren Auftritte er zusah.

«Kabelka muss selbst ein Mann der Angstlust sein», schrieb die «Zeit». Er mischt sich während der Fussball-EM 2000 als Dr. Brömme mit dem Megafon unter englische Schlachtenbummler, kurz vor dem Spiel gegen Deutschland: «Was seid ihr nur für Menschen? Liebe englische Mitbürger, Gewalt ist keine Lösung.» Er geht in der größten BSE-Not in eine Kneipe beim Schlachthof und spendiert eine Runde deutsches Rinderhirn. Er reist nach Berlin, um die Love Parade aufzulösen («Bitte eine Gasse bilden. Und keine Drogen! Meine Herrschaften, hier gibt's nichts zu sehen. Gehen Sie nach Hause.» (cls)

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