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Bertarellis Schwester: «Wir wurden bodenständig erzogen»

Dona Bertarelli, die Schwester von Ernesto Bertarelli, über die Hotellerie und ihre Familie - und ihren Reichtum.

Reinhold hönle
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Frau Bertarelli, Sie haben das Grand Hotel Park in den letzten neun Monaten sehr geschmackvoll und hochwertig renovieren lassen. Was war Ihre Triebfeder?

Dona Bertarelli: Vielen Dank. Wir sind sehr glücklich mit dem Resultat und unseren ersten Gästen gefällt es auch. Ich hatte den Plan schon länger mit mir herumgetragen, doch fand ich erst jetzt zum 100-Jahr-Jubiläum die Zeit und einen idealen Anlass, um dem Hotel ein neues Kleid zu verpassen.

Entspricht das Resultat Ihren ursprünglichen Vorstellungen oder haben sich diese im Laufe der Jahre verändert?

Nein, es gibt keine Überraschungen in Stil und Technik, da ich mit Architekt Herbert Gnägi und Dekorateurin Federica Palacios schon seit über zehn Jahren zusammenarbeite. Unser erstes Projekt war mein eigenes Chalet in Gstaad. Das Grand Hotel Park und besonders diese grösste Suite, die wir deshalb «My Gstaad Chalet» getauft haben, sieht sehr ähnlich aus – es ist eigentlich eine erweiterte Form meines Chalets.

Worauf legten Sie besonders Wert?

Es ist mir sehr wichtig, dass die Leute spüren, dass sie in den Bergen und nicht in Paris, New York oder Tokio sind. Ich mag keine plakativen oder aggressiven Stilmittel. Ich bevorzuge natürliche Materialien und Oberflächen. Wir haben viel einheimisches Nadelholz sowie Leder und Flanell verwendet.

Welche Beziehung hatten Sie zur Hotellerie, ehe Sie das Grand Hotel Park erwarben?

Als Kind habe ich es geliebt, meinen Onkel und meine Tante zu besuchen und ihr Hotel, das sie in Italien besassen, als Spielplatz zu benutzen. Ich erinnere mich gut, wie ich in die Küche rannte, um dort mit dem «Rückgrat» des Hotels zu Mittag zu essen. Später, als mein Vater gestorben ist, habe ich drei Hotels in Amerika geerbt. Dieser Einstieg in die Hotelindustrie war jedoch eher zufällig. Als das Grand Hotel Park 2003 zum Verkauf stand, habe ich es erworben, weil ich Gstaad liebe und dieses Haus wieder zu dem machen wollte, was es einst war: eines der besten und luxuriösesten Hotels der Region.

Wo lag die Herausforderung?

Das Hotel lief schlecht und die Angestellten waren nicht mehr motiviert. Es drohte sogar seinen fünften Stern zu verlieren. Den ersten Schritt, um das Hotel wieder in Form zu bringen, haben wir vor vier Jahren mit der Renovierung des Spa gemacht.

Welchen Eindruck haben Sie gewonnen, als Sie die Chancen und Schwierigkeiten der Schweizer Hotellerie evaluierten?

Ich habe keine gründliche Überprüfung durchführen lassen. Sonst hätte ich das Hotel vielleicht nie gekauft (lacht)! Es reichte mir, dass ich wusste, dass es ein enormer Arbeitsaufwand ist, ein Saisonhotel zu haben, das man zweimal pro Jahr eröffnen und wieder schliessen muss. Wenn man sein gutes Personal halten will, muss man es für 12 Monate bezahlen. Ausserdem ist man auf einer Meereshöhe von nur 900 Metern gegenüber Wintersportorten wie Zermatt oder St. Moritz klar benachteiligt.

Wie gross ist der Konkurrenzkampf mit den beiden anderen Fünfsternehotels Palace und Bellevue?

Wir kennen uns alle von gemeinsamen Reisen nach Russland und in andere Länder, auf denen wir oft am gleichen Stand für unsere Region oder unser Land werben. Wir können uns an einen Tisch setzen, wenn es mal Probleme gibt, kommen uns normalerweise aber nicht ins Gehege, da jeder seine eigene Klientel hat.

Wie viel Geld haben Sie in diese Renovation gesteckt?

Wir haben investiert, was nötig war, um weiter zu den Leading Small Hotels of the World zu gehören.

Sie stehen auf der «Bilanz»-Liste der reichsten Familien der Schweiz auf dem vierten Platz. Macht Ihnen das Freude oder empfinden Sie dieses Rampenlicht als lästig?

Ich lasse mein Leben nicht vom Umstand beeinflussen, dass ich auf dieser Liste stehe. Viel wichtiger ist, was man mit seiner Zeit und seinem Geld macht.

Welche Werte haben Sie von zu Hause mitbekommen?

Wir wurden sehr bodenständig erzogen. Die Familie war bei uns immer sehr wichtig, wobei damit nicht nur die Angehörigen gemeint sind, sondern alle Menschen, die unser Vertrauen erworben haben. Das deckt sich vielleicht nicht mit dem Bild, das viele Leute von einer Person haben, die viel Geld besitzt. Da wird man eher für distanziert und unausstehlich gehalten. Wir mögen den Kontakt jedoch, suchen ihn sogar.

Zum Beispiel?

Mir hat der Tag im vergangenen Oktober, als wir die Sennen des Berner Oberlands eingeladen haben, im Garten des Grand Hotel Park eine Viehschau abzuhalten, mehr Freude bereitet als jede glamouröse Party!

Hat diese Haltung auch mit dem Sportsgeist in Ihrer Familie zu tun?

Das ist möglich. Schon unser Vater war sehr sportlich und hat uns auf die harte Tour gelehrt, dass man selbst gewinnen muss, um sich den Respekt der anderen zu verdienen.