Zwei Jahre nach der Fusion AT-BT stiess er zu uns und prägte als Finanzchef das Unternehmen stark. Über 300 Millionen Franken wurden in den letzten Jahren in Projekte, Investitionen und Übernahmen gesteckt, damit verbunden eine Menge Arbeit.

Wenn der Verleger jede Woche eine neue Idee hat, braucht es als Konterpart einen starken Finanzchef, der das Wünschbare vom Machbaren unterscheidet. Roland Tschudi hat diese Rolle perfekt gespielt. Besonders hervorheben möchte ich seine Loyalität und seine Unabhängigkeit im Urteil. Er liess sich von niemandem vereinnahmen und dachte immer für das Unternehmen. Dieses kam für ihn an erster Stelle. Was ist finanziell verkraftbar, was ist gut für das Unternehmen? Aber auch: wovon sollten wir besser die Finger lassen?

Verlässlich, ehrlich, gradlinig

Ich mag mich noch gut erinnern an das Bewerbungsgespräch. Der Headhunter wollte mir einen anderen Kandidaten schmackhaft machen, doch ich war nicht überzeugt. Als der Headhunter mir sagte, er hätte noch einen weiteren Kandidaten, der habe genug von Auslandreisen, aber wahrscheinlich sei er überqualifiziert für die AZ Medien, wusste ich: Diesen Kandidaten will ich sofort sehen.

Als wir uns gegenübersassen, war Roland Tschudi ziemlich wortkarg im Gespräch. Wie sollte ich da seine Fachkompetenz beurteilen? Doch mein Bauchgefühl sagte mir, das ist genau der richtige Mann: verlässlich, ehrlich, gradlinig. Bei ihm spürte ich intuitiv, dass nie etwas «anbrennen» wird.

Gewiss, Roland Tschudi war in den 19 Jahren nicht immer bequem und einfach im Umgang. Aber ein Finanzchef und Controller darf nicht bequem sein, darf sich nicht anbiedern. Er muss unbequem und hartnäckig sein.

Und was die Kommunikation anging, da musste man einfach wissen, wie Roland Tschudi «tickt». Meistens wenn eine Entscheidung blockiert war oder wenn es in einer Sache nicht vorwärtsging, gab es einen Urheber. Mit der Zeit wusste man, wo der Urheber steckt. Ich dachte dann jeweils: Warum sagt er es nicht, dass er dagegen ist? Damit konfrontiert, meinte er jeweils lakonisch: «Man hätte mich auch fragen können.»

Im Laufe der Jahre wurde Roland Tschudi zum finanziellen Gewissen der AZ Medien. Er hatte eine klare Linie und ihn musste man bei allen Investitionen und Projekten zuerst überzeugen. Eine Hürde, die es zu nehmen galt. Im Verwaltungsrat wurde er wegen der Unabhängigkeit seines Urteils sehr geschätzt. In der Unternehmensleitung verschaffte er sich deswegen nicht nur Freunde, aber alle zollten ihm grossen Respekt. Und für mich als Verleger war es wichtig, einen Finanzchef zu haben, dem ich fast blind vertrauen konnte.

Dank für unermüdlichen Einsatz

Roland Tschudi war nicht nur Finanzchef und Chefcontroller. Er leitete auch erfolgreich die Pensionskasse, hatte die Projektleitung inne beim Neubau des AZ Medienhauses und nahm ein Mandat als Verwaltungsrat im KSA wahr. Zudem verantwortete er in den letzten Jahren nebst dem Vertrieb auch noch die Drucksparte. Dass der Zeitungsdruck und der Akzidenzdruck heute so gut dastehen und die dafür notwendigen Investitionen reibungslos im Verwaltungsrat durchgingen, ist mit sein Verdienst.

Für seinen unermüdlichen Einsatz und für sein grosses Engagement zugunsten AZ Medien möchte ich ihm an dieser Stelle ganz herzlich danken. Für die Zukunft wünsche ich ihm alles Gute, viel Freude an seinen Hobbys und an seinen Enkelkindern – und natürlich jedes Jahr eine ertragreiche Fricktaler Chriesi-Ernte.