People
Carl Hirschmann vor Gericht: Angeklagt wegen sexueller Nötigung

Carl Hirschmann, Millionenerbe und ehemaliger Clubbesitzer, holt am Mittwoch sein «altes Leben» doch wieder ein: Der 30-Jährige muss sich vor dem Zürcher Bezirksgericht wegen sexueller Nötigung und Sex mit Minderjährigen verantwortlichen.

Monika Freund
Drucken
Teilen

Keystone

Der Wendepunkt kam im Juli 2010, als sein Vater an Krebs starb. Er werde von nun an ein anderes Leben führen, kündigte Carl Hirschmann öffentlich an. Er habe ein verantwortungsvolles Erbe angetreten. Das Leben als Party-Veranstalter passe nicht mehr dazu.

Ende Jahr schloss der Millionärssohn seinen Club «Saint Germain» an der Zürcher Bahnhofstrasse, in dem er während fast drei Jahren die Nächte durchfeierte. Nun ist er wegen Vorfällen angeklagt, die unter anderem in diesen Nächten passiert sein sollen.

Gemäss Anklageschrift hat Hirschmann im Jahr 2008 eine junge Frau auf dem Dach des Clubs zum Oralsex gezwungen. Als sie sich mit einem Biss in seinen Penis wehrte, riss er sie an den Haaren, würgte sie und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht.

In der Befragung gab die Betroffene an, dass sich Hirschmanns «nettes und unauffälliges» Verhalten innert kurzer Zeit radikal geändert habe und er sehr herrschend geworden sei.

Mit Gewalt zum Oralsex gezwungen

Eine ähnliche Szene spielte sich laut Anklage drei Jahre zuvor ab, im Club «Diagonal» des Zürcher Luxushotels Baur au Lac, wo sich vor der Gründung des «Saint Germain» die jeunesse dorée traf. Auch hier soll er eine junge Frau mit Gewalt zum Oralsex gezwungen haben.

In einem weiteren Fall sei er mit Fusstritten auf eine junge Frau losgegangen. In den Sommerferien 2008 in Frankreich soll er seiner damalige Freundin, einem Model, gegen Kopf und Bauch getreten und sie gewürgt haben, weil sie ihm nicht sagen wollte, mit wem sie telefonierte.

Danach habe er ihr eine Schlaftablette eingeflösst, weil sie von Weinkrämpfen geschüttelt wurde. Aus lauter Angst habe sie nicht mehr gewagt, sich ihm zu widersetzen, so die Anklageschrift. Einige Wochen später zeigte sie ihn an - obwohl er ihr drohte, sie zusammenzuschlagen und Sexvideos von ihr ins Internet zu stellen.

Der Staatsanwalt verlangt, Hirschmann wegen mehrfacher sexueller Nötigung und Körperverletzung schuldig zu sprechen. Seinen Strafantrag gibt er erst bei der Verhandlung bekannt. Die Tatsache, dass Hirschmann bereits wegen Verkehrsdelikten vorbestraft ist, dürfte die Strafe deutlich verschärfen.

Sex mit 15-Jähriger

Verantworten muss er sich auch wegen sexueller Handlungen mit Minderjährigen. Der Angeklagte hatte gemäss Staatsanwalt mehrmals Sex mit einer 15-Jährigen in seiner Suite im Hotel Dolder und im privaten «Platinum Room» in seinem Club.

Er habe zwar nach dem Alter gefragt, sich aber schnell mit einer offensichtlich falschen Angabe zufrieden gegeben - obwohl ihn ein Kollege sogar darauf aufmerksam gemacht habe, dass die Dame wohl jünger sei. Hirschmann sei einzig darauf aus gewesen, «seinen Geschlechtstrieb zu befriedigen», so die Anklage.

Eine halbe Million als Sicherheit

Der Prozess dauert voraussichtlich zwei Tage. Es ist nicht das erste Mal, dass der Spross der Jet-Aviation-Dynastie vor Gericht erscheinen muss. Das Basler Strafgericht verurteilte ihn im Dezember 2009 wegen Körperverletzung und Tätlichkeiten zu einer bedingten Geldstrafe.

Der Schuldspruch wurde jedoch im Oktober 2010 aufgehoben, weil die zwei Geschädigten die Strafanträge zurückzogen. Weniger Glück hatte Hirschmann was die so genannte Friedensbürgschaft betrifft, die selbst das Bundesgericht im August 2011 nicht aufheben wollte. Eine Friedensbürgschaft ist eine vorsorgliche Massnahme, die ein Delikt verhindern soll.

Er musste versprechen, seine Ex-Freundin, mit der er in Frankreich in den Ferien war, nicht wie angedroht zu verprügeln. Als Sicherheit musste er eine halbe Million Franken hinterlegen. Bricht er das Versprechen innert zwei Jahren, fliesst das Geld an den Staat. Hält er sich daran, bekommt er die Summe zurück.

Aktuelle Nachrichten