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Bond-Bösewicht Javier Bardem: «Ich bin eine friedliebende Person»

Der James-Bond-Bösewicht Javier Bardem erzählt im Interview über Sprachbarrieren und künstlerische Freiräume - und warum er zu gerne den Bösen spielt.

Angela Allemann
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Als Daniel Craig Sie vor einigen Jahren an einer Party ansprach, ob Sie sein Gegenspieler sein wollten im nächsten Bond-Film, was war Ihr erster
Gedanke?

Javier Bardem: Mein erster Gedanke war, so cool ihn zu treffen, denn ich fand Craig ja schon toll, bevor er James Bond spielte, als Schauspieler und als Menschen.

Und Ihr zweiter Gedanke?

Ein Bond-Film? Wahnsinnig! Bond-Filme begeisterten mich schon als Kind. Und als ich dann das Drehbuch las, war ich völlig überzeugt. Die Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Was faszinierte Sie am Drehbuch?

Die spannende Handlung, die komplexen Charaktere. Meine Rolle des Bösen, Raoul Silva, die mir enorme Entfaltungsmöglichkeiten gab.

Konnten Sie sich einbringen, Ihre Rolle entwickeln?

Und wie. Regisseur Sam Mendes befürwortet jede Kreativität seitens der Schauspieler, stellte aber auch hohe Anforderungen an mich.

Raoul Silva ist eine gequälte Figur, hasserfüllt, weil M, seine einstige Chefin, ihn hängen liess. Er denkt nur an Rache. Können Sie sich vorstellen, mit einer solchen Situation umzugehen?

Als Schauspieler muss man sich da reindenken, so schwierig es auch ist, da ziehen wir als Schauspieler alle Register. Und es ist viel Arbeit, ich kann ja nur ahnen, was Silva bedrängt, aber das hat nichts mit mir als Person zu tun.

Natürlich nicht, aber könnten Sie persönlich mit derselben Vehemenz wie Ihr Charakter reagieren?

Nein, niemals, ich bin eine friedliebende Person.

Man merkte Ihrem Spiel an, dass Sie viel Spass an der Rolle hatten.

Das stimmt. Spass und Vergnügen erlebt man dann, wenn man Vertrauen hat zu den Leuten, mit denen man zusammenarbeitet, und das war grossartig. Wir waren ein tolles Team, haben wie in einem kleinen unabhängigen Film gearbeitet, obwohl es eine richtig grosse Studiokiste ist.

Es gab sicher auch schwierige Momente?

Englisch ist ja nicht meine Muttersprache, da ist es manchmal schwierig, entspannt und authentisch zu sein.

Eitel sind Sie jedenfalls nicht. Sie haben Mut zu schrägen, unattraktiven Charakteren. Auch in «Skyfall», sehen Sie ramponiert aus, mit blonden toupierten Haaren. Sie nehmen sogar Ihre Zähne raus.

Das sind eben diese Sachen, die so viel Spass machen. Man katapultiert sich für den Kinomoment in eine Situation, die total aussergewöhnlich ist – und kommt dann zurück zu sich selbst. Das ist es, was Schauspielen ausmacht.

Sie stammen aus einer Schauspielerfamilie. Wollten Sie immer auch Schauspieler werden wie der Rest Ihrer Familie?

Nicht unbedingt. Ich studierte erst Kunst und Malerei. Jeder weiss, wie schwierig es ist, als Schauspieler sein Brot zu verdienen. Es passierte einfach.