Ihren Anteil am Erbe Chaplins, der noch in der Stummfilmzeit Hollywoods weltberühmt geworden war, habe sie allerdings vor gut zehn Jahren verkauft, sagte Geraldine Chaplin der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit". "Ich hatte keine Lust mehr, mit den anderen ständig darüber zu streiten. Wissen Sie, es gibt nichts Schlimmeres als Erben."

Es ergebe für sie keinen Sinn, die Legende Charlie Chaplin vor dem Ausverkauf zu schützen: "Man kann die Ikone Charlie Chaplin gar nicht vulgarisieren. Auch nicht, wenn Sie ihn auf Toilettenpapier drucken würden. Chaplin gehört zum Menschheitserbe. Er gehört allen."

Kampf mit schmutzigen Tricks

Wie Geraldine Chaplin verriet, versuchten sie und ihre Schwester Josephine 1972 vergeblich, ihren Vater von der Annahme eines Ehrenoscars abzuhalten. Vor dem Hintergrund der Ausweisung des Briten wegen Kommunismusverdachts 1952 aus den USA hätten sie die Annahme des Oscars für einen Verrat seiner Prinzipien gehalten. "Wir wollten nicht, dass er den Amerikanern diese Geste gewährte. Wir kämpften mit schmutzigen Tricks, erfanden alle erdenklichen Hinderungsgründe."

Im Rückblick sei die Annahme des Oscars aber richtig gewesen: "Und diese Ehrung gab ihm noch einmal ungeheure Lebenskraft." Charlie Chaplin starb 1977 mit 88 Jahren.